en des Monats Juli | Blindenschrift-Verlag und -Druckerei gGmbH

Liebe Leserinnen und Leser,
der Umzug nach Bonn schreitet immer mehr voran, sodass es ans „Kofferpacken“ geht. Weil aber längst nicht alles ins Handgepäck passt, braucht das viel Zeit und Logistik. Deshalb gibt’s auch keine Subskription fürs 3. Quartal. Vielmehr möchten wir unsere Kunden brandaktuell informieren, wenn neues Lesefutter für sie angerichtet ist.
Den Anfang machen zwei Bücher:
Volker Tesar: Der gütige Meister- Weisheitsgeschichten. Vier-Türme-Verlag Münsterschwarzach 2017, 154 Seiten, Q-Format, Bestellnummer: 142841; Preis: 12,80 €. Zum Inhalt: Volker Tesar geht in diesem Buch mit Weisheitsgeschichten den großen Fragen des Lebens nach: Was ist Wahrheit? Was ist Demut? Was bedeutet Hoffnung? Diese und andere Fragen stellt in diesem Buch ein Schüler seinem Meister. Dieser macht ihn darauf aufmerksam, dass sich viele dieser Fragen nicht allein durch unseren Verstand beantworten lassen, sondern dass die Lösung tief in unserem Innersten liegt. Ein wunderbar weises Lesebuch für Wahrheitssucher und Geschichten-Liebhaber!
Emilie Richards: Sehnsucht nach Neuseeland, Weltbild Verlag 365 Seiten, 2 Bände, Bestellnummer: 220311 (gebunden), 30,80 €; Bestellnummer: 220312 23,80 €. Das Buch zum Film.
Quelle ist von pader-braille.de

Der Blindenstock, Stigma oder Befreiung

Ein Gastbeitrag von Lydia Zoubek Auf diesem Bild sieht man eine Frau die lacht. Sie hat dunkle gelockte Haare, die nach hinten zusammen gebunden sind. Zusätzlich trägt sie eine rot-orange getönte Sonnenbrille. Bekleidet ist sie mit einem grünen T-Shirt. Im Hintergrund sieht man das Meer und eine kleine Gruppe von Menschen, die im Meer bzw am Strand sich bewegen.
Lydia steht bei Regen neben einer Pfütze
Die Woche des Sehens beginnt alljährlich am 8.10. und wird mit dem Tag des weißen Stocks am 15.10. abgeschlossen.
Der Blindenstock begleitet mich seit meiner Jugend, er ist für mich das Hilfsmittel der Wahl. In dieser Zeit musste ich lernen, dass eben diesem Hilfsmittel, mehr oder weniger, interessante Eigenschaften zugeschrieben werden, die mich schon mal den Kopf schütteln lassen. Hier nur ein paar Aussagen von blinden Nutzern aus meiner Facebookseite:
– Eine Kassiererin wollte ihn scannen, weil sie ihn für einen Nordic Walking Stock hielt,
– Frage an den Nutzer ob er damit etwas vermesse,
– Frage, ob das eine Wünschelrute ist,
– Im Krankenhaus wird Gehstock als Hilfsmittel angekreuzt,
– Frage, ob der Stock mir den Weg zeigt,
– Frage, ob er grüne Ampeln ansagt,
– Ein Flughafenmitarbeiter stufte ihn als Waffe ein, und wollte ihn konfiszieren.
Der Blindenstock hat zwei wesentliche Funktionen. Einmal ist es ein international anerkanntes Kennzeichen dafür, dass der Nutzer eine Sehbehinderung hat. In der Praxis heißt es, dass er anderen Verkehrsteilnehmern sichtbar macht, dass er/sie nicht, oder nur eingeschränkt sehen kann. Ich sehe Dich nicht. Also weiche Du mir aus, oder sprich mit mir.
Gerade für Menschen, die noch nicht so lange blind sind, oder für Jugendliche ist es oft eine große Überwindung sich mit dem Blindenstock zu kennzeichnen, denn damit fällt man sofort ins Auge. Und es gibt noch immer Zeitgenossen, die einen wie ein Wundertier anstarren. Das wird auch schon mal von Begleitpersonen als unangenehm empfunden. Das führt auch schon mal dazu, dass Begleiter einen bitten den Stock in die Tasche zu stecken, damit die Leute nicht mehr gucken. Ich selbst habe eine Weile gebraucht, um zu sagen, dass es mich mit dem Stock ausschließlich im Doppelpack gibt. Denn nur der Nutzer entscheidet ob er den Stock sichtbar trägt oder nicht. Und niemand sonst.
Die zweite entscheidende Funktion des Blindenstocks ist, dass er mein Auge am Boden ist. Bevor ich also gegen ein Hindernis stoße, macht es der Blindenstock für mich. Und dem tut es nicht weh. Meiner Nase hingegen schon. Wie das funktioniert, und wo die Grenzen liegen, habe ich in der Blindenstock in der Praxis beschrieben. Und ganz wichtig dabei ist: Hindernisse sind manchmal wichtig. Sie dienen mir zur Orientierung. Es besteht also keine Notwendigkeit einen blinden Menschen zu warnen, wenn der Stock einmal gegen eine Hauswand, einen Ampelmast oder einen Blumenkübel knallt. Auch wenn es auf sehende Verkehrsteilnehmer sicherlich beängstigend wirkt.
Und nun die Frage aller Fragen: Was wirkt besser, ein sehbehinderter Nutzer, der sich nicht kennzeichnet, und mit seinem bisschen Restsehen versucht sich zu orientieren, oder ein sehbehinderter Nutzer, der seinen Stock mitnimmt, und damit signalisiert, dass er eine Sehbehinderung hat? Diese Frage sollte jeder für sich selbst beantworten können. Es gibt in der Rechtsprechung keine eindeutige Kennzeichnungspflicht im Straßenverkehr, wie auf den Seiten der RBM nachzulesen ist.
Für mich ist der Blindenstock längst kein Stigma mehr, sondern eher ein Hilfsmittel, welches mir eine Freiheit garantiert mich selbstbestimmt in der Weltgeschichte zu bewegen. Und wenn ich ihn doch mal loswerden möchte, dann lässt er sich bequem zusammenklappen oder auch mal unter den Arm klemmen.
Zum guten Schluss noch drei Ratschläge, die ich potentiellen Helfern mit auf den Weg geben möchte:
– Zieht niemals einen blinden Menschen am Blindenstock irgendwohin.
– Jemandem den Stock ungefragt aus der Hand nehmen, damit er leichter aus dem Zug steigen kann, ist ein NoGo.
– Der Blindenstock gehört auch nicht ungefragt weggestellt oder an die Garderobe gehängt.
Auf lydiaswelt schreibe ich für sehende Personen verständlich über meinen Alltag als blinde Mutter mit sehenden Kindern. Ich beantworte Fragen, die sich um meinen Alltag und meine Herkunft aus Jordanien drehen. Und so findet Ihr mich:
Blog: http://www.lydiaswelt.com        Besuche meine Facebookseite: https://www.facebook.com/Lydiaswelt-167792564045737/
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Louis Braille – Erfinder der Blindenschrift

Louis Braille wurde 1809 in coupvray ile de France geboren.
Mit 3 Jahren verletzte er sich mit einer Ahle aus der Schuhmacherwerkstatt seines Vaters an einem Auge. Dieses entzündete sich und Louis erblindete an diesem Auge. auch das andere Auge entzündete sich und somit war der Junge mit 5 Jahren vollblind.

Da er aber sehr wissbegierig war und Bücher nicht nur vorgelesen bekommen wollte, begann er schon in jungen Jahren mit Versuchen eine Schrift für Blinde zu entwickeln. Er versuchte die Ideen anderer Betroffenen aufzugreifen. So ging er ab 1819 in die Blindenschule von Valerie hay. Dieser hatte einen speziellen Setzkasten, entwickelt von der französichen Komponistin, Pianistin und Musikpädagogin Madame Paradise. Mit diesem Kasten konnte man Buchstaben und Noten prägen, so dass sie fühlbar waren. Louis war zuerst sehr begeistert hiervon und ließ sich auch solch einen Kasten anfertigen. Zuhause in der Werkstatt seines Vaters versuchte er mit Leder verschiedene Zeichen und Symbole zu entwerfen. Dies stellte ihn abera lles nicht zufrieden.
Dann lernte er die sogenannte Nachtschrift kennen, die der Atilleriehauptmann Charles Babier für das Millitär entwickelt hatte. Diese bestand aus 12 Punkten und war recht kompliziert. Louis entschied nur 6 Punkte zu nehmen, denn auch hiermit konnte er 64 Zeichen bekommen, die er aber alle gar nicht nutzen musste.
Mit gerade mal 16 Jahren hatte er im Jahre 1825 die Brailleschrift entworfen.
1828 erfand er auch noch dazu eine Punktschrift um Noten lesen zu können. Er selbst spielte Orgel. Diese Schrift wird bis heute noch ganz genau so benutzt.

Louis arbeitete in den folgenden Jahren als Lehrer für Blinde und wollte seine Punktschrift auch im Unterricht anwenden. Aber die Skepsis war sehr groß. Man befürchtete, dass sich mit dieser Schrift blinde Menschen zu sehr zurückziehen würden und nur unter Ihresgleichen aufhalten würden und das wollte man verhindern. Es gab jedoch viele Studenten, die die Brailleschrift heimlich weiterverwendeten.
Im Jahre 1850 Wurde die Blindenschrift offiziell in Schulen unterrichtet Es dauerte dann noch bis ins Jahr 1879, bis sie auch in deutschen Blindenschulen angekommen ist.
Zu Beginn wurde die Schrift mit einem Griffel in Papier von Hand geschrieben. Jedoch gab es dann schon Ende des 19. Jahrhunderts mechanische Schreibmaschinen für die Blindenschrift. Diese wurden sehr lange verwendet, bis es die ersten elektrischen Schreibmaschinen und elektronischen Schreibmaschinen gab. Als dann die Computer mehr und mehr Einzug hielten, wurden spezielle computergesteuerte Braillezeilen entwickelt, die bis heute immer weiter verbessert werden Wir sind gespannt, wie die Entwicklung weitergeht.