Zum Inhalt springen

Lippemobil im Praxistest: Wie barrierefrei ist die Mobilitäts-App für Menschen mit Behinderungen?

Eine belebte Bushaltestelle in einer Stadt, an der ein blau-gelber Niederflurbus langsam einfährt. Im Vordergrund warten verschiedene Menschen: Eine Frau im Rollstuhl und ein Mann mit Gehhilfe halten ihr Smartphone in der Hand. Neben ihnen steht ein blinder Mann mit Blindenstock und Sonnenbrille, der auf sein Smartphone schaut, um die Busverbindung zu überprüfen.

Lippemobil im Praxistest: Wie barrierefrei ist die Mobilitäts-App für Menschen mit Behinderungen?

Mobilität beginnt mit der richtigen Information

Mobilität bedeutet für Menschen mit Behinderungen Selbstständigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und die Möglichkeit, den Alltag eigenständig zu gestalten. Damit Busse und öffentliche Verkehrsmittel von allen Menschen genutzt werden können, muss Barrierefreiheit entlang der gesamten Reisekette gewährleistet sein. Dies beginnt bei der Planung einer Fahrt, setzt sich an der Haltestelle fort, umfasst die Nutzung von Apps und endet erst mit dem sicheren Erreichen des Zielortes.

Für Menschen mit Behinderungen beginnt die Herausforderung deshalb nicht erst beim Einsteigen in einen Bus. Sie beginnt bereits bei der Frage: Wo muss ich hin? Wo fährt mein Bus genau ab? Wann kommt er tatsächlich? Ist die angezeigte Zeit eine Fahrplanzeit oder eine Echtzeitangabe? Hat sich die Haltestelle geändert? Wo muss ich beim Umsteigen hin? Und woran erkenne ich als blinder oder hochgradig sehbehinderter Mensch überhaupt, dass genau der Bus vor mir derjenige ist, mit dem ich fahren möchte?

Eine moderne Mobilitäts-App sollte deshalb wesentlich mehr leisten als eine klassische Fahrplanauskunft. Sie sollte den Fahrgast möglichst durch die gesamte Reisekette begleiten – von der Haustür bis zum Ziel und, wenn möglich, auch wieder zurück.

Genau hier setzt die Lippemobil-App an. Sie bündelt Fahrplanauskünfte, Abfahrten und Ankünfte, Echtzeitinformationen, Verkehrsmeldungen, persönliche Einstellungen, Tickets und weitere Mobilitätsangebote. Auch die Limo, der On-Demand-Verkehr der KVG Lippe, kann über die App genutzt beziehungsweise gebucht werden. Die offizielle Lippemobil-App bietet unter anderem deutschlandweite Fahrplanauskünfte, Ticketkauf, Echtzeitinformationen, personalisierte Ziele und Fußwegeoptionen.

Aus der Perspektive eines hochgradig sehbehinderten beziehungsweise nahezu blinden Nutzers stellt sich allerdings eine weitergehende Frage: Reicht es aus, dass eine App technisch erreichbar ist, oder muss sie auch tatsächlich die gesamte Fahrt so erklären, dass ein Mensch ohne visuelle Orientierung selbstständig unterwegs sein kann?

Diese Frage betrifft nicht ausschließlich blinde und sehbehinderte Menschen. Auch Menschen mit Rollstuhl, Rollator oder anderen Mobilitätseinschränkungen benötigen verlässliche Informationen. Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen können wiederum eine einfache Struktur und verständliche Sprache entscheidend sein.

Barrierefreiheit muss deshalb als gesamte Reisekette verstanden werden: Fahrtauskunft, Weg zur Haltestelle, Orientierung an der Haltestelle, Erkennen des richtigen Busses, Einsteigen, Umsteigen, Weiterfahrt, Aussteigen und der Weg zum Ziel.

Die Lippemobil-App für iPhone und Android

Die Lippemobil-App steht für iPhone und Android zur Verfügung. Sie bietet eine Fahrplanauskunft, mit der sich Verbindungen von einem Startpunkt zu einem Ziel suchen lassen. Als Start und Ziel können unter anderem Orte, Straßen oder Haltestellen angegeben werden.

Darüber hinaus bietet die App Informationen zu Abfahrten und Ankünften, Verkehrsmeldungen, Baustellen und Sperrungen sowie personalisierte Einstellungen. Auch Tickets können über die App gekauft werden. Nach den Informationen von Lippemobil gehören unter anderem verschiedene WestfalenTarif-Angebote, das Deutschlandticket und weitere digitale Fahrkarten zum Angebot.

Für den normalen Fahrgast ist das bereits ein umfangreiches Angebot. Besonders interessant wird es aus Sicht der Barrierefreiheit dort, wo die App versucht, die persönlichen Bedürfnisse eines Nutzers zu berücksichtigen.

Denn nicht jeder Mensch bewegt sich gleich schnell. Ein Mensch mit Rollator benötigt möglicherweise mehr Zeit für den Weg zur Haltestelle. Ein Rollstuhlfahrer benötigt eventuell einen barrierefreien Zugang und kann nicht einfach eine Treppe benutzen. Ein Mensch mit Sehbehinderung muss unter Umständen eine Haltestelle anders suchen und orientiert sich nicht anhand eines sichtbaren Haltestellenschildes.

Eine wirklich personalisierte Fahrtauskunft sollte deshalb nicht nur fragen, welche Verkehrsmittel bevorzugt werden, sondern langfristig auch wesentlich mehr persönliche Mobilitätsanforderungen berücksichtigen.

Der Aufbau der App

Die Lippemobil-App ist in verschiedene Funktionsbereiche gegliedert. Dazu gehören unter anderem der Startbereich, persönliche Orte wie „Mein Zuhause“ oder „Büro“, der persönliche Bereich „Mein Konto“, die „Pinnwand“, der Bereich „Fahrt“ und die „Auskunft“.

Gerade die Möglichkeit, häufig benötigte Orte persönlich zu speichern, kann im Alltag sehr hilfreich sein. Wer regelmäßig von zu Hause zur Arbeit, zum Arzt, zum Bahnhof oder zu einer bestimmten Haltestelle fährt, muss diese Angaben nicht jedes Mal neu eingeben.

Bei der Einrichtung von „Mein Zuhause“ zeigte sich allerdings bereits eine typische Herausforderung für Nutzer von Screenreadern. Die Bedienung kann für einen sehenden Nutzer relativ selbstverständlich wirken, während VoiceOver oder TalkBack zunächst nicht unbedingt eindeutig vermitteln, wo sich die entsprechende Funktion befindet.

In meinem Test wurde mir erklärt, dass ich über die „drei Punkte“ gehen soll, um meinen Wohnort zu hinterlegen. Für einen sehenden Menschen ist eine solche Beschreibung möglicherweise ausreichend. Für einen blinden oder hochgradig sehbehinderten Menschen ist jedoch entscheidend, dass die Schaltfläche von VoiceOver beziehungsweise TalkBack eindeutig bezeichnet wird.

Nach der Bestätigung erschien die Möglichkeit „Hinzufügen“, über die ein entsprechender Ort eingegeben werden konnte.

Genau hier zeigt sich ein grundsätzliches Problem digitaler Barrierefreiheit: Eine Funktion kann vorhanden sein und trotzdem schwer zugänglich sein. Barrierefreiheit bedeutet nicht nur, dass eine Funktion technisch existiert. Sie muss auch auffindbar, eindeutig bezeichnet und logisch bedienbar sein.

Mein Konto, Pinnwand, Fahrt und Auskunft

Im Bereich „Mein Konto“ können persönliche Einstellungen und Kontofunktionen verwaltet werden. Wer Tickets über die App kaufen möchte, benötigt ein entsprechendes Kundenkonto.

Die „Pinnwand“ kann als persönlicher Bereich für Tickets dienen. Je nach Nutzung können dort beispielsweise gekaufte Fahrkarten und weitere relevante Informationen wiedergefunden werden.

Im Ticketangebot finden sich unterschiedliche Fahrkartenarten, darunter EinzelTickets, 24-StundenTickets, das Deutschlandticket und weitere Angebote des WestfalenTarifs. Für Menschen mit Behinderungen ist ein solcher digitaler Zugang grundsätzlich praktisch, weil dadurch der Gang zu einem Automaten entfallen kann.

Gleichzeitig darf dabei nicht vergessen werden: Ein digitaler Ticketautomat ist nur dann wirklich barrierefrei, wenn auch der gesamte Kaufvorgang mit VoiceOver und TalkBack verständlich und sicher funktioniert.

Der Bereich „Fahrt“ beziehungsweise der Verlauf kann dabei helfen, bereits verwendete Verbindungen wiederzufinden. Die „Auskunft“ bildet schließlich den Kern der eigentlichen Fahrtenplanung.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Möglichkeit, häufig benötigte Verbindungen, Haltestellen und Orte zu speichern. Gerade für Menschen, die regelmäßig dieselben Wege zurücklegen, kann das die Bedienung erheblich vereinfachen.

Mein Praxistest: Von meinem Wohnort nach Bad Pyrmont

Für meinen Praxistest habe ich eine Verbindung von meinem Wohnort nach Bad Pyrmont betrachtet.

Auf den ersten Blick klingt eine solche Suche einfach: Start eingeben, Ziel eingeben und Verbindung auswählen.

In der praktischen Nutzung kann es jedoch komplizierter werden. Bei der Suche nach Bad Pyrmont wurden zunächst verschiedene Ergebnisse angezeigt, darunter Straßen, Parkmöglichkeiten und weitere Einträge. Für einen sehenden Nutzer ist anhand der Darstellung möglicherweise schnell erkennbar, welcher Treffer die Stadt und welcher beispielsweise eine Straße oder ein Parkplatz ist.

Für einen Nutzer von VoiceOver oder TalkBack ist dagegen eine klare semantische Kennzeichnung besonders wichtig.

Die App sollte beispielsweise eindeutig mitteilen:

  • Start: Wohnort
  • Ziel: Bad Pyrmont
  • Zieltyp: Stadt
  • Abfahrt: 10:32 Uhr
  • Linie: 700
  • Richtung: Bad Pyrmont
  • Umstieg: ja oder nein
  • Abfahrthaltestelle: eindeutig benannt

Eine solche strukturierte Ausgabe wäre nicht nur für blinde Menschen hilfreich. Auch Menschen mit kognitiven Einschränkungen könnten von einer klaren und logisch aufgebauten Darstellung profitieren.

Gerade bei komplexeren Verbindungen darf eine App nicht davon ausgehen, dass jeder Nutzer eine grafische Karte oder eine farbige Linienführung problemlos interpretieren kann.

Das Problem mit der Haltestelle

Hier liegt für mich einer der entscheidenden Punkte.

Eine Fahrtauskunft kann zwar eine Verbindung anzeigen und eine Uhrzeit nennen. Für einen blinden oder hochgradig sehbehinderten Menschen ist damit aber noch nicht automatisch klar, wo genau die Fahrt beginnt.

Wenn die App beispielsweise eine Abfahrt um 10:32 Uhr anzeigt, muss zusätzlich eindeutig erkennbar sein:

  • welche Haltestelle gemeint ist,
  • in welche Richtung gefahren wird,
  • an welchem Bussteig oder Einstiegsbereich der Bus abfährt,
  • ob es mehrere Haltestellen mit ähnlichem Namen gibt,
  • wie weit die Haltestelle entfernt ist,
  • ob die Haltestelle verlegt wurde,
  • ob die Verbindung tatsächlich an der angegebenen Haltestelle beginnt,
  • und ob sich die Abfahrtszeit bereits durch eine Verspätung verändert hat.

Gerade bei größeren Haltestellen kann diese Unterscheidung entscheidend sein.

Eine sehende Person kann auf ein Haltestellenschild schauen oder den Bussteig anhand einer Beschilderung erkennen. Für einen blinden Menschen ist das erheblich schwieriger.

Auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen benötigen zusätzliche Informationen. Für sie ist beispielsweise relevant, ob die Haltestelle stufenfrei erreichbar ist, ob ein Aufzug erforderlich ist, ob ein Umstieg ausreichend Zeit lässt und ob der Weg zwischen zwei Bussteigen tatsächlich bewältigbar ist.

Dass Haltestelleninformationen und digitale Informationen eine zentrale Rolle für Barrierefreiheit spielen, wird auch von mobil.nrw ausdrücklich hervorgehoben.

Die Karte ist für VoiceOver und TalkBack ein wichtiger Schwachpunkt

Karten sind für sehende Menschen eine hervorragende Orientierungshilfe. Sie können sofort erkennen, wo sich eine Haltestelle befindet, welchen Weg sie nehmen müssen und welche Straßen sie überqueren.

Für einen blinden Menschen ist eine grafische Karte dagegen nicht automatisch nutzbar.

VoiceOver und TalkBack können zwar viele Elemente einer App vorlesen. Eine visuelle Karte wird dadurch jedoch nicht automatisch in eine vollständige akustische oder strukturierte Navigation verwandelt.

Eine wirklich barrierefreie Alternative könnte beispielsweise so aussehen:

Start: Haltestelle Marktplatz
Entfernung: 350 Meter
Gehzeit: etwa 5 Minuten
Abfahrt: 10:32 Uhr
Linie: 700
Richtung: Bad Pyrmont
Echtzeit: 4 Minuten verspätet
Einstiegsbereich: Bussteig 2

Damit hätte ein blinder Fahrgast die Informationen, die ein sehender Fahrgast aus der Karte und der grafischen Darstellung gewinnt.

Die Karte muss deshalb nicht verschwinden. Sie kann für sehende und sehbehinderte Menschen weiterhin sehr sinnvoll sein. Sie darf aber nicht die einzige Möglichkeit sein, wichtige Informationen zu erhalten.

Fahrplanzeit, Echtzeit und der tatsächliche Standort des Busses

Ein weiterer wichtiger Unterschied ist der zwischen Fahrplanzeit und Echtzeit.

Eine Fahrplanzeit sagt beispielsweise:

Der Bus soll um 10:32 Uhr abfahren.

Eine Echtzeitinformation kann dagegen sagen:

Der Bus wird voraussichtlich um 10:36 Uhr abfahren.

Das ist bereits eine wichtige Information. Noch interessanter ist aber die Frage:

Wo befindet sich der Bus tatsächlich gerade?

Für viele Fahrgäste ist die Antwort darauf wesentlich hilfreicher als eine reine Verspätungsanzeige.

Ein Beispiel:

  • Fahrplan: 10:32 Uhr
  • Echtzeit: 10:36 Uhr
  • Bus befindet sich derzeit: Haltestelle Bahnhof
  • Nächste Haltestelle: Marktplatz
  • Ankunft an meiner Haltestelle: voraussichtlich 5 Minuten
  • Verspätung: 4 Minuten

Damit könnte ein Fahrgast besser einschätzen, ob er bereits an der Haltestelle stehen muss oder noch einige Minuten Zeit hat.

Gerade für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen kann eine solche Information besonders wertvoll sein.

Wo ist mein Bus gerade?

Genau hier zeigt sich, dass meine Wünsche nicht nur theoretische Überlegungen sind.

Im Kreis Soest wurden im Rahmen von Guide4Blind und weiteren Projekten bereits Lösungen entwickelt, die genau in diese Richtung gehen. Der frühere Soester BusGuide wurde speziell dafür entwickelt, blinden und sehbehinderten Menschen die Nutzung des ÖPNV zu erleichtern. Über die Smartphone-App wurden Fahrplaninformationen bereitgestellt. Zusätzlich konnte speziell entwickelte Technik im Bus dafür sorgen, dass der Fahrgast den ausgewählten Bus erkennen konnte. Auch das Erreichen der Zielhaltestelle und ein Haltewunsch über das Smartphone gehörten zu den entwickelten Funktionen.

Die damalige Lösung war Teil eines öffentlich geförderten Forschungsprojekts. Nach Abschluss der Projektphase wurden die ÖPNV-Funktionen weiterentwickelt und in die regionale Mobilitätsinformation des Kreises Soest beziehungsweise der RLG überführt. Die touristischen Funktionen wurden dagegen in andere Angebote übernommen. Das zeigt, dass solche Forschungsprojekte langfristig auch in praktische Anwendungen übergehen können.

Die heutige mobil info wird von NAV4BLIND als barrierefreie ÖPNV-Lösung beschrieben. Dort werden unter anderem Echtzeitinformationen, Sprachausgabe, Fußgängernavigation, BusRadar und – bei entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen – eine Verbindung zwischen Smartphone und Bustechnik genannt.

Damit zeigt sich: Die Idee, Smartphone und Fahrzeug technisch miteinander zu verbinden, ist keine Zukunftsmusik.

Ein ideales System könnte einem blinden Fahrgast beispielsweise mitteilen:

Der Bus der Linie 700 Richtung Bad Pyrmont nähert sich Ihrer Haltestelle.
Das Fahrzeug befindet sich derzeit an der Haltestelle Bahnhof.
Voraussichtliche Ankunft in 4 Minuten.
Der Bus ist 3 Minuten verspätet.

Das wäre ein wesentlicher Unterschied zwischen einer reinen Fahrplanauskunft und einer echten digitalen Reisebegleitung.

Auch bei PaderSprinter Mobil gibt es inzwischen eine andere, technisch interessante Lösung. Die offizielle Beschreibung nennt eine Fahrzeugerkennung über Bluetooth. Das einfahrende Fahrzeug kann erkannt werden; Liniennummer und Ziel können angezeigt oder angesagt werden. Zusätzlich werden unter anderem Tür-zu-Tür-Navigation, VoiceOver- und TalkBack-Unterstützung sowie Funktionen wie Haltewunsch, Einstiegshilfe und Tür-Finde-Signal beschrieben.

Wichtig ist dabei die genaue Unterscheidung: Beim PaderSprinter wird die Funktion offiziell nicht als „Radar“ bezeichnet. Sie nutzt unter anderem die Fahrzeugerkennung über Bluetooth. Die Soester Lösung nennt dagegen ausdrücklich einen BusRadar. Beide Ansätze zeigen jedoch, dass eine digitale Verbindung zwischen Fahrgast, Smartphone und Fahrzeug technisch möglich ist.

Eine Nutzerin aus der Region hat sich die PaderSprinter-App ebenfalls angesehen. Sie berichtet aus ihrer praktischen Nutzung, dass sie die Menüleiste am unteren Bildschirmrand übersichtlicher findet als den Home-Bereich. Bei einer von ihr betrachteten Verbindung von der Adresse ihrer Schwester zur Haltestelle Weserntor fielen ihr unter anderem die Anzeige des Fußwegs, die Gehzeit, die Zahl der Haltestellen und eine ausklappbare Haltestellenliste auf. Auch die Funktion „Radar“ beziehungsweise die Fahrzeugerkennung hält sie für besonders interessant.

Verkehrsmeldungen und Änderungen

Eine der größten Herausforderungen im öffentlichen Nahverkehr sind Änderungen.

Eine normale Verbindung kann morgens funktionieren und am Nachmittag plötzlich anders aussehen.

Eine Baustelle kann eine Haltestelle verlegen. Eine Straße kann gesperrt werden. Ein Bus kann eine andere Route fahren. Eine Haltestelle kann vorübergehend entfallen.

Für sehende Menschen ist eine Ersatzhaltestelle möglicherweise durch ein zusätzliches Schild oder einen Aushang erkennbar.

Für blinde Menschen kann dieselbe Situation bedeuten, dass die bisher bekannte Orientierung vollständig wegfällt.

Deshalb müssen Verkehrsmeldungen nicht nur irgendwo in einer App stehen. Sie müssen auch mit VoiceOver und TalkBack vollständig zugänglich sein.

Besonders wichtig ist dabei, dass eine Meldung nicht lediglich sagt:

Haltestelle entfällt.

Besser wäre:

Haltestelle Marktplatz entfällt vom 24. August bis voraussichtlich 30. September. Ersatzhaltestelle befindet sich in der Musterstraße, etwa 180 Meter entfernt. Die Linien 700 und 701 fahren dort ab.

Lippemobil bietet bereits Verkehrsmeldungen und Informationen zu Baustellen, Sperrungen und Umleitungen. Auch Informationen zu bestimmten Linien und Haltestellen gehören zum vorhandenen Konzept. Die Grundlage ist also vorhanden. Die entscheidende Frage ist, wie vollständig und barrierefrei diese Informationen den einzelnen Nutzer erreichen.

VoiceOver und TalkBack

Eine App ist nicht deshalb barrierefrei, weil VoiceOver oder TalkBack einzelne Schaltflächen vorlesen.

Entscheidend ist die gesamte Reisekette.

Ein blinder Nutzer muss mit dem Screenreader:

  1. den Start eingeben können,
  2. das Ziel eingeben können,
  3. eine Verbindung auswählen können,
  4. die richtige Haltestelle erkennen können,
  5. Abfahrtszeit und Echtzeit unterscheiden können,
  6. Verspätungen verstehen können,
  7. Umstiege nachvollziehen können,
  8. den Weg zur Haltestelle finden können,
  9. wissen, welcher Bus kommt,
  10. die Richtung des Busses erkennen können,
  11. den richtigen Zeitpunkt zum Aussteigen erkennen können
  12. und schließlich den Weg zum Ziel bewältigen können.

Genau solche Fragen wurden bereits in Untersuchungen von INCOBS behandelt. Dort wurden Nah- und Fernverkehrs-Apps mit VoiceOver und TalkBack untersucht. Dabei ging es unter anderem darum, ob Bedienelemente fokussierbar und korrekt ausgegeben werden, ob wichtige Informationen vollständig vorgelesen werden und ob die Struktur verständlich ist.

Auch NRW verfolgt inzwischen einen breiteren Ansatz. Im Rahmen von „mobil.nrw – Barrierefreiheit in Apps“ wurden insgesamt 48 Kriterien für barrierefreie Nahverkehrs-Apps gemeinsam mit Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen entwickelt. Dabei geht es unter anderem um Schrift- und Icon-Größen, Zoom, Kontrast, Spracheingaben, Navigation, Karten und Informationen an Haltestellen.

Das ist ein wichtiger Ansatz: Barrierefreiheit darf nicht nur aus Sicht einer einzigen Behinderungsgruppe gedacht werden.

Barrierefreiheit für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen

Ein moderner Mobilitätsdienst sollte nicht nur fragen:

Welche Verbindung ist am schnellsten?

Er sollte auch fragen:

Welche Verbindung ist für diese Person tatsächlich nutzbar?

Für einen Rollstuhlfahrer kann ein kurzer Weg mit Treppe unbrauchbar sein.

Für einen Rollatornutzer kann ein fünfminütiger Fußweg mit vielen Hindernissen wesentlich schwieriger sein als ein längerer, ebener Weg.

Für einen älteren Menschen kann ein sehr kurzer Umstieg mit nur wenigen Minuten Umsteigezeit zu knapp sein.

Deshalb sollte ein persönliches Mobilitätsprofil künftig wesentlich umfangreicher werden.

Dazu könnten gehören:

  • Ich benötige einen stufenfreien Weg.
  • Ich möchte keine Treppen benutzen.
  • Ich bevorzuge Aufzüge.
  • Ich benötige zusätzliche Zeit beim Umsteigen.
  • Meine Gehgeschwindigkeit ist langsam.
  • Ich kann nur eine bestimmte Anzahl von Umstiegen bewältigen.
  • Ich benötige eine möglichst kurze Strecke zu Fuß.
  • Ich möchte Haltestellen mit barrierefreiem Einstieg bevorzugen.
  • Ich möchte bei Aufzugsausfällen automatisch informiert werden.

Interessant ist, dass PaderSprinter Mobil bereits mehrere Elemente dieser Richtung anbietet. Die offizielle App-Beschreibung nennt unter anderem Einstellungen für die schnellste Verbindung, wenige Umstiege, kurze Fußwege, persönliche Gehgeschwindigkeit, benachbarte Haltestellen und Einschränkungen wie „keine Treppen“. Außerdem wird eine Tür-zu-Tür-Navigation einschließlich Fußwegen und Umstiegen angeboten.

Damit wird erneut deutlich: Einige der Anforderungen, die für Lippemobil sinnvoll wären, existieren in anderen Anwendungen bereits.

Es geht deshalb nicht darum, etwas völlig Neues zu erfinden. Es geht vielmehr darum, gute vorhandene Lösungen zusammenzuführen und an die regionalen Bedürfnisse anzupassen.

Limo als Ergänzung zum normalen Linienverkehr

Eine wichtige Ergänzung zum klassischen Linienverkehr ist die Limo.

Dabei handelt es sich um einen On-Demand-Verkehr, der nach Bedarf gebucht wird. Die Limo fährt nicht nach einem klassischen starren Linienfahrplan, sondern wird entsprechend der Nachfrage eingesetzt.

Nach den Informationen der KVG kann die Limo über die Lippemobil-App oder telefonisch gebucht werden. Eine Buchung ist grundsätzlich mindestens 30 Minuten vor der gewünschten Abfahrt möglich; außerdem kann auch im Voraus gebucht werden. Die Limo ist in den WestfalenTarif integriert.

Besonders relevant für die Barrierefreiheit ist, dass die Limo als barrierefreies Angebot beschrieben wird. Rollstühle, Rollatoren und Kinderwagen können über Rampe beziehungsweise Einstiegshilfe aufgenommen werden.

Damit kann die Limo eine wichtige Funktion übernehmen, wenn eine normale Linienverbindung nicht ausreichend flexibel oder nicht direkt verfügbar ist.

Auch hier gilt allerdings: Ein barrierefreies Fahrzeug allein genügt nicht. Die Buchung muss ebenfalls barrierefrei funktionieren.

Ein Rollstuhlfahrer sollte nicht erst telefonisch nachfragen müssen, ob das Fahrzeug geeignet ist. Ein blinder Nutzer sollte nicht auf eine sehende Person angewiesen sein, um herauszufinden, welche Eingabefelder in der App ausgefüllt werden müssen.

Was Lippemobil bereits gut macht

Lippemobil hat bereits eine wichtige Grundlage geschaffen.

Die App vereint viele Funktionen, die früher auf verschiedene Informationswege verteilt waren: Fahrplanauskunft, Abfahrten, Ankünfte, Echtzeitinformationen, Verkehrsmeldungen, Tickets, persönliche Ziele, Fußwegeoptionen und zusätzliche Mobilitätsangebote.

Auch die Integration der Limo ist sinnvoll, weil dadurch unterschiedliche Formen öffentlicher Mobilität zusammengeführt werden.

Aus Nutzersicht ist das ein großer Vorteil.

Man muss nicht für jede einzelne Funktion eine andere Anwendung suchen.

Gleichzeitig zeigen die Beispiele aus Soest und Paderborn, dass eine Mobilitäts-App noch deutlich weitergehen kann.

So wurde im Kreis Soest bereits früh versucht, blinden und sehbehinderten Menschen über Smartphone und Fahrzeugtechnik einen besseren Zugang zum ÖPNV zu ermöglichen. Der Soester BusGuide wurde später als mobil info weitergeführt. Die damaligen Entwicklungen umfassten unter anderem die Erkennung des ausgewählten Busses, Informationen über die Zielhaltestelle und einen digitalen Haltewunsch.

Im Bereich der touristischen Nutzung entstanden ebenfalls zusätzliche Funktionen. Im Rahmen von Guide4Blind wurden für Soest zahlreiche AudioGuides entwickelt. Die offizielle Projektbeschreibung von NAV4BLIND nennt 40 AudioGuides für 40 Orte und Sehenswürdigkeiten, jeweils mit unterschiedlichen Varianten und Sprachen. Damit wurde nicht nur die Fahrt mit dem Bus, sondern auch die Orientierung und selbstständige Erkundung einer Stadt berücksichtigt.

Heute sind entsprechende touristische Inhalte in weiteren Soester Angeboten weitergeführt worden. Auch daran lässt sich erkennen, dass barrierefreie Navigation über den reinen ÖPNV hinaus gedacht werden kann.

Was aus meiner Sicht verbessert werden sollte

Mobilität bedeutet für Menschen mit Behinderungen Selbstständigkeit, gesellschaftliche Teilhabe und die Möglichkeit, den Alltag eigenständig zu gestalten. Damit Busse und öffentliche Verkehrsmittel von allen Menschen genutzt werden können, muss Barrierefreiheit entlang der gesamten Reisekette gewährleistet sein. Dies beginnt bei der Planung einer Fahrt, setzt sich an der Haltestelle fort, umfasst die Nutzung von Apps und endet erst mit dem sicheren Erreichen des Zielortes.

Aus Sicht blinder und sehbehinderter Menschen bestehen weiterhin verschiedene Verbesserungsmöglichkeiten, die die selbstständige Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs deutlich erleichtern würden.

1. Anforderungen an Busse

Jede Haltestelle sollte im Bus klar und rechtzeitig akustisch angesagt werden.

Auch Umstiege sollten akustisch angekündigt werden. Wenn sich eine Verbindung ändert, ein Anschluss nicht erreicht wird oder eine Haltestelle entfällt, sollte diese Information nicht ausschließlich auf einem Display erscheinen.

Verspätungen, Umleitungen und Ausfälle müssen ebenfalls akustisch beziehungsweise digital zugänglich sein.

Busfahrer sollten regelmäßig für die Bedürfnisse unterschiedlicher Fahrgäste sensibilisiert werden. Dazu gehört auch die Frage, wie ein blinder Fahrgast den richtigen Bus erkennen kann.

Eine weitergehende technische Lösung wäre denkbar: Ein blinder Fahrgast könnte über die App mitteilen, dass er an einer bestimmten Haltestelle wartet und mit einer bestimmten Linie fahren möchte.

2. Anforderungen an Haltestellen

Haltestellen müssen eindeutig auffindbar und sicher erreichbar sein.

Dazu gehören taktile Leitstreifen, eindeutig erkennbare Einstiegsbereiche und zugängliche Bedienelemente.

Digitale und akustische Fahrgastinformationen sollten möglichst flächendeckend vorhanden sein.

Eine Nutzerin aus der Region weist in diesem Zusammenhang besonders auf digitale beziehungsweise duale Fahrgastinformationen, also DFI, hin. Solche Systeme sollten nach ihrer Einschätzung möglichst an vielen Haltestellen vorhanden und tatsächlich nutzbar sein. Dabei reicht es nicht, wenn eine Sprachausgabe theoretisch vorhanden ist. Die Lautstärke der Ansage und auch das Auffindesignal müssen in der tatsächlichen Umgebung ausreichend hörbar sein.

Sie berichtet außerdem, dass manche Menschen gar nicht wissen, wofür bestimmte akustisch oder mechanisch arbeitende Geräte an Haltestellen gedacht sind. Fragen wie „Wie haben Sie das gemacht?“ zeigen, dass solche Systeme nicht immer selbsterklärend sind. Auch deshalb sind verständliche Informationen und gegebenenfalls Schulungen wichtig.

Gerade bei Baustellen und Ersatzhaltestellen ist eine barrierefreie Information entscheidend.

3. Digitale Information an Haltestellen

Ein besonders interessantes Konzept wäre eine Verbindung zwischen physischer Haltestelle und Smartphone.

Denkbar wären barrierefreie QR-Codes, NFC-Chips oder andere kontaktlose Informationsmöglichkeiten.

Ein blinder Fahrgast könnte sein Smartphone an die Haltestelleninformation halten und beispielsweise automatisch hören:

Sie befinden sich an der Haltestelle Marktplatz.

Die nächsten Abfahrten sind:

Linie 700 Richtung Bad Pyrmont in 4 Minuten.

Linie 701 Richtung Detmold in 12 Minuten.

Eine solche Lösung könnte zusätzlich Echtzeitinformationen, Umleitungen, Ersatzhaltestellen und Umstiegsmöglichkeiten ausgeben.

Die Anforderungen an barrierefreie digitale Fahrgastinformationen werden auch in NRW zunehmend als Bestandteil einer modernen Mobilitätsplanung betrachtet.

4. Kommunikation zwischen Fahrgast und Bus

Eine Funktion wie:

Ich warte an dieser Haltestelle und möchte mitfahren.

könnte für blinde und sehbehinderte Menschen besonders hilfreich sein.

Der Fahrer beziehungsweise das Fahrzeug könnte darüber informiert werden, dass an der Haltestelle ein Fahrgast wartet, der den Bus nicht allein anhand seines äußeren Erscheinungsbildes erkennen kann.

Eine Nutzerin aus der Region weist außerdem darauf hin, dass eine solche Funktion möglichst nicht nur in der Smartphone-App vorhanden sein sollte. Auch die digitale Fahrgastinformation an der Haltestelle könnte eine entsprechende Möglichkeit bieten. Das wäre insbesondere deshalb interessant, weil nicht jeder Mensch mit Behinderung ein Smartphone besitzt oder die App in diesem Moment nutzen kann.

Eine ähnliche Idee ist in früheren Soester Entwicklungen bereits umgesetzt worden: Die BusGuide-Technik ermöglichte die Kommunikation zwischen Smartphone und Bustechnik und erleichterte dadurch die Nutzung des ÖPNV ohne Begleitperson.

5. Digitaler Haltewunsch

Auch der Haltewunsch könnte über die App erfolgen.

Der Nutzer könnte auswählen:

Ich möchte an der nächsten Haltestelle aussteigen.

Das Smartphone bestätigt:

Haltewunsch wurde an das Fahrzeug übermittelt.

Auch diese Funktion ist keine reine Zukunftsidee. Die offizielle PaderSprinter-Beschreibung nennt eine entsprechende Haltewunsch-Funktion als Bestandteil der Barrierefreiheitsfunktionen.

6. Verbindung zwischen Bus und Smartphone

Noch weiter gedacht könnte die App während der gesamten Fahrt als persönlicher digitaler Begleiter dienen.

Sie könnte beispielsweise mitteilen:

Sie befinden sich in Linie 700.

Noch 5 Haltestellen bis zum Ziel.

Nächste Haltestelle: Bahnhof.

Danach folgen noch Marktplatz und Rathaus.

In drei Haltestellen müssen Sie aussteigen.

Wenn sich die Verbindung ändert, könnte die App dies unmittelbar mitteilen.

Auch die Fahrzeugerkennung über Bluetooth, wie sie PaderSprinter Mobil beschreibt, zeigt, dass eine solche Kommunikation zwischen Fahrzeug und Smartphone bereits eingesetzt wird.

7. Akustische Navigation

Eine wirklich barrierefreie Mobilitäts-App sollte nicht erst an der Haltestelle beginnen.

Sie sollte den Nutzer bereits zu Hause abholen.

Sie könnte sagen:

Gehen Sie 50 Meter geradeaus.

Biegen Sie rechts ab.

Nach weiteren 100 Metern erreichen Sie die Haltestelle.

Sie befinden sich jetzt am Einstiegsbereich.

Der Bus der Linie 700 Richtung Bad Pyrmont fährt in 3 Minuten.

Damit würde die App zu einem echten digitalen Mobilitätsbegleiter.

Die Projekte Guide4Blind und m4guide haben genau diese Verbindung zwischen Fußgängernavigation, ÖPNV-Information und Tür-zu-Tür-Navigation bereits untersucht und entwickelt.

8. Beteiligung von Menschen mit Behinderungen

Der vielleicht wichtigste Punkt ist die Beteiligung der Betroffenen.

Menschen mit Behinderungen sollten nicht erst nach der Entwicklung gefragt werden:

Ist die App barrierefrei?

Sie sollten bereits bei der Planung beteiligt sein.

Dazu gehören blinde und sehbehinderte Menschen, Rollstuhlfahrer, Rollatornutzer, Menschen mit Hörbehinderung sowie Menschen mit kognitiven Einschränkungen.

Und es sollte nicht nur ein einzelner Bildschirm getestet werden.

Eine echte Prüfung müsste die komplette Reise umfassen:

Wohnung verlassen, Haltestelle finden, richtige Haltestelle erkennen, Bus finden, einsteigen, Verbindung verfolgen, umsteigen, aussteigen und Ziel erreichen.

Genau dieser ganzheitliche Ansatz ist entscheidend.

Schulungen

Neben der technischen Weiterentwicklung wäre auch eine Schulung für Nutzerinnen und Nutzer sinnvoll.

Lippemobil könnte beispielsweise regelmäßig kostenlose Schulungen für blinde und sehbehinderte Menschen, ältere Menschen oder Personen anbieten, die wenig Erfahrung mit Smartphones haben.

Eine solche Schulung könnte Schritt für Schritt erklären:

  • App installieren.
  • Konto einrichten.
  • Mein Zuhause speichern.
  • Büro oder andere häufige Ziele speichern.
  • Verbindung suchen.
  • Haltestelle erkennen.
  • Fahrplanzeit und Echtzeit unterscheiden.
  • Verspätungen verstehen.
  • Verkehrsmeldungen aufrufen.
  • Tickets kaufen.
  • Limo buchen.
  • VoiceOver beziehungsweise TalkBack richtig einsetzen.

Eine solche Anleitung könnte zusätzlich als barrierefreie HTML-Seite, PDF, Audioanleitung oder direkt innerhalb der App angeboten werden.

Für Menschen mit kognitiven Einschränkungen sollte es zusätzlich eine Version in leichter beziehungsweise besonders verständlicher Sprache geben.

Kommunikation im Bus und gegenseitige Rücksichtnahme

Nicht jedes Problem lässt sich durch eine App lösen.

Auch die Kommunikation im Bus selbst spielt eine entscheidende Rolle.

Eine Haltestellenansage muss deutlich und verständlich sein. Es reicht nicht, wenn eine Durchsage so leise oder undeutlich erfolgt, dass sie kaum verstanden werden kann. Gerade für blinde Fahrgäste sind akustische Informationen teilweise die einzige Möglichkeit, den Verlauf der Fahrt zuverlässig zu verfolgen.

Auch Umleitungen müssen rechtzeitig angekündigt werden. Wenn ein Bus aufgrund einer Baustelle ab einer bestimmten Haltestelle eine andere Strecke fährt, sollte die Information spätestens an der Haltestelle erfolgen, ab der die Umleitung beginnt.

Eine Nutzerin aus der Region betont ebenfalls, dass Fahrerinnen und Fahrer darauf achten sollten, dass akustische Ansagen wirklich verständlich sind und nicht nur leise vor sich hin gesprochen werden.

Auch die Situation beim Einsteigen verdient Aufmerksamkeit.

Gerade zu Stoßzeiten kann es vorkommen, dass mehrere Busse hintereinander an einer Haltestelle stehen. Für einen blinden Fahrgast ist nicht selbstverständlich erkennbar, welcher Bus der eigene ist.

Eine Nutzerin aus der Region weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass auch ein Bus, der beispielsweise an zweiter oder dritter Stelle in einer Warteschlange steht, für einen blinden Fahrgast nicht einfach anhand des äußeren Erscheinungsbildes identifiziert werden kann. Selbst wenn der Bus verspätet ist, kann man nicht voraussetzen, dass ein sehbehinderter Mensch erkennt, zu welchem Fahrzeug er laufen muss.

Deshalb sind Fahrzeugerkennung und eine gute Kommunikation zwischen Haltestelle, Smartphone und Bus besonders wichtig.

Auch die Situation im Innenraum verdient Aufmerksamkeit.

Türbereiche sollten frei bleiben. Wenn dort beispielsweise Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen vorgesehen sind, muss deren notwendiger Platz respektiert werden.

Ein Fahrer könnte bei Bedarf deutlich darauf hinweisen, dass der Bus erst losfährt, wenn der Tür- und Bewegungsbereich frei ist.

Auch Rollatornutzer selbst sollten darauf achten, ihren Rollator nicht als Sitzgelegenheit zu verwenden, wenn dadurch eine gefährliche Situation entsteht. Bei einer plötzlichen Bremsung kann ein Rollator verrutschen oder umkippen.

Gleichzeitig muss die Rücksichtnahme in beide Richtungen funktionieren. Menschen mit Behinderungen sollten nicht gegeneinander ausgespielt werden. Die Bedürfnisse eines Rollstuhlfahrers, einer älteren Person, eines Rollatornutzers oder eines blinden Fahrgastes müssen gleichermaßen berücksichtigt werden.

Auch die Frage der ausgewiesenen Sitzplätze gehört dazu. Es gibt Überlegungen zu einer diskriminierungsfreien Kommunikation bei der Kennzeichnung entsprechender Sitzbereiche. Entscheidend ist, dass Informationen nicht abwertend formuliert werden, sondern verständlich erklären, für wen bestimmte Plätze besonders wichtig sind.

Eine Nutzerin aus der Region berichtet außerdem von einer ihr bekannten blinden Person, die einen Rollstuhl nutzt und in Wuppertal regelmäßig an Schulungen beziehungsweise Trainings teilnimmt, die auf Wunsch des dortigen Verkehrsunternehmens durchgeführt werden. Dieses Beispiel stammt aus ihrer persönlichen Erfahrung und zeigt vor allem, welchen praktischen Nutzen regelmäßige Schulungen haben können.

Fahrerschulungen sollten deshalb nicht als einmalige Maßnahme verstanden werden. Der Umgang mit Fahrgästen mit unterschiedlichen Behinderungen sollte regelmäßig aufgefrischt werden.

Mein Fazit

Lippemobil ist bereits heute weit mehr als eine reine Fahrplanauskunft. Die App verbindet Fahrtenplanung, Echtzeitinformationen, Verkehrsmeldungen, Tickets, persönliche Ziele und weitere Mobilitätsangebote miteinander. Auch die Limo ergänzt das Angebot um einen flexiblen On-Demand-Verkehr.

Aus Sicht eines hochgradig sehbehinderten beziehungsweise nahezu blinden Nutzers zeigt sich jedoch, dass digitale Barrierefreiheit nicht bei der Vorlesbarkeit einzelner Schaltflächen enden darf.

Eine wirklich barrierefreie Mobilitäts-App muss die gesamte Reise verstehen.

Sie muss dem Nutzer nicht nur sagen, dass ein Bus um 10:32 Uhr fährt.

Sie muss ihm möglichst beantworten:

  • Wo fährt der Bus ab?
  • Wie komme ich zur Haltestelle?
  • Welche Richtung hat der Bus?
  • Welcher Bus steht gerade vor mir?
  • Ist es tatsächlich mein Fahrzeug?
  • Wie lange dauert es noch?
  • Ist der Bus verspätet?
  • Hat sich die Haltestelle geändert?
  • Wo muss ich umsteigen?
  • Wie viel Zeit habe ich für den Umstieg?
  • Ist der Weg barrierefrei?
  • Wann muss ich aussteigen?
  • Und wie komme ich anschließend sicher zu meinem Ziel?

Besonders interessant ist dabei, dass viele der Wünsche, die aus meiner Sicht für Lippemobil sinnvoll wären, bereits an anderer Stelle umgesetzt oder zumindest praktisch erprobt wurden.

Der Kreis Soest hat mit Guide4Blind, dem Soester BusGuide, NAV4BLIND und späteren Lösungen gezeigt, dass die Verbindung zwischen Smartphone, Fahrzeugtechnik, Fußgängernavigation, BusRadar, Zielhaltestelleninformation und digitalem Haltewunsch möglich ist.

PaderSprinter Mobil zeigt wiederum, dass moderne Apps Tür-zu-Tür-Navigation, VoiceOver, TalkBack, Bluetooth-Fahrzeugerkennung, Haltewunsch, Einstiegshilfe und weitere Funktionen miteinander verbinden können.

Auch NRW verfolgt mit den 48 Kriterien für barrierefreie Nahverkehrs-Apps einen Ansatz, bei dem unterschiedliche Behinderungsarten berücksichtigt werden.

Das bedeutet: Viele der hier formulierten Wünsche sind keine theoretischen Forderungen.

Es gibt bereits Erfahrungen, technische Ansätze und funktionierende Beispiele.

Die entscheidende Aufgabe besteht deshalb darin, solche Lösungen konsequent weiterzuentwickeln und miteinander zu verbinden.

Barrierefreiheit sollte nicht bedeuten, dass ein Mensch mit Behinderung eine abgespeckte Version des öffentlichen Nahverkehrs erhält.

Barrierefreiheit sollte bedeuten, dass Menschen mit unterschiedlichen Voraussetzungen dieselbe Möglichkeit bekommen, sich selbstständig, sicher und informiert fortzubewegen.

Eine moderne Mobilitäts-App kann dabei eine zentrale Rolle spielen. Sie kann zum digitalen Begleiter werden – von der Haustür bis zur Haltestelle, vom richtigen Bus bis zum Umstieg und schließlich bis zum Ziel.

Dafür müssen Verkehrsunternehmen, App-Entwickler, Kommunen und die Menschen, die diese Angebote tatsächlich nutzen, miteinander arbeiten.

Denn am Ende entscheidet nicht allein die Frage, ob eine Funktion technisch vorhanden ist.

Entscheidend ist, ob ein Mensch mit Behinderung damit tatsächlich selbstständig ans Ziel kommt.