Bedienen der Maus mit NVDA

Bei den Sehenden ist es ja oft so, dass sie fast alles am Computer mit der Maus schnell erledigen. Wir als Screenreader-Nutzer brauchen immer die Tastatur und müssen komplett von Element zu Element wechseln und alles einzeln lesen, was natürlich viel länger dauert, obwohl es durchaus viele Tastenkürzel gibt, die da Abhilfe schaffen, aber bei manchen Anwendungen gibt es auch Sachen, die man mit der Tastatur gar nicht erreicht und nur mit der Maus ansteuern kann.
Der Screenreader „NVDA“ versucht sich seit längerem an einer Lösung dieses Problems. Durch verschiedene Tonhöhen (je weiter nach oben man scrollt, desto höher wird der Ton) kann man die Position der Maus einschätzen. Es ist sehr ratsam, dabei einen Kopfhörer zu tragen, denn wenn man nach rechts oder links scrollt, verlagert sich der Ton entsprechend mehr aufs rechte oder aufs linke Ohr. Zudem kann man einstellen, dass einem vorgelesen wird, auf welchem Element sich die Maus gerade befindet, was allerdings noch nicht immer klappt. Wenn man zum Beispiel die Dokumente in einem Ordner hat oder innerhalb eines Dokuments etwas bestimmtes sucht, wird noch nichts vorgelesen, diese Funktion nützt uns also bislang nur eingeschränkt etwas. Ein weiteres Problem, das hinzukommt, ist, dass viele Blinde dadurch, dass sie nie eine Maus benutzt haben, überhaupt nicht wissen, wie man mit einer Maus umgeht, und da die Sprachanweisung durch NVDA schon losgeht, wenn man die Maus nur am Rand leicht berührt, kann das sehr verunsichern. Es ist daher empfehlenswert, es am Anfang mit einer sehenden Person zusammen zu versuchen.
Es gibt klare Grenzen bei der Arbeit mit der Maus für Blinde, aber ich finde es eine spannende Sache, dass NVDA sich damit auseinandersetzt und ich hoffe, dass dieses Feature weiterentwickelt wird. Die Frage ist natürlich, ob das wirklich eine Geschwindigkeitserhöhung bringt, aber es könnte gerade für grafischere Anwendungen mit über die Tastatur nicht erreichbaren Elementen eine große Hilfe sein.