Seminar für aktive Mitglieder des Blindenvereins

Vergangenes Wochenende war ich auf einem Treffen für alle Ortsvereine des Blindenvereins in Gelsenkirchen.

Freitag
Ich bin um 10:02 Uhr von Lügde nach Paderborn gefahren, wo ich mich dann mit
den anderen teilnehmenden Mitgliedern meiner Ortsgruppe getroffen habe. Wir sind dann zusammen nach Gelsenkirchen gefahren und waren so um 13 Uhr dort. Während des Wochenendes waren wir in einem schönen Hotel untergebracht. Nachdem wir unsere Zimmer bezogen hatten, ging es in den Seminarraum. Dort wurden alle Namen der Teilnehmer vorgelesen, um zu schauen, wer alles da ist und wer nicht kommen konnte oder krankheitsbedingt ausgefallen ist. Anschließend wurden diverse Sachen besprochen, z. B. was man für Angebote im Verein machen könnte.
Auch zum Thema Alexa und Zeitungen gab es eine sehr schöne Diskussion, bei der wir überlegt haben, wie man Tageszeitungen über einen Alexa-Skill für Blinde barrierefreier zugänglich machen könnte. Nach dem Abendessen wurden die Ergebnisse einer Umfrage, die im Verein durchgeführt wurde, bekanntgegeben und wir haben noch lange darüber gesprochen.

Samstag
Heute wurden wir in verschiedene Arbeitsgruppen aufgeteilt. Davon gab es sieben Stück und einige waren auch parallel, das bedeutet, dass sie zur gleichen Zeit oder leicht versetzt angefangen haben. Ich war in den Arbeitsgruppen 1 und 5 (was das genau für Gruppen waren erzähle ich gleich). Das Seminar 1 ging von 9 Uhr bis zum Mittagessen, was um 12.30 Uhr war, und das Seminar 5 war dann am Nachmittag.
In der Arbeitsgruppe 1 ging es darum, wie man Veranstaltungen plant. Dafür haben wir uns in vier Kleingruppen aufgeteilt und einen kleinen Leitfaden, der beinhalten sollte, was man alles braucht oder machen muss, wenn man Veranstaltungen oder sonstiges plant, erarbeiten. Es sind eigentlich immer so dieselben Schritte, die man dadurch gehen muss. Wir bekommen das später auch noch als Handbuch.
In der Arbeitsgruppe 5 ging es um Technik, um alles, was man eben braucht, Computer mit Screenreader und Braillezeile natürlich, aber auch sein Smartphone, welche Möglichkeiten es blinden Menschen bietet und so weiter. Leider sind wir zwischendrin immer wieder vom Thema abgekommen, was ich etwas schade fand, aber es wurde trotzdem einiges angesprochen.
Nach dem Abendessen konnten einige noch eine Schokoladenverkostung mitmachen, aber nicht alle, weil die Teilnehmerzahl begrenzt war.

Sonntag
Heute saßen wir wieder alle im großen Saal zusammen. Es wurde von allen Arbeitsgruppen berichtet, damit man auch voneinander weiß, was alles besprochen und erarbeitet wurde. Am Ende haben wir noch einen Ausblick auf das kommende Jahr gemacht.

Es war ein sehr schönes Seminar, auch sehr anstrengend, aber eine gute Möglichkeit, um sich auch mal mit Aktiven anderer Ortsgruppen auszutauschen.

Seminar der „Pro Retina“ in Paderborn

Seminar der „Pro Retina“ in Paderborn
Am Wochenende vom 29.11. bis 01.12. war ich in Paderborn bei einem Seminar der Pro Retina. Das Seminar gehört zu einem Block von insgesamt fünf Grundseminaren. Anschließend kann man sich auf bestimmte Themenbereiche spezialisieren. Ich beispielsweise habe mich Hilfsmittel und Homepage/Website als Schwerpunkte gewählt. Auf diesem Weg kann man Berater bei der Pro Retina werden.

Am Freitag bin ich mit dem Zug nach Paderborn gefahren. Ich wohne nur 60 Kilometer davon entfernt und war daher schon um 13.00 Uhr da. So konnte ich noch vor dem Beginn mein Zimmer beziehen.
Um 15.00 Uhr ging es mit dem Programm los. Nach einer Vorstellungsrunde haben wir uns in Zweiergruppen aufgeteilt und verschiedene Fragen beantwortet. Danach haben wir die Fragen in der Großgruppe ausgewertet und den theoretischen Inhalt vertieft. Nach dem Abendessen gab es eine Sitzung, bei der wir nochmal in Dreiergruppen einen Fragebogen bekamen.

Am Samstag ging es nach dem Frühstück dort weiter, wo wir aufgehört haben: Mit dem Fragebogen. Allerdings haben wir diesmal auch Aufgaben bekommen, bei denen wir anhand von Rollenspielen die Theorie praktisch vertieften. Das war ziemlich interessant, die verschiedenen Charaktere von Menschen (z.B. Verschlossenheit, Hilfsbereitschaft) zu erleben und sich dadurch auch besser kennenzulernen. Nach der Kaffeepause haben wir Gruppengespräche gemacht, in denen es darum ging, wie man Ortsgruppen richtig anleitet. Bis zum Mittagessen haben wir noch besprochen, was wir verstanden haben und Unklarheiten beseitigt.
Nach dem Mittagessen machten wir wieder ein Rollenspiel, bei dem jemand ein schwieriges Erlebnis teilte und es dann darum ging, wie man dieser Person helfen kann.

Der Sonntagmorgen startete wieder mit einem leckeren Frühstück. Im Seminarraum gab es dann nochmal Rollenspiele. Diesmal ging es darum, wie man mit „Störenfrieden“ in einer Gruppe und mit Frustration und Kritik konstruktiv und wirkungsvoll umgeht. Das war eigentlich schon der ganze restliche Tag. Um 12.30 Uhr war das Seminar zu Ende.

Der Service in dem Hotel, in dem wir waren, war ziemlich toll. Auch die Seminarleitung war sehr kompetent. Einziges Problem war manchmal, dass das Haus sehr verwinkelt ist, weshalb man sich als Sehbehinderter relativ leicht verlaufen kann. Ansonsten jedoch war alles super und ich freue mich schon aufs nächste Mal.

NVDA aktualisieren

Wie bei allen Programmen muss auch der kostenlose Screenreader NVDA aktualisiert werden. Dies ist jetzt einfacher geworden.
Früher war das so: Mit der NVDA-Taste und n kamt Ihr ins NVDA-Menü, dann musstet Ihr auf Extras und dann unter NVDA aktualisieren. Erstmal gucken, ob was da ist, wenn eine Version zum Upgrade verfügbar war, ging es auf Spenden und upgraden und dann hat er Euch auf eine Homepage gebracht, wo Ihr euch das Paket noch herunterladen musstet. Dann musstet Ihr natürlich noch auf Eurem Computer die richtige Version raussuchen, dann installieren – ziemlich umständlich also.
Jetzt braucht Ihr nur ins NVDA-Menü auf Extras, dann auf Aktualisierungen und dann braucht ihr nur noch auf Herunterladen klicken und dann passiert alles im Hintergrund. Ihr müsst nicht mehr wie früher auf eine Website gehen, Ihr müsst nicht mehr so viel rumsuchen und spenden und so weiter und das finde ich sehr schön, dass man das so stark vereinfacht hat.

Navi-Gürtel

Letztens gab es eine Veranstaltung über Zoom, wo die Firma Philware ihren Navigationsgürtel vorgestellt hat. Das Interesse scheint groß zu sein, zumindest waren über 40 Leute dabei. Es wurde aber auch super erklärt in einer sehr lockeren und netten Atmosphäre. Der Vertrieb um Dario Madani war da vertreten, dann natürlich die Geschäftsführerin, und die haben das Ganze vorgestellt.
Den Navi-Gürtel gibt es in verschiedenen Größen. Der Gürtel hat 16 Sensoren verbaut und die sind alle nach Norden ausgerichtet, dazu gibt es eine App für iOS und Android. Die iOS-App ist noch nicht ganz fertig, aber die Android-App ist fertig.
Das Ziel des Gürtels ist es, dass Blinde sich navigieren lassen können, ohne die ganze Zeit das Smartphone in der Hand zu halten. Der Gürtel arbeitet dabei mit Vibration. Im Kompass-Modus vibriert immer der Sensor, der exakt nach Norden ausgerichtet ist. Ansonsten hilft der Gürtel durch Vibrationen dabei, dass man z. B. exakt geradeaus laufen kann, was für viele Blinde nicht so einfach ist. Gerade auch für Taubblinde könnte der Gürtel eine tolle Möglichkeit sein, da alles per Vibration funktioniert. Weitere Funktionen und Einstellungen sind über die App gverfügbar. Die genaue Funktionsweise des Gürtels ist aber nur sehr schwer vorstellbar für jemanden, der es noch nie ausprobiert hat. Sensoren, die vibrieren? Wie soll ich anhand dessen erkennen, ob ich rechts oder links abbiegen muss usw.? Ich fand diese digitale Einführung sehr interessant und hoffe, dass ich den Gürtel bald selbst einmal ausprobieren und Euch dann mehr berichten kann.

Texte auf Papier mit Pearl Kamera und Openbook einscannen – eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Als ich kürzlich im Internet etwas nachschauen wollte, stellte ich fest, dass es kaum Informationen zur Pearl Kamera auf deutsch gibt, lediglich eine englische Bedienungsanleitung und einen Erfahrungsbericht eines anderen blinden Bloggers konnte ich finden. Die folgende Anleitung dient daher insbesondere blinden Menschen sowie deren sehendem Umfeld als Orientierungshilfe, aber auch allen anderen Interessierten, die mehr über diese Möglichkeit der Texterkennung erfahren möchten, und erklärt die wichtigsten Abläufe beim alltäglichen Einsatz der Kombination Pearl Kamera und Openbook.

 

Vorab

Diese Anleitung konzentriert sich ausschließlich auf die praktischen Handgriffe und Arbeitsschritte, die nötig sind, um die Kamera auf- und abzubauen und mit Hilfe von Openbook den Text eines in Schwarzschrift beschriebenen Blattes zu erfassen. Wer jetzt denkt: „Moment mal, von der Pearl Kamera habe ich ja noch nie gehört“, findet einen allgemeinen Artikel darüber auf meiner privaten Website:

https://kerspet.de/vom-blatt-papier-auf-die-braillezeile-scannen-mit-der-pearl-kamera-und-openbook/

Hinweis: Zur Vereinfachung bezeichne ich die Pearl Kamera im Folgenden nur noch als Pearl.

 

Pearl aufbauen

Man sieht die Pearl in ihrer Tasche

  1. Die Pearl wird standardmäßig mit einer praktischen Tasche geliefert. Diese erinnert an ein Schulmäppchen im Großformat. Auf einer Seite des Mäppchens befindet sich der Reißverschluss, mit dem Du die Tasche leicht öffnen und schließen kannst. In der Tasche befindet sich nun (hoffentlich) die zusammengeklappte Pearl.

Lege die Pearl auf einen Tisch oder eine andere glatte Oberfläche. Wie Du sie hinlegen musst, wird durch die Gumiauflage an der Unterseite schnell deutlich. Das mit der Pearl verbundene Kabel (USB-Kabel) sollte auf der rechten Seite sein.

Zusammengeklappte Pearl ohne Tasche

  1. Ganz grob lässt sich die Pearl in drei Teile gliedern:

Der Fuß = Der Fuß, auf dem die Pearl steht, mit der Schiene, an der Du das Blatt anlegst.

Das Kameragestell = Es steht auf dem Fuß und ist später ein nach oben führender Stab.

Die Kamera selbst = Sie kann später ganz oben ertastet werden.

Zu wissen, dass die Pearl in diese drei Teile gegliedert ist, hilft Dir sehr beim Auf- und Abbau.

Zunächst klappst Du das Kameragestell auf. Wenn Du nun vom Kabel ausgehend an der Pearl nach oben fährst, findest Du an der von Dir weg zeigenden Kante einen deutlich spürbaren Knopf. Diesen Knopf drücken und währenddessen das gesamte Gestell nach rechts bzw. oben aufklappen.

  1. Am obersten Ende des Gestells findet sich nun ein weiterer Knopf, durch den die Kamera an sich ausgeklappt wird. Dabei wird der Knopf wieder gedrückt und währenddessen die Kamera nach links umgeklappt.
  2. Nun musst Du noch die Anlegeschiene herrichten. Hebe die Pearl dafür hoch und greife sie mit einer Hand an der schmalen Spitze des Fußes (der Schiene, an die das Blatt später angelegt wird). Drücke diese Schiene nun zu Dir hin und drehe sie, bis sie wieder einrastet.

Nun müsstest Du, mit dem Finger von links tastend, zunächst auf die quer (von oben nach unten) liegende Schiene stoßen. Weiter rechts müsstest Du auf eine kleine, viereckige Fläche treffen, bevor ein Stab (das Kameragestell) nach oben führt und Du oben wiederum nach links an der Kamera bis zu deren Spitze entlanggleiten kannst. Zudem müsstest Du ganz rechts unten an der Pearl das USB-Kabel finden, welches Du als nächsten Schritt in einen USB-Anschluss, z. B. von Deinem Computer oder Laptop, einstecken musst. Natürlich kannst Du die Pearl jetzt auch so platzieren und ausrichten, wie es gut passt. Wichtig ist, dass Du neben der Schiene auf dem Tisch o. Ä. so viel Platz hast, dass Du glatt ein Blatt ausbreiten kannst.

Die Pearl ist jetzt fertig aufgebaut. Das Kabel steckt im USB-Port eines Laptops

 

Scanvorgang

Du hast nun die Pearl aufgebaut und Deinen Laptop arbeitsbereit vorbereitet. Das USB-Kabel der Pearl wurde in den Laptop gesteckt und das neue Gerät wurde erkannt. Nun kann es mit dem Scannen losgehen!

  1. Lege das Blatt, das Du scannen möchtest, unter die Pearl. Lege dafür die kurze Seite des Blattes an der Schiene an. Auf der Schiene findest Du einen Markierungspunkt, auf dieser Höhe sollte sich ungefähr die Mitte der Blattkante befinden.

Unter die Pearl wurde ein Blatt gelegt. Die kurze Seite des Blattes liegt glatt an der Schiene der Pearl an. Auf dem Blatt sind die Wörter Test und Pearl zu lesen

 

    1. Öffne das Texterkennungs-Programm auf Deinem Computer/Laptop. Ich persönlich arbeite beim Scanvorgang mit dem Programm „Openbook“. Wenn Du Jaws nutzt und kein Openbook hast (dieses Programm ist nicht direkt beim Kauf von Jaws dabei) kannst Du auch die in Jaws integrierte OCR-Software nutzen. Mein Hauptaugenmerk in dieser Anleitung gilt aber der Arbeit mit Openbook. Für alle NVDA-Nutzer: Openbook und NVDA sind miteinander nicht kompatibel. Durch die in Openbook integrierte Sprachausgabe wirst Du alle Inhalte vorgelesen bekommen, die Braillezeile wird aber nicht mitlaufen. Wenn Du lieber mit der Braillezeile arbeitest, nutze – wenn möglich – Jaws.

Startbildschirm von Openbook – das leere Dokument, in dem später der erkannte Text angezeigt wird, und das Hauptmenü

 

Wenn Du mehrere Geräte (z. B. die Pearl und einen weiteren Scanner) über Openbook benutzt, solltest Du zunächst mal prüfen, welches Gerät gerade ausgewählt ist. Dafür mit der Taste Alt ins Menü und mit der Pfeiltaste nach rechts bis zum Menüpunkt „Werkzeuge“. Anschließend mit der Pfeiltaste nach unten bis „Geräteauswahl“ und mit Enter bestätigen. Nun siehst Du, welches Gerät ausgewählt ist und welche Geräte verfügbar sind und kannst die Auswahl wenn nötig entsprechend ändern (Navigation mit den Pfeiltasten rauf und runter, Auswahl bestätigen mit Enter).

  1. Wie bei üblichen Kameras auch, hängt die Qualität des Ergebnisses stark von den Lichtverhältnissen ab. Wenn zum Beispiel ein Drucker oder ein anderes Gerät Schatten auf die Kamera wirft oder die Sonne genau in die Linse scheint, kann es mit der Texterkennung schwierig werden. Als blinde Person ohne jeglichen Sehrest solltest Du Dir daher unbedingt angewöhnen, standardmäßig über Strg+l das Kameralicht einzuschalten. Die Sprachausgabe von Openbook meldet Dir das mit „Kameralicht aktiviert“ zurück.
  2. Prüfe nun, ob das Blatt noch richtig an der Pearl angelegt ist. Ist dies der Fall, gehe wieder mit der Taste Alt ins Openbook-Menü, mit zweimal Pfeiltaste nach rechts auf „Erfassen“ und mit Pfeil runter bis „Seite erfassen“. Bestätigst Du nun mit Enter, hörst Du nach ein paar Sekunden das typische Fotografiergeräusch und bekommst kurz darauf den erkannten Text vorgelesen. Hinweis: Dieser Vorgang kann einige Sekunden dauern. Habe also Geduld, auch wenn erstmal vielleicht nichts passiert! Tipp: Mit dem Weg durchs Menü bist Du schon ziemlich schnell, aber noch mehr Zeit sparst Du, wenn Du die Taste F4 nutzt – ein Shortcut, mit dem das Blatt direkt abgescannt wird, ohne dass Du etwas weiteres dafür tun musst. Und: Keine Angst, wenn Du das Blatt mal mit der Schrift nach unten anlegst – Openbook gibt Dir dann einen entsprechenden Hinweis, sodass Du weißt, wie Du das Blatt drehen musst. Alternativ kannst Du Dir auch vorab die Ausrichtung des Blattes ansagen lassen, indem Du wieder ins Menü „Erfassen“ und dort auf „Ausrichtung überprüfen“ gehst.

Screenshot des Laptopbildschirms nach dem Scanvorgang. Auch hier werden jetzt die Wörter Test und Pearl angezeigt

 

  1. Du kannst nun den gescannten Text in Openbook lesen oder mit den gängigen Tastenkombinationen (Strg+c bzw. Strg+x und Strg+v) in andere Anwendungen, beispielsweise in ein Word-Dokument, übertragen. Wenn Du mehrere zusammengehörige Blätter zum Scannen hast, schreibt Openbook das jeweils nächste Blatt immer direkt hinter das vorhergehende Blatt, sodass Du den Gesamttext (oder was auch immer Du einscannst) am Ende am Stück lesen kannst (vorausgesetzt, die Reihenfolge der gescannten Blätter stimmt). Beachte hierbei aber, dass Du – selbst wenn Du Strg+a für „alles markieren“ drückst – nur den Inhalt der aktuellen Seite markierst (eine Seite in Openbook entspricht einem gescannten Blatt). Wenn Du das Ganze nur mal nachlesen, aber nicht bearbeiten möchtest, bietet Dir Openbook auch die Möglichkeit, es im eigenen Format .obx abzuspeichern. Wenn Du mit Alt+F4 das Programm schließt, wirst Du automatisch gefragt, ob Du Deinen Scan in diesem Format abspeichern möchtest. Wenn Du dann das nächste Mal den Text wieder auslesen willst, musst Du nur im Menü „Datei“ auf „Öffnen“ und kannst dann wie im „Speichern unter“-Feld von Microsoft Word (mit Enter bestätigen, dann mit Tab auf „Dateityp“, um den entsprechenden Dateityp auszuwählen, und dann mit Tab bzw. Enter in den entsprechenden Ordner navigieren) vorgehen – auf diesem Weg kannst Du übrigens auch bereits digital vorhandene Fotos oder pdf-Files in Openbook konvertieren und dadurch möglicherweise besser auslesen.

 

Pearl wieder abbauen

Nach getaner Arbeit musst Du die Pearl natürlich wieder abbauen.

  1. Wenn Du – wie ich, die die Pearl am Arbeitsplatz verwendest – die Pearl immer am gleichen Ort benutzt und auf Deinem Tisch stehen lassen kannst, ist das natürlich super. Ansonsten steckst Du erstmal wieder das USB-Kabel aus.
  2. Damit keine Verwirrung aufkommt, wenn Du die folgenden Schritte mit dieser Anleitung durchführst, drehe die Pearl erstmal wieder so, dass sich die Verbindung mit dem Kabel auf der rechten Seite befindet.
  3. Hebe nun die Pearl wieder hoch. Greife Dir das von Dir weg zeigende Ende der Blatt-Anlege-Schiene, drücke diese von Dir weg und drehe so lange, bis sie wieder einrastet (das Einrasten macht sich durch ein gut hörbares „Klack“ bemerkbar).
  4. Greife nun nach oben an die Kamera. Ganz rechts oben findest Du wieder den Knopf, mit dem Du die Kamera an sich wieder einklappen kannst. Dafür den Knopf drücken, gedrückt lassen und die Kamera nach unten klappen.
  5. Der zweite Knopf befindet sich unten am Kameragestell auf der Seite, die von Dir weg zeigt. Wenn Du diesen Knopf drückst, kannst Du spüren, wie sich das Gestell langsam über den Fuß und die Schiene legt.
  6. Nun kannst Du die Pearl wieder in ihre Tasche legen und hast es geschafft.

 

Vielleicht wirkt das jetzt alles etwas kompliziert und Du fühlst Dich von diesem Beitrag etwas erschlagen, aber wenn man es ein paar Male gemacht hat, ist der Auf- und Abbau sehr selbsterklärend und geht vor allem extrem schnell. Bei der Texterkennung ist – wie bereits erwähnt – wichtig, dass Du gute Lichtverhältnisse schaffst. Zudem hat auch Openbook – wie alle mir bekannten Texterkennungssysteme – das Problem, dass damit keine Handschrift erkannt wird (Du erkennst sie aber zumindest an nicht zu Wörtern zusammensetzbaren Hieroglyphen aus Buchstaben-, Zahlen- und Zeichenkombinationen) und das manche Tabellen vielleicht nicht optimal für Dich dargestellt werden – aber auch das ist ja nicht nur bei dieser Scanmethode, sondern überall eine möglicherweise schwierige Sache.

 

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[PRO RETINA News] Coronavirus: Keine Infektionsgefahr durch Tränenflüssigkeit

Liebe PRO RETINA Interessenten,

Coronavirus: Offensichtlich keine Übertragung über Tränenflüssigkeit –
außer bei Bindehautentzündung

Laut der Stiftung Auge der DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) sind
mittlerweile mehr als 2,5 Millionen Menschen nach Zahlen der Johns Hopkins
Universität, Baltimore/USA, weltweit positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2
getestet. Da es sich dabei um ein neuartiges Virus handelt, sind
wissenschaftliche Erkenntnisse zu Übertragungswegen bislang rar.

Von der Tränenflüssigkeit, so die Stiftung Auge, geht laut einer aktuellen
Studie aus Singapur [1] eine nur geringe Ansteckungsgefahr aus. Die Stiftung
Auge informiert darüber, wie sich das Virus nach derzeitigem Kenntnisstand
verbreitet, wie sich im Alltag eine Infektion über die Augenschleimhäute
vermeiden lässt und was bei anstehenden Behandlungen beim Augenarzt zu
beachten ist.

Um die von der Tränenflüssigkeit ausgehende Infektionsgefahr zu
untersuchen, nahmen nach Angaben der Stiftung Auge die Wissenschaftler aus
Singapur bei 17 Patienten, die wegen der durch das Coronavirus ausgelösten
Lungenkrankheit Covid-19 in stationärer Behandlung waren, über drei Wochen
Tränenproben aus beiden Augen. In keinem Fall, so die Stiftung Auge, konnten
sie das Coronavirus nachweisen. “Dieses Ergebnis legt die Vermutung nahe,
dass sich der Covid-19-Erreger nicht von den Atemwegen auf die Tränenwege
ausbreitet”, sagt Professor Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge.

Vorsicht bei Bindehautentzündung

Anders verhält es sich laut Stiftung Auge möglicherweise, wenn eine
infizierte Person zugleich an einer Bindehautentzündung leidet. In diesem
Fall fand sich nach Angaben der Stiftung Auge das Virus laut einer
chinesischen Studie [2] mit 30 Teilnehmern auch in der Tränenflüssigkeit.
Nach aktuellem Kenntnisstand, so heißt es im New England Journal of Medicine
[3], zeigen weniger als ein Prozent der Patienten mit Covid-19 Anzeichen
einer Bindehautentzündung. “Die Forschung zu den Zusammenhängen zwischen
einer Corona-Infektion und Symptomen an den Augen steht noch ganz am Anfang.
Die bisherigen Erkenntnisse sind daher aufgrund der geringen Teilnehmerzahl
mit Vorsicht zu betrachten”, sagt der Direktor der
Universitäts-Augenklinik Bonn.

Symptome einer Bindehautentzündung

Typische Symptome einer durch Viren ausgelösten Bindehautentzündung sind
ein Fremdkörpergefühl in den Augen, Jucken, Brennen oder Rötung. “Wer
aktuell mit diesen Beschwerden zu kämpfen hat, sollte aber nicht gleich eine
Corona-Infektion befürchten, vor allem wenn andere typische Symptome wie
Husten, Fieber oder Abgeschlagenheit fehlen,” sagt Professor Christian
Ohrloff, Mediensprecher der Stiftung Auge. Gerade im Frühjahr seien diese
Beschwerden eher auf eine Pollenallergie zurückzuführen, so der ehemalige
Direktor der Universitäts-Augenklinik Frankfurt. Aufgrund des milden Winters
bereiten viele Pollenarten Allergikern bereits seit Februar Probleme.

Auge als Einfallstor für Krankeitserreger

Holz weist darauf hin, dass die Augen allgemein ein potenzielles Einfallstor
für Krankheitserreger darstellen. “Wenn wir Viren auf der Handoberfläche
tragen und uns dann ins Gesicht fassen, können die Erreger über die
Bindehaut eindringen”, warnt der Augenarzt. Daher sei es wichtig, die
Hände oft und gründlich zu waschen und sich möglichst wenig ins Gesicht zu
fassen. Um außerdem die Gefahr einer Tröpfcheninfektionen zu verringern,
sei es sinnvoll, Abstand zu anderen Menschen zu halten. Schutzbrillen seien
dagegen nur bei unvermeidbarem Nahkontakt im medizinischen Bereich nötig, so
Holz.

Nutzen-Risiko-Abwägung für augenärztliche Behandlungen

Für augenärztliche Behandlungen gilt, nicht notwendige Behandlungen zu
vermeiden. “Eine Katarakt-Operation etwa lässt sich ohne zusätzliches
Gesundheitsrisiko verschieben, wohingegen Injektionen zur Behandlung der
feuchten altersabhängigen Makuladegeneration fortgesetzt werden sollten”,
rät Holz. Allgemein sei es wichtig, in Rücksprache mit dem Augenarzt das
Infektionsrisiko mit dem Nutzen der Behandlung abzuwägen.

Quellen: Pressemitteilung Stifung Auge der DOG [4]; Ophthalmologische
Nachrichten online [5]

Links aus diesem Beitrag:
[1] https://www.aaojournal.org/article/S0161-6420(20)30311-0/pdf
[2] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jmv.25725
[3] https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2002032
[4]
https://www.stiftung-auge.de/wp-content/uploads/2020/04/PM_Corona_Stiftung_Auge_F.pdf
[5]
https://biermann-medizin.de/coronavirus-offensichtlich-keine-uebertragung-ueber-traenenfluessigkeit-ausser-bei-bindehautentzuendung/?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_term=https%3A%2F%2Fbiermann-medizin.de%2Fcoronavirus-offensichtlich-keine-uebertragung-ueber-traenenfluessigkeit-ausser-bei-bindehautentzuendung%2F&utm_content&utm_campaign=Ophthalmologische+Nachrichten+Dienstag%2C+14.+April+2020

Mit freundlichen Grüßen,
Karin Langhammer
Redaktion PRO RETINA News

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Die Redaktion erreichen Sie unter: newsletterredaktion@pro-retina.de

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Neues von Philware

Der Robert von Philware hat in seinen letzten Newsletter geschrieben, dass er an einem neuen Gerät arbeitet. In der Entwicklung ist nämlich ein Knopf mit Sprachausgabe, der mit einem Gerät gekoppelt werden kann, das blind nur schwer zu bedienen ist. Der Knopf kann mit dem Gerät gekoppelt werden und schickt dann quasi die Informationen als Sprachausgabe an das Gerät. Darüber könnten Blinde herausfinden, was am Backofen passiert ist oder welche Herdplatte man gerade angeschaltet hat. Der Robert möchte in seinem Newsletter weiter informieren und langfristig hoffe ich, dass wir auch ein Gerät zum Testen bekommen können.

Meine Erfahrung mit Langstocktraining und LPF

In diesem Artikel möchte ich mal von meinen Erfahrungen mit Langstocktraining (umgangssprachlich auch gern Mobi genannt) und LPF (Lebenspraktische Fertigkeiten) berichten. Das sind spezielle Trainings, mit denen Blinde ihren Alltag selbstständiger meistern können.

Zunächst mal muss man das LPF- oder Mobitraining beantragen und da kann es ganz schön lange dauern, bis man eine Kostenzusage durch die Krankenkasse bekommt, weil z. B. LPF bei vielen Krankenkassen leider nicht im Hilfsmittelkatalog aufgelistet ist, wodurch der Zugang zu solchen eigentlich sehr wichtigen Angeboten ziemlich erschwert wird, vor allem für Blinde, die keine Blindenschule besuchen (in Blindenschulen werden diese Trainings oft im Rahmen des Unterrichts angeboten). Ich habe es jedenfalls bekommen, weil ich mit Ritinitis Pigmentosa eine Krankheit habe, bei der das Sehen bei mir immer schlechter werden und bis zur vollständigen Erblindung führen kann.

Langstocktraining
Der Langstock ist für Blinde DAS Hilfsmittel für die Orientierung im Freien. Jeder fängt mit dem Stock an. Selbst wenn man einen Blindenführhund haben möchte, braucht man ein abgeschlossenes Langstocktraining. Und da der Langstock so wichtig ist, ist es entsprechend erforderlich, zu lernen, wie man ihn richtig einsetzt, was auch etwas vom Sehvermögen abhängt: Es gibt Langstockträger, die den Stock nur vor sich herschieben, Blinde lernen in der Regel, mit dem Stock zum Rhythmus der Schritte von rechts nach links zu pendeln und dann gibt es Leute, die haben ihn dabei, benutzen ihn aber eigentlich gar nicht, sondern vielleicht nur in der Nacht oder wenn es irgendwelche unübersichtlichen Situationen gibt. Einige Blinde haben Berührungsängste mit dem Stock, weil sie dann als blind auffallen, oder sie haben Angst davor, z. B. alleine eine Kreuzung zu überwinden, weil da viele Autos fahren. Der Langstocktrainer (oder die Langstocktrainerin) geht ganz individuell auf jede Person ein und übt mit ihr im Einzeltraining, was sie braucht. Los geht es natürlich immer damit, zu lernen, wie man den Stock überhaupt richtig bewegt. Es geht dann weiter, zu lernen, wie man um Hindernisse herumlaufen kann oder eine Straße überquert, erst eine kleine Straße im Wohngebiet, dann eine Straße mit Ampel mit Blindensignal, man lernt Kreisel, verschiedenste Kreuzungen und Zebrastreifen kennen und macht Übungen zum Gehör (insbesondere Richtungshören), um anhand der Umgebungsgeräusche auch eine Ampel ohne Blindensignal oder ein Überweg ohne Ampel sicher hinzubekommen. Wichtig ist auch das effektive Nutzen von Leitlinien, zum einen von den Blindenleitstreifen z. B. im Bahnhof, aber auch Wiesen, Mauern oder akustische Leitlinien (Straßenverkehr rechts/links vom Bürgersteig, auf dem man unterwegs ist) können bei der Orientierung gezielt eingesetzt werden. Auch ich als noch Sehender konnte viel davon mitnehmen. Zum Beispiel war ich bei einem Weg total unsicher bei einer großen Kreuzung, da hat mir der Mobitrainer gezeigt, wie ich dieser Kreuzung entgegentreten kann. Ich habe auch viel anderes noch gelernt, aber das alles aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Bei Mobi- (und auch LPF-) Trainern ist immer das Problem, dass jeder irgendwie eine andere Methode hat und andere Grundeinstellungen und Lernkonzepte verfolgt, aber man kommt mit jedem dahin, wo man hinmöchte. Mein Trainer zumindest war super, nicht nur fachlich, sondern auch zwischenmenschlich. Man hat auch viel mehr Ansporn zu üben. Natürlich sind die Mobitrainer letzendlich Lehrer, aber gleichzeitig auch Dienstleister für den Blinden und das war zumindest in meinem Fall eher so, dass er ein guter Freund war, der mir helfen wollte, besser zu werden und da hatte ich auch mehr Antrieb um mal selbst zu üben.

LPF
2006 hat mein Trainer eine Ausbildung zum LPF-Trainer gemacht und ich bekam auch LPF genehmigt und konnte mich darüber freuen, dass ich das auch mit ihm machen durfte. In LPF fällt alles hinein, was man für den Alltag braucht: Wir haben Fenster geputzt, einfache Gerichte gekocht, Kuchen gebacken, den Umgang mit der Waschmaschine erarbeitet und vieles mehr. Ein Sehender schaut sich vieles ab. Wenn z. B. die Mutter Wäsche aufhängt, weiß er, wie es geht und kann es nachmachen. Er weiß auch sofort, wie eine Salatschläuder funktioniert und es reicht ein Blick in den Backofen, ob der Kuchen schon gut ist. Ein LPF-Trainer weiß, wie man Blinden diese für Sehende oft selbstverständlichen Dinge so vermittelt, dass sie verstanden werden. Es geht hierbei viel ums Fühlen und um die Arbeit mit den Händen, um Sicherheitstechniken (z. B. dass man, wenn man eine Schüssel mit – sagen wir mal Zwiebeln – in eine heiße Ölpfanne kippen will, die Schüssel erstmal mit einer Seite an der Pfanne ansetzt (wenn die Schüssel die Pfanne berührt, spürt man das ja) und dann auskippt). Gerade bei Blinden geht es auch um Ordnungssysteme, um Struktur, um ganz koordiniertes Vorgehen, beispielsweise beim Putzen oder bei der Bearbeitung der Post. Der LPF-Trainer kann auch den Einsatz von Hilfsmitteln wie Text- oder Farberkennungs-Software o. Ä. erklären und zeigen.

LPF und Mobi sind so ziemlich die wichtigsten Sachen, die man mit Blindheit oder Sehbehinderung lernen sollte. Es ist auch überhaupt nicht schlimm, als blind wahrgenommen zu werden, im Gegenteil, Du kannst alleine in der Stadt unterwegs sein oder ich gehe auch oft mit meinem Neffen in den Park. Der zum Beispiel fand es auch am Anfang ganz spannend, als ich dann den Stock ausgeklappt habe und er an meiner Hand gelaufen ist, und es fragen auch viele Kinder, wofür ich den Stock brauche, was auch gut ist, weil sie dadurch besser verstehen, wie ich mit meiner Sehbehinderung mein Leben gestalte. Ich glaube auch, dass es ohne LPF sehr schwierig wäre, in einer eigenen Wohnung zu leben, dabei gibt es ja viele Blinde, die sogar eine Familie mit (sehenden) Kindern und allem Drum und Dran haben, wie Sehende auch. Deshalb ist LPF und Mobi so wichtig und es sind so riesige Erfahrungen, die ich damit machen konnte.

Umbauset für Mikrowellen von Philware

Es gibt mal wieder was neues von Philware zu berichten. Der Robert berichtete in unserer Foodcorner-Gruppe, also in unserer Koch- und back Gruppe in WhatsApp, dass es von ihnen jetzt Umrüstsets zu Mikrowellen von einem deutschen Hersteller, die auch nicht so teuer sind, gibt, was ich sehr interessant finde. Es sind Mikrowellen von einem deutschen Hersteller. Eine mit 900 Watt und eine kleinere mit 700 Watt, die jeweils einen Drehteller und verschiedene Füllmengen haben und die werden so umgebaut, dass man die blinde/sehbehinderte richtig bedienen kann.
Der Preis ist, finde ich, auch noch sehr okay: Die große 200 € mit Umbauset und so weiter und die kleine 160 € – tolle Sache!

Mein Leben mit Glasauge

Von: Dana Hawkins

Wenn man das Wort Glasauge hört, denkt man wahrscheinlich an Horrorfilme, in denen riesige Glas-Augäpfel in Ladenschaufenstern stehen. Aber: So ist es nicht. Glasaugen sind eher Kontaktlinsen, keine echten zum Sehen, von der form her aber vergleichbar. Ich nehme Ihnen in diesem Beitrag die Angst vor solchen künstlerischen Produkten.

 

Was genau ist ein Glasauge?
Glasauge sagte man früher, als die Prothese 100 Jahre vor unserer zeit entwickelt wurde. Heute nennt man sie Augenprothese. Sogar hier in Deutschland, im schönen Thüringer Wald, wurde die erste Prothese entwickelt. Lauscha heißt der Ort. Ein Glasmacherörtchen, in dem Ludwig Müller-Uri lebte und Tieraugen herstellte. Besucher fanden die Tieraugen für Puppen und Teddies so real, dass Augenärzte dieser Zeit sich Gedanken über humane Kunstaugen machten. Müller-Uri tüftelte jahrelang, bis er endlich die richtige Mischung fand: Sogenanntes Kryolithglas, Glas, versetzt mit einem weißen Mineral, aus Grönland. Kryolithglas wird in der Farbhütte Lauscha hergestellt, noch heute in Handarbeit. Die Röhren, aus denen die Prothesen produziert werden – wie, hören wir später – werden gezogen. Heißt: Der Glasmacher formt die Rohre und es entstehen mehrere Meter Augenglasrohr.

Nun zur Prothese: Wie entsteht sie? Und wozu brauche ich so eine Prothese?

ein weißes rundes Objekt. Es ist nach oben gebogen wie eine Schale. Dieses Objekt liegt mittig auf einer schwarzen Fläche.

Es gibt viele Gründe, die entweder eine Einwandprothese oder ein Doppelwandauge notwendig machen. Zunächst zum doppelwandauge. Wenn jemand das echte Auge verliert – sei es Krebs, ein Unfall oder etwas Anderes – dann kommt zunächst ein Implantat in die Augenhöhle. Die Augenmuskulatur wird bei der OP an das Implantat angenäht. Danach erhält der Patient eine sogenannte Lochprothese, den Konformer. Dieser dient dazu, Wundflüssigkeit ablaufen zu lassen und Medikamente in das betroffene Auge einzubringen und er fördert die schnellere heilung der Augenhöhle. Der Konformer ist meist einwandig. Was das bedeutet, werden wir später erfahren. Der Konformer ist – wie ich bereits erwähnt habe – eine Lochprothese, was bedeutet, dass in der Mitte keine Iris, sondern ein Loch ist. Augenprothesen werden auch dazu verwendet, um die Augenhöhle vor Schrumpfung zu bewahren. Wenn keine Augenprothese eingesetzt wird, kann es passieren, dass die betroffene Gesichtshälfte einfällt und nicht mehr kosmetisch symmetrisch aussieht. Mit der Augenprothese wird der Verlust des Auges ausgeglichen und daher auch die Gesichtssymmetrie wiederhergestellt.
Dann, zwei Wochen nach der OP, kommt der erste Termin beim Ocularisten. Wer ist denn das? Ein Ocularist ist der Produzent der Augenprothese. Zunächst fertigt er ein provisorisches Auge an, dass die Augenhöhle weiter abschwellen kann. Es sieht schon fast so aus wie ein typisches kunstauge. Nach 6 bis 8 Wochen kommt die echte Augenprothese. Der Ocularist wird den Patienten zunächst gründlich untersuchen, um die Augenhöhle zu beurteilen. Dann setzt er in der Regel Modellprothesen, natürlich vorher desinfiziert, in die Höhle. Die Modellprothesen werden bei mehreren Patienten verwendet, sodass natürlich höchste Sterilität herrschen sollte. So bestimmt er Form und Farbe, da die Prothese dem gesunden Auge täuschend ähneln soll. Wenn er die richtigen Farben gefunden hat, fängt er an, die Prothese zu fertigen.

 

Der Entstehungsprozess

Man sieht das Objekt wieder auf der schwarzen Fläche. Diesmal erkennt man genauer was es ist, denn man hat das Objekt auf die Vorderseite gedreht. Es handelt sich um ein künstliches Auge. Das Auge hat eine graue Iris und eine schwarze Pupille. Die restliche Fläche ist weiß mit rot und orangen Strichen, welche die Adern darstellen sollen.
– Eine Glasröhre wird zu einer Kugel aufgeblasen, mithilfe eines Bunsenbrenners.Auf einem Tisch ist ein Bunsenbrenner montiert. Dabei handelt es sich um ein Metallrohr, das etwa 45 Grad nach oben geneigt ist. Am oberen Ende kommt bei Benutzung eine Flamme heraus, auf dem Bild ist der Brenner jedoch aus. Unten an dem Rohr befindet sich ein kleines Querrohr mit zwei Gasanschlüssen.
– Farbgläser werden nun aufgeschmolzen, um die Iris nachzuzeichnen.
– Pupille, aderung und Augenweiß werden ebenfalls gezeichnet.
– Die Form der Prothese wird nun bearbeitet. Ein Metallstab, an der Spitze erhitzt, wird verwendet, um die Form der Prothese herauszuschälen. Der Ocularist bringt den Stab und das Glas durch die Erhitzung zusammen, Glas und Metall bleiben aneinander kleben.
– Dann wird die Prothese vom Röhrchen, an dem der Ocularist erstens die Kugel geblasen und zweitens die Prothese ins Feuer gehalten hat, abgetrennt.
– Anschließend wird das Auge abgekühlt, in einem lauwarmen Ofen, 100 Grad warm.
– Die Prothese wird während des Kühlungsprozesses in ein Paraffinöl getaucht. Das Paraffinöl wird verwendet, um die Beständigkeit des Glases gegenüber der Tränenflüssigkeit zu erhöhen.

Das war alles. Der Patient hat dann die Prothese.

Auf dem Foto sind Glasaugen-Rohlinge in verschiedenen Formen und Größen zu sehen, die in Reihen und Spalten (sechs nebeneinander und 7 1/2 Rohlinge untereinander sind sichtbar) in einer Schatulle angeordnet sind. In die Rohlinge wurde bereits die Iris eingezeichnet, der Feinschliff fehlt aber noch.

So entsteht zumindest die Einwand-Prothese. Beim Doppelwandauge wird die untere Hälfte der Kugel in die obere Hälfte gezogen, damit zwei Wände entstehen. Doppelwandaugen finden verwendung, wenn die Augenhöhle des patienten größer ist.

Nun abschließend zu den beiden Prothesentypen.
Einwandige Prothesen werden verwendet, um Augen zu umkleiden, die geschrumpft sind. Aber auch der Konformer, von dem wir bereits hörten, ist einwandig. Das bedeutet, dass das Auge nur aus einer dünnen Glasschale besteht. Bei mir werden beide Augen umkleidet. Das Linke ist schwerer betroffen. Mein linkes Auge ist nur so groß wie mein kleiner finger an der Fingerkuppe. Diese Krankheit hat den Namen Mikroophthalmus.

Doppelwandige Augenprothesen werden verwendet, um das Implantat nach einer Augenentfernung abzudecken und dem Patienten ein identisch wirkendes kunstauge zu geben. Es wird verwendet, wenn die Augenhöhle größer ist. Wie schon der Name sagt, besteht das Doppelwandauge aus zwei Schalen, die in eine Schale eingebunden sind. Eine Schale aus zwei Wänden. Ich habe mal ein Glasauge mit Doppelwand gesehen, es ist dicker als die einwandige Prothese. Durch das Annähen der Augenmuskulatur kann sich das Kunstauge mitbewegen. Für unbekannte Mitgenossen sieht es so aus, als hätte der Betroffene kein Glasauge. Aber einen Unterschied gibt es schon: Bei Lichteinstrahlung bewegt sich die Kunstpupille nicht. Aber wer schaut schon nach einer Pupille, wenn er kein Augenarzt ist? Wohl niemand.

 

Wie setzt man das Glasauge ein und nimmt es wieder heraus?

Einsetzen:

Hände gründlichst waschen.

Prothese mit Wasser anfeuchten.

Die meisten Prothesen besitzen einen geraden Teil und zwei Ausbuchtungen. Der gerade Teil sollte nach unten zeigen, die Kante zwischen beiden Ausbuchtungen zeigt nach oben. Einige Anfertigungen entsprechen jedoch nicht dieser Beschreibung. Bitte sprechen Sie Ihren Prothetiker darauf an, wenn Ihre Prothese anders gefertigt wurde als hier beschrieben.

Kunstauge unter das Oberlid schieben, bis zum Anschlag.

Prothese in dieser Position festhalten.

Unterlid herunterziehen, Prothese mit dem Finger leicht ins Auge drücken.

Herausnehmen:

Unterlid herunterziehen, Prothese durch leichten Druck auf das Lid herausnehmen. In manchen Fällen ist es jedoch auch empfehlenswert, einen Saugnapf mit Stiehl zu verwenden. Bitte sprechen Sie in Sonderfällen Ihren Prothetiker darauf an.

 

Sport und Freizeit

Mit einem Glasauge kann jede Sportart und jede Freizeitaktivität getrieben werden, man sollte jedoch auf folgendes achten:


Beim Tauchen sollte man am Besten die Prothese entfernen, das Glas könnte implodieren, wegen dem Wasserdruck.

Beim Schwimmen sollte eine Schwimmbrille getragen werden, da das Wasser die Prothese herausspülen könnte.

Reiter sollten ebenfalls Schutzmaßnahmen treffen, um Verletzungen durch Äste zu vermeiden.

 

Arbeiten mit Augenprothese

Nicht nur die Tränenflüssigkeit sorgt für die Abnutzung der Glasoberfläche, auch Stäube vom Arbeitsplatz können zum schnelleren Aufrauen des Glases beitragen und somit eine Neuanfertigung innerhalb eines Jahres herbeiführen. Wer in einem handwerklichen Beruf arbeitet oder chemischen Stäuben im Labor ausgesetzt ist, sollte eine Schutzbrille tragen, um das künstliche Auge vor Abnutzung zu schützen. Bei allen anderen Arbeitsplätzen, an denen keine Staubbelastung herrscht, ist das Tragen einer Schutzbrille nicht nötig. Die Tränenflüssigkeit ist der Hauptfaktor zur jährlichen Neuanfertigung: Sie trübt das Glas und es wird rauer. Augenentzündungen mit Rötung und schmerzen oder gelblich-weiße, ölige, schleimige Absonderungen können erste Anzeichen für abgetragene Augenprothesen sein. Dann sollte man einen Augenarzt aufsuchen und ein Rezept ausstellen lassen und dann zum Ocularisten gehen und ein neues Kunstauge anfertigen lassen.

Reinigung der Augenprothese

Man sollte die Glasprothese mindestens einmal täglich mit lauwarmen Wasser reinigen. Niemals spitze oder harte Gegenstände verwenden, auch keine ätzenden oder alkoholischen Substanzen, nur lauwarmes Wasser. Nach der Reinigung die Prothese abtrocknen und anschließend trocken aufbewahren.

 

Mein Glasauge ist zerbrochen

Keine Angst, das passiert. In solch einem Fall bitte den Augenarzt benachrichtigen, ein neues Rezept ausstellen lassen und dieses zum Ocularisten bringen. Dieser fertigt eine neue Prothese an. Bitte die Bruchscherben aufbewahren, da diese zur Rekonstruktion der Prothese genutzt werden. Die Scherben dienen als Vorlage. Eine zerbrochene Prothese kann nicht repariert werden.

 

Tragedauer der Augenprothese

Glasprothesen sollten einmal jährlich erneuert werden, es sei denn, man hat einen Defekt verursacht oder Schmerzen. Bei Kindern sollten zwei bis drei Augenprothesen pro Jahr angefertigt werden, da sie durch das Wachstum Veränderungen in der Augenhöhle durchmachen.
Ich hatte zum Beispiel in den Herbstferien 2019 Schmerzen aufgrund von Veränderungen der Augenhöhle. Da hatte ich Prothesen
erhalten, die mir wehtaten und drückten. Seit meinen beiden Besuchen bei Martin Klett Augenprothetik Stuttgart geht es mir einwandfrei. Meine vorherigen Prothesen wiesen Kanten auf, die mir nicht gutgetan haben. Außerdem war das rechte künstliche Auge zu groß, weshalb es mir wehtat. Einen Dank nochmals an Dich, Martin, dass du mir wirklich gut sitzende Augenprothesen geblasen hast! Danke auch für die vielen, nützlichen Infos, die Du mir zur Verfügung gestellt hast!

 

Alternative zu Glas

Falls ein Patient – das passiert aber wirklich selten – allergisch auf Glas reagieren sollte, wird eine Kunststoffprothese angefertigt. Da die Herstellung dieser Plastikaugen zeitaufwendiger ist – Pressen, schmelzen, schleifen usw. ist ein Kunststoffauge teurer als Glas. Die Herstellung eines Glasauges ist höchstens nach einer Stunde vollendet, bei Kunststoffaugen müssen drei Termine vereinbart werden. Man sieht also: Glas rentiert sich aus mehreren Gründen. Der Tränenfilm ist wegen der glatten Oberfläche gleichmäßiger, die Herstellung nimmt weniger Zeit in Anspruch und es ist dadurch auch nicht so teuer. Zwischen 300 und 500€ kostet ein Auge aus Glas. Außer 10€ Zuzahlung pro Auge übernimmt es die Krankenkasse.

 

Vor- und Nachteile von Glas und Kunststoff

Glasprothesen werden feuerpoliert. Das kann man mit Karamell vergleichen. Zucker wird flüssig bei Hitze und nachher bei der Abkühlung wieder fest und glatt.
Bei Glas läuft das ebenso ab. Durch die Feuerpolitur kann das Glas so glatt geschmolzen werden, dass keine Reizungen entstehen sollten. Es sind keine Allergien
auf Glas bekannt. Kunststoff hingegen wird geschliffen, poliert, gefeilt und gefräst. Dadurch können Kratzer entstehen, die die Augenhöhle reizen können.
Es gab allergische Reaktionen gegen Kunststoff. Glas wird über dem Gasbrenner innerhalb einer oder zwei Stunden zur Prothese, Kunststoff braucht länger,
der Patient besucht mindestens dreimal den Prothetiker. Kunststoffprothesen werden nach Abdruck gefertigt. All das ist zeitaufwendig. Glasprothesen sind
durch ihre äußerst benetzbare Oberfläche resistenter gegen die Tränenflüssigkeit, es bildet sich ein Gleitfilm. Kunststoff weist Wasser ab, es bilden sich
Tropfen. Die Prothese wird trockener, es kann sein, dass die Kunststoffprothese schneller aufrauht. Kunststoff kann alle zwei Jahre nachpoliert werden,
glas nicht. Glas ist zerbrechlich, Kunststoff nicht.

 

 

Quellen:
Martin Klett Augenprothetik, Stuttgart
Bildquelle:
Martin Klett Augenprothetik, Stuttgart
www.kunstaugen-stuttgart.de

Rechtliches

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Dana Hawkins
Martin Klett augenprothetik