Yellowstone: 6666
Verfasst von Mevludin Useinoski
Die triumphale Rückkehr des Dutton Gefühls im neuen Gewand
Das weltweite Phänomen rund um die Dutton Familie hat ein neues, spektakuläres Kapitel aufgeschlagen. Am fünfzehnten Mai zweitausendsechsundzwanzig startete auf Paramount Plus die lang ersehnte neue Serie aus dem Yellowstone Universum, die die Herzen der Western Fans im Sturm erobert. Unter dem offiziellen Titel Dutton Ranch wird die epische Saga nahtlos fortgesetzt. Mit zwei grandiosen Pilotfolgen, die gleichzeitig veröffentlicht wurden, hat die Produktion einen Einstand nach Maß hingelegt. Es ist ein völlig neuer Abschnitt, aber im absolut alten Gewand. Genau das, was die Hauptserie Yellowstone über Jahre hinweg ausgemacht hat, trifft auch hier bei dieser neuen Serie voll und ganz zu. Nach den ersten zwei Folgen kann man als treuer Anhänger nur absolut hingerissen sein. Das größte Kompliment, das man der gesamten Produktion machen kann, ist wohl, dass man am bewährten Erfolgsrezept eigentlich überhaupt nichts verändert hat. Der Schauplatz wurde lediglich aus dem kühlen Montana in das weite, heiße Texas verlegt. Auch wenn der Bruder Jamie Dutton und die gewohnten Dynamiken rund um das Indianerreservat vorerst nicht mit von der Partie sind, haben wir sofort wieder das vertraute Gefühl von Heimat, Machtkämpfen und rauer Natur. Wir haben eine völlig neue Ranch, und es geht wieder um das, was wir so sehr lieben: menschliche Abgründe, familiären Zusammenhalt und böse Machenschaften, die von der ersten Minute an im Hintergrund lauern. Die Spannung wird von der ersten Sekunde an meisterhaft aufgebaut und lässt den Leser nicht mehr los, da sich die Atmosphäre nahtlos an die großen Momente der Mutterserie ankreidet.
Ein neues Imperium in Texas und die vertrauten Gesichter
Im Mittelpunkt des Geschehens stehen zwei absolute Publikumslieblinge, deren Schicksal wir nun in der neuen Umgebung weiterverfolgen dürfen. Kelly Reilly brilliert wieder in ihrer absoluten Paraderolle als die unberechenbare, scharfzüngige und hochintelligente Beth Dutton. An ihrer Seite steht Cole Hauser als der treue, knallharte und unerschütterliche Rip Wheeler. Die beiden haben Montana den Rücken gekehrt und sind gemeinsam mit Carter, dem Jungen, den sie einst aufgenommen haben und der von Finn Little mit einer enormen schauspielerischen Reife gespielt wird, nach Texas gezogen. Für den Zuschauer fühlt sich dieser Übergang unglaublich organisch und stimmig an. Es ist im Grunde keine komplett neue Serie, sondern es fühlt sich im Herzen an wie die echte sechste Staffel von Yellowstone. Das liegt vor allem an der grandiosen und tiefgründigen Darstellung der Schauspieler, die ihre Figuren über Jahre hinweg perfektioniert haben. Cole Hauser als Rip übernimmt sofort das Ruder auf der neuen Ranch. Er kümmert sich um das harte Alltagsgeschäft, die Ausbildung der Pferde, die Pflege der Rinder und die gesamte Organisation der kräftezehrenden Cowboy Arbeit auf der Weide. Während er den Staub der texanischen Prärie einatmet, zieht Beth im Hintergrund die strategischen und finanziellen Fäden. Die Chemie zwischen den beiden Hauptdarstellern ist so intensiv und glaubwürdig wie eh und je. Man spürt die jahrelange, schmerzhafte Geschichte, die diese Charaktere verbindet. Besonders faszinierend sind die geschickt eingewebten Rückblenden in den ersten beiden Folgen. Diese Rückblenden zeigen dem Zuschauer auf eine sehr emotionale Art und Weise, wie mühsam es ist, eine neue Ranch im rauen texanischen Umfeld von Grund auf neu aufzubauen. Man sieht die ersten Schritte, den Schweiß und die Opfer, die Beth und Rip bereits bringen mussten, um diesen radikalen Neuanfang überhaupt zu wagen. Die Kamera fängt die harte Arbeit der Cowboys in langen, epischen Einstellungen ein, die die unbarmherzige Hitze und den Schmutz fast spürbar machen.
Die gigantischen Ausmaße der neuen Zehn Petal Ranch
Ein absolut zentrales Element der ersten beiden Folgen, das dem Zuschauer sofort den Atem raubt, ist die unfassbare Kulisse des neuen Schauplatzes. Die Serie nimmt sich in den ersten Stunden enorm viel Zeit, um die gigantischen Dimensionen dieser neuen texanischen Ranch zu demonstrieren, die offiziell unter dem Namen Zehn Petal Ranch geführt wird. Es handelt sich hierbei nicht nur um ein paar Weiden, sondern um ein wahres Imperium, das sich über hunderte von Quadratkilometern erstreckt. Diese unendliche Weite unterscheidet sich fundamental von den engen Tälern und Bergen in Montana. Hier in Texas gibt es keine natürlichen Grenzen durch schützende Berggipfel, sondern der Horizont scheint endlos zu sein. Die Kamera fängt in atemberaubenden Drohnenflügen die riesigen Staubwolken ein, die von tausenden von Rindern aufgewirbelt werden, wenn sie über das vertrocknete Land getrieben werden.
Diese schiere Größe bringt jedoch auch völlig neue, logistische Probleme für Rip Wheeler mit sich. Es wird in den Pilotfolgen detailliert gezeigt, wie extrem schwierig es ist, ein so riesiges Areal zu überwachen. Zäune müssen über unzählige Kilometer kontrolliert werden, und die Wasserstellen sind bei der sengenden texanischen Hitze rar gesät. Wenn eine Rinderherde an einem abgelegenen Ende der Ranch ohne Wasser dasteht, kann das innerhalb kürzester Zeit den Ruin bedeuten. Rip steht vor der monumentalen Aufgabe, die Infrastruktur dieser gigantischen Farm von Grund auf zu verstehen und zu modernisieren. Die schiere Masse an Land erfordert eine ganz andere Art der Führung, als er es aus Montana gewohnt war. Jede Fahrt von einem Ende der Ranch zum anderen wird zu einer kleinen Expedition, was die Isolation und die potenzielle Gefahr für die Duttons drastisch erhöht.
Blutvergießen in der texanischen Einöde und der Mord an Azul Ramos
Die friedliche Fassade der unendlichen Weiten trügt jedoch gewaltig, denn die Brutalität des Universums hält sofort Einzug in Texas. Wer geglaubt hat, dass der Umzug in den Süden zu einem ruhigeren Leben führt, wird in den ersten beiden Folgen eines Besseren belehrt. Es kommt bereits in den ersten Stunden zu einem schockierenden Act der Gewalt, der die gesamte Handlung der neuen Serie massiv ins Rollen bringt. Einer der engsten Vertrauten und treuesten Mitarbeiter, der den Duttons beim Aufbau der neuen Existenz helfen sollte, wird kaltblütig umgebracht. Es handelt sich um den loyalen Cowboy Azul Ramos, der von J R Villarreal gespielt wird. Azul war einer der ersten, die Rip auf der neuen Farm eingestellt hat, um die riesigen Rinderherden zu sichern.
Dieser Mord geschieht völlig unerwartet auf einem abgelegenen Außenposten der riesigen Zehn Petal Ranch. Azul Ramos stößt bei einer Routinekontrolle der kilometerlangen Zäune auf bewaffnete Eindringlinge, die sich illegal auf dem Territorium aufhalten und versuchen, Sabotage an den Wasserleitungen zu betreiben. Bevor er überhaupt reagieren oder Verstärkung rufen kann, wird er von den skrupellosen Angreifern aus dem Hinterhalt erschossen. Diese eiskalte Tat wird in einer erschreckenden Brutalität inszeniert und zeigt dem Zuschauer sofort, dass die neuen Feinde vor absolut gar nichts zurückschrecken. Als Rip später die Leiche von Azul Ramos im staubigen Boden findet, flammt in seinen Augen die alte, gefährliche Wut auf, die wir so gut an ihm kennen. Dieser feige Mord markiert den endgültigen Verlust der Unschuld für das texanische Projekt und macht unmissverständlich klar, dass der Boden dieser neuen Farm bereits mit Blut getränkt ist. Rip schwört am Grab des treuen Mitarbeiters bittere Rache, was die Weichen für die kommenden Episoden stellt. Um den Verlust auszugleichen, stellt Rip kurz darauf auf Empfehlung den rauen Cowboy Zachariah Moss ein, der von Marc Menchaca verkörpert wird und frisch aus dem Gefängnis kommt. Ein Mann, der genau weiß, wie man in einer so harten Welt überlebt.
Die gegnerische Jackson Familie und die unbarmherzige Matriarchin Beulah
Ein echtes Western Drama lebt von seinen tiefen Konflikten und den äußeren Bedrohungen, und auch in Texas lassen die gewaltigen Probleme nach diesem blutigen Vorfall nicht lange auf sich warten. Die Dutton Auswanderer treffen in ihrer neuen Heimat auf eine extrem einflussreiche, superreiche Familie, die sofort versucht, das Terrain komplett an sich zu reißen. Es handelt sich um die mächtige Jackson Familie, die seit Generationen die Region kontrolliert. An der Spitze dieses Clans steht die unbarmherzige, eiskalte Matriarchin Beulah Jackson, die meisterhaft von Oscar Preisträgerin Annette Bening gespielt wird. Beulah wird von Kritikern bereits als eine Mischung aus grizzly und Gucci beschrieben, eine Frau, die feine Kleidung trägt, aber eine mörderische Härte besitzt. An ihrer Seite stehen ihre beiden ungleichen Söhne: Joaquin Jackson, gespielt von Juan Pablo Raba, der als der strategische Fixer der Familie agiert, und der unberechenbare, gewalttätige Rob Will Jackson, gespielt von Jai Courtney.
Diese wohlhabenden Leute versuchen mit allen Mitteln, die Neuankömmlinge einzuschneiden, zu kontrollieren und die beiden Hauptdarsteller zur absoluten Weißglut zu bringen. Doch wer Beth Dutton und Rip Wheeler kennt, der weiß ganz genau, dass sich diese beiden Persönlichkeiten durch nichts und niemanden aus der Ruhe bringen lassen. Wenn man sagt, die rote Klapperschlange ist wieder aus ihrem Nest gekommen, dann ist das für Beth wohl die absolut treffendste und prägnanteste Beschreibung überhaupt. In den ersten beiden Episoden haben wir sie zwar noch nicht in ihrer ganz extremen, zerstörerischen und bösartigen Höchstform erlebt, aber die feinen Nuancen und ihre giftigen Blicke zeigen bereits, dass die unbarmherzige Wut in ihr brodelt. Besonders nach dem schrecklichen Mord an ihrem Mitarbeiter Azul Ramos ist Beth kaum noch zu bremsen. Sie hält sich taktisch nur noch mühsam zurück, beobachtet die Lage ganz genau und analysiert die Schwachstellen von Beulah Jackson im fremden Umfeld. Doch die Zeichen stehen nach dem Blutvergießen ganz klar auf Krieg. Es ist diese unterschwellige, knisternde Spannung zwischen Beth Dutton und Beulah Jackson, die dafür sorgt, dass man als Zuschauer keine einzige Sekunde wegschauen möchte. Man weiß einfach, dass die große Explosion unaufhaltsam folgen wird. Diese Vorfreude wird zusätzlich dadurch befeuert, dass Paramount Plus bereits eine zweite Staffel für diese neue Serie bestellt hat. Die Produktion der Fortsetzung ist längst in Arbeit, was eindeutig beweist, welches gigantische Vertrauen das Studio in dieses Projekt setzt und wie phänomenal erfolgreich der Start beim weltweiten Publikum angekommen ist. Die Bedrohung durch die Jackson Familie ist in jeder Szene greifbar, da diese Leute über unendliche finanzielle Mittel und politischen Einfluss in Texas verfügen, was den Überlebenskampf für die Duttons noch härter und unberechenbarer macht als jemals zuvor in Montana.
Heftige Konflikte im Fleischereibetrieb und eine schicksalhafte Begegnung
Der erste konkrete Vorgeschmack auf den kommenden wirtschaftlichen Kleinkrieg entbrennt an einem scheinbar alltäglichen Geschäft, das durch Beths unnachgiebige und stolze Art völlig eskaliert. Rip verhält sich trotz des Verlustes seines Mannes wie gewohnt ruhig, besonnen und konzentriert sich voll und ganz auf die Sicherheit, den Schutz und den Erhalt der Farm. Er versucht mit aller Kraft, das kostbare Vieh an die neuen klimatischen Bedingungen und die kargen Weiden der Zehn Petal Ranch zu gewöhnen, während Beth die wirtschaftliche Unabhängigkeit und den Profit der Ranch sichern will. Doch der Ärger sucht sich seinen Weg wie ein Lauffeuer. In der kleinen Stadt, die nahe der Ranch liegt, gibt es einen alteingesessenen Fleischereibetrieb. Beth gerät dort sofort massiv und lautstark mit den Besitzern aneinander. Der Grund für den Streit ist so typisch für ihren unerschrockenen Charakter: Sie möchte sechs ihrer prächtigen Bisonbüffel zum Betrieb bringen, um sie dort fachgerecht, schnell und zu ihren ganz eigenen Bedingungen schlachten zu lassen.
Die Sturheit der lokalen Betreiber, die unter dem Einfluss der Jacksons stehen und mit der neuen Konkurrenz aus dem Norden überhaupt nichts zu tun haben wollen, und die offene Arroganz, mit der sie der Fremden begegnen, führen sofort zu einer heftigen Konfrontation. Die Fleischereibesitzer versuchen, Beth eiskalt zu erpressen, lassen sie absichtlich warten und wollen ihr miserable Preise diktieren. Es kommt zu großem Ärger im Laden, und Beth macht unmissverständlich klar, dass sie sich keinem lokalen Monopol und keinem Provinzbaron beugen wird. Sie verlässt den Fleischerbetrieb mit einer eisigen, messerscharfen Drohung, die den Einheimischen das Blut in den Adern gefrieren lässt und unmissverständlich zeigt, dass mit den Duttons nicht zu spaßen ist.
Auf dem Rückweg von diesem unglücklichen und nervenaufreibenden Ausflug überschlagen sich die Ereignisse auf der einsamen, staubigen Landstraße. Beth trifft zufällig auf einen einheimischen Tierarzt, der hilflos am Straßenrand steht. Es ist Dr Everett McKinney, gespielt von Hollywood Legende Ed Harris, ein erfahrener Vietnam Veteran, der als lokaler Tierarzt in der fiktiven Kleinstadt Rio Paloma arbeitet. Er befindet sich in einer absoluten, dramatischen Notsituation und versucht verzweifelt, ein schwer verletztes Pferd von seinen Qualen zu erlösen. Das Tier hatte einen schlimmen, fatalen Unfall auf der angrenzenden Weide und leidet sichtlich schrecklich. Doch die Situation ist extrem kompliziert, der Tierarzt ist mit den Nerven am Ende, steht unter Schock und die Erlösung funktioniert nicht so einfach wie gedacht, da im entscheidenden Moment das Werkzeug versagt. Unsere Heldin zögert keine einzige Sekunde, springt mutig aus ihrem Wagen und greift mit ihrer gewohnt zupackenden, furchtlosen und entschlossenen Art direkt in das Geschehen ein.
Durch diese hochdramatische und zutiefst emotionale Situation auf der einsamen Straße freundet sich Beth mit dem Tierarzt Everett McKinney an. Dieser neue Verbündete erweist sich schnell als ein absoluter Glücksfall für die Zukunft der gesamten Ranch. Er zeigt tiefes Verständnis für ihre schwierige, verfahrene Lage mit den Bisonbüffeln und spürt sofort, dass Beth eine außergewöhnliche, mächtige Frau ist. Als Dank für ihre tatkräftige Hilfe empfiehlt er ihr einen anderen, wesentlich größeren, moderneren und verlässlicheren Fleischereibetrieb, der allerdings ein gutes Stück weiter außerhalb des Landkreises liegt und nicht von der Jackson Familie kontrolliert wird. Diese gesamte geschäftliche und bürokratische Odyssee zieht sich durch die ersten beiden Folgen und zeigt wunderbar, wie schwer es ist, in der Fremde ohne das alte, gewohnte Netzwerk Fuß zu fassen. Jedes Detail dieser Szenen unterstreicht, dass die Duttons in Texas wieder ganz unten anfangen müssen, um sich den nötigen Respekt zu verschaffen.
Junge Liebe zwischen den Fronten und die Schatten der Vergangenheit
Automatisches Einbinden der Jugend: Während die Erwachsenen die großen wirtschaftlichen, politischen und strategischen Schlachten schlagen und den brutalen Mord an Azul Ramos verarbeiten müssen, entwickelt sich auch die Geschichte rund um den Jungen Carter vielversprechend, tiefgründig und emotional weiter. Der junge Mann, der auf der Yellowstone Ranch in Montana zum echten, harten und verlässlichen Cowboy herangereift ist, muss sich ebenfalls in der völlig neuen, ihm fremden texanischen Gesellschaft zurechtfinden. Er vermisst die alten, rauen Kameraden aus dem Bunkhouse massiv, versucht aber tagtäglich, Rip stolz zu machen, indem er von morgens bis abends unermüdlich auf den Pferden sitzt und seine Pflichten erfüllt. Die Trauer über den getöteten Mitarbeiter schweißt die kleine Familie noch enger zusammen. In den ersten beiden Folgen lernt Carter bei einem einsamen Ausritt an der äußeren Grenze des Landes ein einheimisches Mädchen kennen. Es ist Oreana Lynn Jackson, gespielt von Natalie Alyn Lind. Oreana ist die Tochter von Rob Will Jackson und somit die Enkeltochter der mächtigen Beulah Jackson. Sie ist die offizielle Erbin des gesamten Jackson Imperiums.
Diese beginnende, schüchterne Freundschaft und die erste zarte, junge Liebe zwischen Carter und Oreana bringen eine wunderbare, feinfühlige und emotionale Note in die sonst so raue, gewalttätige und brutale Welt der Serie. Das Ganze entwickelt sich zu einer klassischen Romeo und Julia Situation mitten in der texanischen Wüste. Das Mädchen zeigt Carter das wahre, ungeschminkte Texas abseits der großen Rinderbarone und gibt ihm Halt in dieser neuen, gefährlichen Welt, während ihre jeweiligen Familien kurz vor einem blutigen Krieg stehen.
Man sieht in diesen ersten Stunden der Serie sehr deutlich, wie sich die einzelnen Handlungsstränge der verschiedenen Charaktere langsam aber unaufhaltsam zu einem großen Ganzen zusammenziehen. Es stellt sich für den Zuschauer natürlich sofort die brennende Frage, ob wir im weiteren Verlauf der ersten Staffel noch alte, vertraute Freunde aus Montana wiedersehen werden. Werden einige der beliebten Cowboys nachreisen, um Rip beim harten Aufbau und dem Schutz der gigantischen Farm zu unterstützen? Nach nur zwei ausgestrahlten Episoden lässt sich das natürlich noch nicht mit vollkommener Sicherheit sagen, aber die Andeutungen im Drehbuch sind unübersehbar und streuen geschickt Hinweise. Die Vergangenheit von Rip und Beth steht weiterhin felsenfest im absoluten Mittelpunkt der gesamten Handlung. Ihre gemeinsamen Traumata, die schmerzhaften Erinnerungen an den alten John Dutton sowie die dunklen Geheimnisse, die sie im Gepäck mit nach Texas genommen haben, bilden das unerschütterliche emotionale Fundament. Es wird in den ersten Stunden absichtlich noch nicht zu viel verraten, um die Neugier des Publikums auf den absoluten Höhepunkt zu treiben, aber das Drehbuch lässt viel Raum für Spekulationen und lässt extrem viel Luft nach oben.
Ein Meisterwerk für Augen und Ohren
Neben der packenden Storyline, den hochkarätigen Darstellern und den schockierenden Wendungen ist es vor allem die handwerkliche und filmische Umsetzung, die diese neue Serie zu einem absoluten Spitzenerfolg macht. Ein ganz besonderes, atmosphärisches Highlight ist die musikalische Untermalung. Die Produzenten haben das legendäre und weltweit bekannte Yellowstone Thema nicht einfach ersetzt oder lieblos weggeworfen, sondern es meisterhaft in die neue, texanische Umgebung transportiert. Die Musik wurde für den neuen Schauplatz perfekt angepasst und wird nun deutlich mehr von melancholischen, akustischen Gitarren getragen und untermalt. Das gibt dem Ganzen einen etwas trockeneren, staubigeren Country und Western Look, ohne dabei die orchestrale Epik, die Wucht und die emotionale Tiefe des Originals zu verlieren. Man hat sich einfach ganz bewusst auf das bewährte, alte Thema verlassen, und genau das fühlt sich für den treuen Fan von der ersten Sekunde an absolut richtig an. Jedes Mal, wenn die bekannten Töne einsetzen, läuft dem Zuschauer ein wohliger Schauer über den Rücken.
Visuell bietet die Serie wunderschöne, endlos weite Landschaftsaufnahmen von Texas, die im harten Kontrast zu den grünen Tälern und schneebedeckten Bergen Montanas stehen. Die sengende Hitze ist in jedem einzelnen Bild durch das leichte, charakteristische Flimmern der Luft über dem gigantischen Boden der neuen Ranch zu sehen. Die Regie führt den Zuschauer mit einer ruhigen, aber unglaublich intensiven und epischen Bildsprache durch die Episoden, die genau die richtige Balance zwischen landschaftlicher Breite und intimen, emotionalen Charaktermomenten findet.
Fazit: Ein absolutes Muss für jeden Western Fan
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Paramount Plus mit dieser Fortsetzung unter dem Namen Dutton Ranch ein echter Geniestreich gelungen ist. Die Serie schafft das fabelhafte Kunststück, gleichzeitig völlig neu und doch absolut vertraut zu sein. Beth Dutton und Rip Wheeler tragen die gesamte Handlung mühelos auf ihren starken Schultern, während der junge Carter für die perfekte Brücke zur nächsten Generation sorgt. Die Einführung neuer Konflikte, wie der eskalierende Streit im lokalen Fleischerbetrieb, die schicksalhafte Begegnung mit dem Tierarzt Everett McKinney auf der Landstraße, der brutale Mord an ihrem Angestellten Azul Ramos und das bedrohliche Auftauchen der feindseligen, superreichen Jackson Familie rund um die Matriarchin Beulah Jackson auf dem gigantischen Territorium, versprechen eine hochexplosive erste Staffel. Die verbotene Liebe zwischen Carter und Oreana Jackson bringt zusätzliche Würze in den brutalen Machtkampf. Das Erzähltempo ist perfekt ausbalanciert, sodass der Zuschauer von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt bleibt und die Serie niemals langweilig wird.
Dass die zweite Staffel bereits vor dem Start fest beschlossene Sache war, gibt den Autoren die wunderbare Möglichkeit, die Geschichte in aller Ruhe, mit der nötigen Tiefe und ohne jede Hektik zu erzählen. Wer Yellowstone geliebt hat, wird diese neue Serie vom ersten Moment an tief in sein Herz schließen. Die Spannung bleibt konstant auf absolutem Maximum, und das Dutton Epos ist lebendiger, härter, staubiger und emotionaler denn je. Wir dürfen extrem gespannt sein, wie die Reise im Herzen von Texas weitergeht und welche Gefahren Beth und Rip noch abwenden müssen, um ihr riesiges neues Reich bis aufs Blut zu verteidigen.
