Vier gewinnt für blinde und sehbehinderte

Auch dieses Spiel wurde mir vom Deutschen Hilfsmittelvertrieb aus Hannover kostenlos zur Verfügung gestellt. Bei diesem Spiel handelt es sich um ein normales Vier gewinnt-Feld, wobei man es ein bisschen zusammenbauen muss, denn man hat zwei Ständer links und rechts und von unten einen Riegel, der die Steine im Feld lässt. Ansonsten ist es ein ganz gewöhnliches Vier gewinnt-Spiel, auch die Steine sind ganz normal, nur sind sie unterschiedlich taktil gemacht worden. Bei den roten Steinen ist in der Mitte ein Loch gebohrt worden und die gelben Steine sind ganz normale Vier gewinnt-Spielsteine, wie man sie kennt.
Ziel bei dem Spiel ist es, vier Steine in eine Reihe zu bekommen, entweder von oben nach unten, von rechts nach links oder auch versetzt und der Gegenspieler muss das verhindern.
Es macht sehr viel Spaß. Das einzige, was ein bisschen stört, ist, dass es etwas wackelig ist beim Spielen. Ich hatte immer so ein bisschen die Sorge, dass gleich alles raus- oder runterfällt, aber das ist das einzige Manko, das ich bemerkt habe und das mit etwas Übung und gewisser Vorsicht beim Tasten kein Problem darstellt.
Auch dieses Spiel kann beim Deutschen Hilfsmittelvertrieb in Hannover gekauft werden.

Mensch ärger dich nicht für Blinde

Ich habe am Wochenende ein „Mensch ärger dich nicht“-Spiel vom Deutschen Hilfsmittelvertrieb aus Hannover, der uns netterweise dieses Spiel zur Verfügung gestellt hat, getestet.
Das Spielbrett ist eigentlich ein normales „Mensch ärger dich nicht“-Spielbrett, nur mit dem Unterschied, dass es in der Mitte nicht zusammengefaltet wird, sondern es ein dicker Block ist. Das Spiel ist 1 cm dick und ist eine massive Holzplatte, in die Löcher gebohrt wurden, in die man die Figuren reinstecken kann. Die Figuren sind auch unterschiedlich anzufühlen: Die roten haben oben einen runden Hals, die gelben haben noch oben einen fühlbaren Pickel, die schwarzen sind von oben abgeflacht und glatt und die grünen haben noch eine Umrandung auf der glatten Fläche. Beim Würfel handelt es sich um einen sehr dicken Würfel, bei dem die Zahlen sehr gut fühlbar sind.
Zum Spiel selber brauche ich vermutlich nicht viel zu sagen, weil die meisten es kennen dürften. Man muss versuchen, seine vier Figuren in sein Häuschen zu bekommen und wenn man die Figur eines anderen Spielers vor sich hat, kann man sich gegenseitig rauswerfen.
Mein Fazit: Mir hat es sehr viel Spaß gemacht. Ich habe zwar früher schon mit meiner Familie „Mensch ärger dich nicht“ gespielt, aber das war nicht so schön, weil man mir bei dem „normalen“ Spiel immer beim Spielen helfen musste. Vieles habe ich zwar mit den Sehrest noch selber erledigen können, aber manche Sachen habe ich alleine nicht geschafft. Doch jetzt haben wir eben „Mensch ärger dich nicht“ für Blinde und Sehbehinderte ausprobiert und ich war echt begeistert. Schade ist, das es keine Schachtel für die Figuren und das Brett gibt, nicht mal einen kleinen Stoffbeutel oder Stoffsack, in den man alles reintun kann, aber sonst ist das Spiel sehr schön und wir haben mit meinem Neffen einen richtig schönen Spieleabend gehabt. Und wer jetzt Lust bekommen hat, das Spiel selbst ausprobieren, kann es sich beim Deutschen Hilfsmittelvertrieb in Hannover bestellen.

Wie Blinde ins Spiel kommen

Wie ist es wenn man blind ist? Kinder spielen mit verbundenen Augen Velen-Spiele.
Von Felix Dölp, Landgraf-Ludwigs-Gymnasium, Gießen
Ich bin blind, will aber trotzdem mit meinen Kindern spielen“, sagt Erika Lendeckel. Dieser Wunsch führte 1988 zur Gründung von Velen-Spiele durch sie und ihren Mann Volker. Die vor dreißig Jahren auf dem Markt erhältlichen Blindenspiele waren nur für Blinde konzipiert, optisch nicht ansprechend und eher langweilig zu spielen.
Das änderte das Ehepaar mit seinem kleinen Unternehmen, das mehr als 1000 Kunden in Deutschland und sechs weiteren europäischen Ländern zählt.
Reiner Delgado, Sozialreferent des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverbands (DBSV), sagt: „Ein wichtiger Aspekt ist, dass Velen Spiele anpasst, die aktuell auf den Markt kommen. So können blinde Menschen auch neue Spiele mitspielen.“
Eine Folie wird aufgebracht
Die von Velen in Neuwied umgerüsteten Ravensburger-Spiele sind äußerlich unverändert und so für Sehende attraktiv. Auf alle Spiele wird eine Folie mit Braille- oder Symbolschrift aufgebracht. Die Negativformen für die Tiefziehpresse, in der die Folien hergestellt werden, produziert Volker Lendeckel mit einer CNC-Fräse selbst.
„Zusätzlich werden alle Brettspiele mit einer Metallplatte im Spielfeld und Magneten unter den Figuren ausgestattet, damit der Spielstand nicht verfälscht wird, wenn ein Blinder ,schaut‘, wo die haptisch markierten farbigen Spielfiguren stehen“, erläutert Lendeckel.
Im Raum Aachen stehen Velen-Spiele in Büchereien und Kindergärten bereit; der Nachlass eines Blinden hat dies ermöglicht. Ein weiteres Einsatzfeld sind Blindenschulen. Der blinde Martin Kirchner, Lehrer für Brailleschrift in Frankfurt, schätzt insbesondere das Spiel „Scrabble“ als motivierendes Element seines Unterrichts. „Spielend lernt es sich am besten.“
Etwa doppelt so teuer
Leider lernten immer weniger Blinde aufgrund auditiver Hilfen die Brailleschrift. Dabei ermögliche sie eine selbstbestimmte Informationsaufnahme und mehr Selbständigkeit. „Die Spiele motivieren meine Schüler beim Erlernen der Brailleschrift.“
In den Vereinigten Staaten hat Mattel mit der Nationalen Vereinigung der Blinden eine Version des Kartenspiels Uno entwickelt, die für Blinde und Sehende gleichermaßen geeignet ist. Die Markteinführung in Deutschland ist für 2020 geplant. In Dänemark testet Lego die Braille-Bricks. Die Noppen sind so angeordnet, dass sie Braillezeichen darstellen.
Damit die Spiele von Velen erschwinglich sind – das teuerste kostet 75 Euro –, arbeiten die Lendeckels ehrenamtlich. Sie haben als pädagogische Fachkräfte an einer Blindenschule gearbeitet und sind nun im Ruhestand. Die Spiele sind mindestens doppelt so teuer wie das Original. Für Kartenspiele sind die Preise fünfmal so hoch, da jede Karte von Hand mit der Tiefziehfolie beklebt und nachbearbeitet werden muss.
Einige Dauerbrenner
Ravensburger ist alleiniger Kooperationspartner von Velen. Man stellt Velen kostenlos Ersatzteile zur Verfügung und gewährt trotz der geringen Menge Großhandelspreise. Dauerbrenner sind „Sagaland“, „Hase und Igel“ und „Das verrückte Labyrinth“. Man verkauft nach eigenen Angaben jährlich 250 bis 300 Spiele.
Es gibt noch einige andere Anbieter von Blindenspielen in Deutschland und der Schweiz. Luise Bartkowski aus Mönchengladbach rüstet ebenfalls handelsübliche Spiele um. Die Eheleute Lendeckel werden sich bald aus dem Unternehmen zurückziehen. Doch ihre beiden Kinder werden den Betrieb fortführen.
Der Artikel stammt aus dem Schülerprojekt „Jugend und Wirtschaft“, das die F.A.Z. gemeinsam mit dem Bundesverband deutscher Banken veranstaltet.
https://m.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/velen-ruestet-ravensburger-spiele-fuer-sehbehinderte-um-16561162.html