Zwischen dem Kampf ums Leben und einem großen Geschenk: Interview mit Franziska Liebhardt,

Paralympics-Siegerin im Kugelstoßen 2016 in Rio de Janeiro und Empfängerin einer neuen Spenderlunge 

Bei den Spielen in Rio 2016 feierte Franziska Liebhardt die Goldmedaille im Kugelstoßen, gewann zudem Silber im Weitsprung – mit Spenderlunge und Spenderniere. Neben einer halbseitigen Lähmung hat die 38-Jährige aufgrund einer Autoimmunerkrankung 2009 eine Lungentransplantation hinter sich gebracht, 2012 folgte eine neue Niere, 2016 dann der Triumph in Rio. Auf den Tag genau drei Jahre nach dem Paralympics-Gold gab es jedoch wieder eine Hiobsbotschaft: Liebhardt brauchte erneut eine neue Lunge. Wieder begann das quälende Warten auf ein Spenderorgan. Nach sieben ungewissen Monaten erhielt sie die erlösende Nachricht – und wurde erfolgreich operiert.
 

Kurz vor Ostern ging es ganz schnell. Wenige Tage vor deiner Lungentransplantation hattest du noch geäußert, dass du dir abgewöhnt hast, jeden Tag, jede Stunde auf einen Anruf zu warten. Dann klingelte plötzlich das Telefon. Du hast sieben Monate darauf gewartet. 

Ich wurde am 13. September 2019 wieder auf die Warteliste zur Transplantation gesetzt. Der 13. September ist für mich eigentlich ein sehr gutes Datum, 2016 bin ich an diesem Tag in Rio Paralympics-Siegerin geworden. Diesmal bedeutete es für mich den Beginn einer sehr schwierigen Zeit. Sieben Monate habe ich auf den Anruf gewartet. Das heißt sieben Monate jeden Tag und jede Nacht nicht zu wissen, ob das Telefon klingelt – und innerhalb von wenigen Stunden eine riesige Operation organisiert wird. Der Anruf kam in meinem Fall abends gegen 22.30 Uhr. Ich hatte einen Arzt am Telefon, der mir sagte, es gäbe möglicherweise ein passendes Organ. „Auf dem Papier“ sehe alles gut aus. Innerhalb von 30 Minuten kam der Krankenwagen und hat mich ins Transplantationszentrum nach Hannover gebracht, wo wir gegen 4 Uhr morgens angekommen sind. Man wird dann für die OP vorbereitet, rasiert und desinfiziert – obwohl zu dem Zeitpunkt noch gar nicht feststand, ob das Organ tatsächlich passt. Die Chirurgen aus dem Transplantationszentrum Hannover setzen sich in ein Flugzeug, fliegen zum Spender hin, sehen sich in meinem Fall die Lunge des Spenders von innen und außen an und entscheiden, ob diese Lunge verwendet werden kann. Die Chirurgen entnehmen das Organ dann auch direkt und fliegen damit zurück nach Hannover. Ich habe quasi auf dem Rückflug der Ärzte die Nachricht erhalten, dass das Organ akzeptiert ist und ich operiert werde. Ob die Lunge auch wirklich funktioniert, weiß man erst danach. 

Was waren deine ersten Gedanken und wie hast du in diesen Momenten gefühlt? 

Es war ein Mischmasch aus Aufregung, Ängsten und Vorfreude. Als ich um 22.30 Uhr eine Nummer mit hannoverscher Vorwahl auf dem Display gesehen habe, war mir aber natürlich klar, dass das nur einen Grund haben kann. Ich habe die engsten Verwandten angerufen, ihnen von der frohen Mitteilung berichtet – und dann fährt man einfach los. Die Organisation der ersten Tage nach der Transplantation, in denen man noch zu nichts selbst in der Lage sein wird, hatte ich lange vorher erledigt. Wer ruft wen an, wer sagt welche Termine ab, wer kümmert sich um Alltagstermine, die ja nicht vorher abgesagt werden können, weil eben niemand weiß, wie lange man wartet. Eine Woche, drei Monate oder zwei Jahre. 

Welche Voraussetzungen muss man erfüllen, um für eine Organtransplantation in Frage zu
kommen?

Dazu gehört eine lange Liste an Voruntersuchungen und Tests, die einen als geeigneten Organempfänger deklarieren. Man wird quasi einmal auf links gedreht. Neben den rein körperlichen Faktoren und Vorerkrankungen spielen auch psychologische Dinge eine Rolle, bspw. wie gut sich ein Patient an Empfehlungen halten kann und will, wie ist die Unterstützung im sozialen Umfeld und die Möglichkeit, die Vorgänge zu verstehen und mitzutragen. Man muss den Ärzten beweisen, dass man bereit ist, diesen schwierigen Weg zu gehen, sich an die vorgegebenen Regeln zu halten, Kontrolltermine wahrzunehmen, Medikamente zuverlässig einzunehmen, sich an ärztliche Vorgaben zu halten. Man muss bereit sein, um sein Leben zu kämpfen und die Verantwortung für ein Spenderorgan zu übernehmen – es ist das größte Geschenk, welches einem ein anderer Mensch machen kann. Dazu müssen die Überlebenschancen mit einem neuen Organ auch mit Blick auf weitere Begleiterkrankungen auf längere Zeit gegeben sein. Hierzulande können wir es uns leider nicht leisten, jedem Menschen ein Organ zum Überleben zu geben, der es bräuchte. Eigentlich ein Skandal, aber leider Realität in Deutschland. Übrigens sind wir in Europa eines der Schlusslichter. 

Wie sieht dein Alltag nach der Transplantation aus? Wie können wir uns den Weg zurück und die ersten Schritte vorstellen? 

Der Alltag organtransplantierter Menschen ist mit einer hohen Anforderung an die eigene Disziplin verbunden. Medikamente müssen nach strenger Kontrolle zu genauen Uhrzeiten eingenommen werden, man muss lernen, sehr gut in seinen Körper hineinzuhorchen und auf alle Veränderungen schnell und konsequent reagieren. Man muss beim Essen verzichten, weil der Körper allgemein anfällig für Infektionen ist und Keime über alle möglichen Wege in den Körper gelangen können. Man übernimmt die Verantwortung für ein großes Geschenk. Vor allem spürt man Verantwortung gegenüber der Spenderfamilie, die in einer Stunde größter Trauer bis zu fünf anderen Familien ein neues Leben schenkt. Zudem denkt man auch an die anderen Menschen auf den Wartelisten, die sterben, weil nicht rechtzeitig ein Organ zur Verfügung steht. Da fühlt man wirklich große Demut. Ein Spenderorgan zu haben, bedeutet nicht, dass man anschließend gesund ist. Aber es bedeutet ein hohes Maß an Lebensqualität, für die so mancher vielleicht auch erstmal ein Gefühl entwickeln muss. Ich habe in den vergangenen 15 Jahren mit meiner Erkrankung wahnsinnig viel Demut vor dem Leben entwickelt. Man beschwert sich nur noch selten über irgendwelche Kleinigkeiten. Denn man lernt in solchen Situationen, wie wichtig Leben ist. Nur Leben. Kein Geld, kein Haus, kein teures Auto. Morgens wachzuwerden, Luft zu bekommen, die Treppen steigen zu können – einfach Glück empfinden zu dürfen. 

Die ersten Schritte nach der großen Operation sind auch körperlich gesehen die ersten Schritte. Möglichst bald nach der Operation selbstständig, also ohne Beatmungsgerät, zu atmen. Das passiert optimalerweise in den ersten Tagen nach der OP. Sich im nächsten Schritt von Physiotherapeuten und Atemtherapeuten an die Bettkante hieven zu lassen, um den Kreislauf wieder in Gang zu kriegen. Ohne Medikamente zur Kreislaufunterstützung auszukommen. Kein fremdes Blut mehr zu brauchen. Es mit immer weniger Schmerzmittel auszuhalten. Und sich dann mit den vielen Medikamenten und Einschränkungen vertraut machen. Wieder selbstständig telefonieren und schreiben können. Wieder essen und schlucken können. Wieder alleine zur Toilette zu kommen, alleine zu duschen. Die banalsten Funktionen sind nach einer solche Operation zunächst weg. Für den Körper ist es eine Höchstleistung, sich innerhalb kürzester Zeit an ein neues, letztlich fremdes Organ zu gewöhnen und wieder in den normalen Tritt zu kommen. 

Motivieren und bekräftigen dich die Erinnerungen an deine sportlichen Erfolge, insbesondere bei den Paralympics in Rio 2016 bei deinem täglichen Kampf? 

Die Zeit rund um Rio und die Paralympics hat mich vor allem durch die erneute Wartezeit getragen. Weil der Sport einem vieles lehrt, was man auch im Kampf gegen eine schwere Erkrankung braucht. Positive Emotionen, unvergessliche Momente und Bilder, Bekanntschaften um die ganze Welt. All diese Dinge geben dir Kraft, wenn das Leben schwer wird. Und natürlich hilft es bei der Motivation auch ungemein, die eigene Kraft sozusagen schon einmal am eigenen Leib erfahren zu haben. Wenn man schon eine solche Transplantation hinter sich gebracht hat und selbst erlebt hat, dass man es wieder zurück in ein normales Leben schaffen kann, auch wenn andere einen längst abgeschrieben hatten, übersteht man Durststrecken einfach besser. Und Durststrecken gibt es und wird es auch zukünftig immer geben, wenn man schwer krank ist. Rio hat mir Erlebnisse und positive Bilder geschenkt, die mir niemals wieder jemand nehmen kann – egal, was immer kommen wird. Das ist ein großer emotionaler Schatz, den ich hüte und genieße!

Wissen die Ärzt*innen, Pfleger*innen sowie Zimmernachbarn, dass sie es mit einer Paralympics-Siegerin zu tun haben? 

Die Ärzte kennen mich bereits seit vielen Jahren und entsprechend auch meine Geschichte im Sport. Jetzt kam das ein bisschen wie eine Welle angerollt, die mich selbst überrascht hat. Ich hatte auf der Intensivstation gerade die Augen aufgeschlagen, da berichtete der Chirurg bei der Visite von Frau Liebhardt, der Kugelstoßerin. Und dann war das wie ein Lauffeuer. In der Klinik, der Medizinischen Hochschule Hannover, hängen auch in allen Fachabteilungen, die mich betreuen, Bilder von meinem Sieg in Rio, die ich mit Dankesworten versehen habe. Denn man muss ja mal ganz ehrlich sein: Ich war zwar damals diejenige, die in Rio im Ring gestanden und vor Ort Gold gewonnen hat. Doch in einer Lebenssituation wie meiner waren über Jahrzehnte hinweg so viele Menschen an diesen Erfolgen beteiligt, die aber natürlich nie im Rampenlicht auftauchen. Hätte es Pflegekräfte, Physiotherapeuten und Ärzte im Vorfeld nicht gegeben, die „einfach ihren Job gemacht haben“, hätte ich in Rio auch nicht gewinnen können. Mir würden heute viele wertvolle Lebenserfahrungen fehlen. Unter anderem einem sehr engagierten Intensivmediziner aus Hannover habe ich nach dem Erfolg in Rio geschrieben, dass diese Medaille auch seine Medaille sei, sie gehöre nicht mir allein. Er schrieb zurück: „Wahnsinn, mein größter sportlicher Erfolg im Leben bisher war die Ehrenurkunde bei den Bundesjugendspielen“. 

Was wird mit der neuen Lunge wieder möglich sein und was nicht? Wirst du auch wieder sportlich aktiv sein können? 

Das ist aktuell schwer zu sagen. Spenderlungen sind anfällig für Probleme und Komplikationen. Ich hoffe, wieder in ein normales Leben zurückkehren zu können. Arbeiten zu können, Freizeitsport zu machen, frei zu sein. Ich wäre dankbar für ein „ganz normales Leben“ ohne besonderen Schnickschnack. Befreit atmen zu können, wäre schon ausreichend. Meine großen sportlichen Erfolge habe ich gehabt, dieses Kapitel ist für mich abgeschlossen. Ich genieße jetzt die Erinnerungen daran. 

Welche Pläne hast du, wenn sowohl deine Gesundheit als auch die aufgehobenen Einschränkungen durch das Corona-Virus wieder mehr Aktivitäten und Freiheiten ermöglichen? 

Ich möchte mit meinem Handbike gerne eine Deutschlandrundfahrt machen und einfach die Zeit genießen. Urlaube machen, die neu gewonnene Lebenszeit genießen. Wieder Vorträge halten oder für den Behinderten- und Rehabilitationssportverband Nordrhein-Westfalen und den Deutschen Behindertensportverband moderieren. Ich hatte vor der erneuten Lungenerkrankung eine sehr aktive Lebensphase mit vielen Reisen und viel körperlicher Aktivität – da wieder hinzukommen, wäre der Traum. Mal sehen. Ich möchte liebgewonnenen Menschen aus dem Sport gerne verbunden bleiben, aber nicht mehr als aktive Sportlerin. Es gibt viele andere schöne Möglichkeiten. Wenn der DBS mich in Tokio in irgendeiner Form als Helferlein mitnehmen möchte, werde ich sicherlich nicht nein sagen. 

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Bildnachweis Siegerehrung Rio: Foto: Ralf Kuckuck / DBS
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„Nur als befristete und überbrückende Maßnahme“

Positionierung des Deutschen Behindertensportverbandes zum Online-Rehabilitationssport

Der Deutsche Behindertensportverband hält Online-Rehabilitationssport grundsätzlich für ungeeignet, spricht sich in der derzeitigen Situation jedoch für eine befristete und überbrückende Maßnahme aus. Schließlich stellen die aktuellen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus auch für die Durchführung des ärztlich verordneten Rehabilitationssports eine Ausnahmesituation dar.  Diese erfordert von allen Beteiligten innovative Maßnahmen und lösungsorientierte Ansätze.
 
Jedoch ist jede Form von Fernangebot des ärztlich verordneten Rehabilitationssports im Sinne des §64 SGB IX im Grundsatz ungeeignet: Neben den rein körperlichen Zielen – der Stärkung von Ausdauer, Kraft sowie der Verbesserung von Koordination und Flexibiltät – verfolgt der ärztlich verordnete Rehabilitationssport insbesondere das Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. „Ein wesentlicher Bestandteil ist das gemeinsame Üben in festen Gruppen, um gruppendynamische Effekte zu fördern, den Erfahrungsaustausch zwischen den Betroffenen zu unterstützen und damit den Selbsthilfecharakter der Leistung zu stärken“, betont DBS-Vize-Präsidentin Katrin Kunert. Die physische Präsenz und der unmittelbare Kontakt der Gruppe untereinander sowie mit den Übungsleiter*innen könne grundsätzlich nicht durch Fernangebote ersetzt werden.
 
Die bisher bekannten Systeme zum Online-Rehabilitationssport fokussieren stark auf den körperlichen Aspekt und bedienen eindimensional gymnastische Übungen im Sinne der Verbesserung von Kraft, Koordination und Flexibiltät. Der ärztlich verordnete Rehabilitationssport muss jedoch deutlich mehr leisten. Bei einer ganzheitlichen Betrachtung spielen insbesondere Sport- und Spielformen mit Interaktion in der Gruppe und die gemeinsame Freude an der Bewegung eine wichtige Rolle.
 
Darüber hinaus ist die Durchführung des ärztlich verordneten Rehabilitations­sports auch hinsichtlich weiterer Aspekte nicht in der erforderlichen Qualität durchführbar. So erscheint es bei einer Anzahl von bis zu 15 Personen auf einem Computer-Bildschirm schwierig, alle so im Blick zu behalten, dass eine ausreichende Korrektur möglich ist. Es fehlt darüber hinaus die Möglichkeit der taktilen Korrektur durch die Übungsleiter*innen. „Das Spüren einer durch die Übungsleiter geführten Bewegung ist bspw. nicht durch verbale Anleitung zu ersetzen“, sagt Katrin Kunert.
 
Die Teilnehmer*innen benötigen neben einem kompatiblem Endgerät zudem eine gewisse Technikkompetenz. Sofern dies nicht durch den zuständigen Rehabilitationsträger sichergestellt wird, steht das Angebot nur für einen begrenzten, u. U. privilegierten Personenkreis zur Verfügung. Damit verstärkt sich die ohnehin bestehende Ungleichheit zwischen verschiedenen sozialen Gruppen mit Blick auf die Gesundheit sowie die Gesundheitsförderung. „Dadurch besteht die Gefahr, dass finanzschwache und/oder nicht technikaffine Personen vom Online-Rehabilitationssport ausgeschlossen werden“, erklärt Kunert.
 
Neben den technischen und kognitiven Kompetenzen kommt der Online-Rehabilitationssport nur für eine bestimmte Gruppe überhaupt in Frage. Aufgrund der erhöhten Unfallgefahr müssen beispielsweise sturzgefährdete Personen von dem Angebot ausgeschlossen bleiben. Gleichzeitig haben nach Angaben der Bundesarbeitsgemeinschaft der Senioren-Organisationen (BAGSO) geschätzt ein Drittel der Seniorenheime ─ also dem Ort, an dem aufgrund der Zielgruppe viele Teilnehmer*innen wohnen ─ kein Internet.
 
„Gegenwärtig können keine verlässlichen Prognosen gemacht werden, ab wann der ärztlich verordnete Rehabilitationssport wieder wie gewohnt durchgeführt werden kann. Daher muss derzeit der Grundsatz gelten, dass es besser ist für einen Teil der Rehabilitationssportler*innen jetzt eine Lösung anzubieten als gar keine“, sagt Katrin Kunert. Sportärzt*innen warnen bereits vor den gesundheitlichen Folgen aufgrund eingestellter Sportangebote, die die Eindämmungsmaßnahmen mit sich bringen. Gerade für die Risikogruppe plädieren sie für eine Verlegung der Bewegungsangebote in das heimische Umfeld.
 
Die Zielgruppe des ärztlich verordneten Rehabilitationssports zählt in großen Teilen zu einer Risikogruppe (z. B. durch chronische Erkrankungen und/oder höheres Alter). Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass für diesen Personenkreis die derzeitigen Einschränkungen länger andauern können als für andere Personengruppen.
 
„Auch wenn der Online-Rehabilitationssport vom Grundsatz als ungeeignet zu betrachten ist, kann er eine befristete und überbrückende Maßnahme für eine bestimmte Zielgruppe sein“, betont DBS-Vize-Präsidentin Kunert. Für diese Rehasport-Teilnehmer*innen können die Einschränkungen und die erhöhten Risiken, die durch weiteren Bewegungsmangel entstehen, reduziert werden. Die Teilnehmer*innen können den ärztlich verordneten Rehabilitationssport mit ihren vertrauten Übungsleiter*innen durchführen, so dass die Kontinuität gewährleistet ist.
 
„Für den DBS ist die Durchführung von Online-Rehabilitationssport ausschließlich aufgrund einer Ausnahme­situation und befristet auf die Dauer der behördlichen Einschränkungen zur Durchführung des ärztlich verordneten Rehabilitationssports denkbar“, stellt Katrin Kunert klar.

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Pressemitteilung- DBS fordert Verschiebung der Paralympics

Eine Entscheidung muss unverzüglich herbeigeführt werden“

Der Deutsche Behindertensportverband hat am heutigen Montag einen klaren Appell an das Internationale Paralympische Komitee (IPC) gestellt und die Verschiebung der Paralympischen Spiele gefordert. Zudem hat sich der Verband in einem offenen Brief an die Athlet*innen des Team Deutschland Paralympics gewandt.
 
„Nach der erneuten Zuspitzung der weltweiten Coronakrise sind wir der Auffassung, dass eine Verlegung der Paralympischen Spiele alternativlos ist. Eine Entscheidung hierzu muss unverzüglich herbeigeführt werden. Wir alle brauchen Planungssicherheit, sowohl unsere Athleten*innen als auch wir als Verband. Mit dieser Forderung einer schnellstmöglichen Entscheidung sind wir heute schriftlich an das IPC herangetreten. Durch die ungleichen Trainings- und Gesundheitsbedingungen der Nationen sowie fehlende Doping-Kontrollen kann jetzt schon nicht mehr von fairen Wettkämpfen gesprochen werden“, sagt DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher. Dr. Karl Quade, Vizepräsident und Chef de Mission des Team Deutschland Paralympics, fügt dem hinzu: „Die Gesundheit und das Wohlergehen unserer Athlet*innen bleibt unsere oberste Priorität. Ihnen gegenüber haben wir eine Fürsorgepflicht. Dennoch werden wir bis zu einer endgültigen Entscheidung an unseren Vorbereitungen für die Paralympics in Tokio festhalten.“
 
Zuletzt forderten auch einige Athlet*innen des Team Deutschland Paralympics öffentlich eine Verlegung der Spiele, so auch Para Leichtathlet Niko Kappel: „Wir Sportler leiden darunter, dass Trainingszentren geschlossen wurden, dass Qualifikationen ausfallen. Die Unsicherheit ist riesig. Das IPC sollte dies jetzt erkennen. Es bringt nichts, die paralympischen Athlet*innen noch länger im Glauben zu lassen, die Spiele würden stattfinden. Es muss jetzt eine Entscheidung getroffen werden, damit sich auch die Paralympics-Sportler weltweit ihrer sozialen Verantwortung widmen können – frei vom Druck, den eigenen Traum einer erfolgreichen Paralympics-Teilnahme zu gefährden. Es gibt aktuell doch viel Wichtigeres als Sport. Ich bin für eine Verlegung der Paralympics wie selbstverständlich auch der Olympischen Spiele auf einen klar planbaren Termin, am besten ins Jahr 2021.“
 
Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte am Sonntagabend mitgeteilt, eine Entscheidung über eine mögliche Verschiebung der Olympischen Spiele innerhalb der kommenden vier Wochen zu treffen, schloss aber gleichzeitig eine Komplett-Absage der Sommerspiele aus.
 

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DBS sagt alle Veranstaltungen bis Ende April ab

Absage durch Coronavirus: DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher hofft, dass durch konsequente Umsetzung der Vorsichtsmaßnahmen eine baldige Rückkehr zur Normalität möglich ist

Der Deutsche Behindertensportverband hat alle Veranstaltungen bis Ende April abgesagt. Dies betrifft sowohl sportliche Wettkämpfe wie Deutsche Meisterschaften als auch Trainingslager oder den Parlamentarischen Abend, der am 22. April in Berlin stattgefunden hätte. Zudem wurde nach dem für Ende März geplanten Bundesseniorensportfest bereits auch der für Anfang Juni datierte Jugend-Länder-Cup abgesagt. Eine aktuelle Übersicht gibt es auf der Homepage des DBS.
 
„Wir folgen selbstverständlich den Empfehlungen von Bund und Ländern zum Schutz der Sportlerinnen und Sportler sowie der Bevölkerung. Zugleich hoffen wir, dass die Vorsichtsmaßnahmen durch eine konsequente Umsetzung greifen, damit wir alle möglichst bald wieder zur Normalität zurückkehren können“, sagt DBS-Präsident Friedhelm Julius Beucher. Vizepräsident Dr. Karl Quade fügt mit Blick auf den Leistungssport hinzu: „Die Athletinnen und Athleten sind in der Vorbereitung auf internationale Veranstaltungen unmittelbar davon betroffen und erleben in diesen Tagen erhebliche Einschränkungen im Trainingsalltag – nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Staaten weltweit.“ Allerdings müsse die aktuelle Situation ernst genommen und auch angenommen werden. „Das Zurückstehen und der Verzicht auf Trainingslager und Lehrgangsmaßnahmen ist ein Beitrag, um die Folgen der Corona-Pandemie hoffentlich zu mildern.“
 
Für die Teilnahme an internationalen Veranstaltungen, die nach dem 30. April geplant sind, wird zu einem späteren Zeitpunkt entschieden. Mit Blick auf die nationalen Veranstaltungen des DBS prüfen Bundesgeschäftsstelle und die jeweilige Abteilung, ob diese möglicherweise nachgeholt werden können.
www.dbs-npc.de

Fürs Tokio-Ticket über die Schmerzgrenze hinaus

Paralympics-Qualifikation: Als letzte deutsche Mannschaft haben die Sitzvolleyballer die Chance, sich mit den Rückkehrern Heiko Wiesenthal und Jürgen Schrapp für die Spiele in Japan zu qualifizieren – Dafür muss beim Turnier in den USA der Sieg her

Die deutsche Sitzvolleyball-Nationalmannschaft kämpft vom 16. bis 21. März um die Teilnahme an den Paralympics. Das Qualifikationsturnier in Oklahoma (USA) ist die letzte Möglichkeit, um sich einen Startplatz bei den Spielen in Tokio zu sichern. Die deutsche Auswahl geht zuversichtlich ins Turnier. Cheftrainer Michael Merten kann personell aus dem Vollen schöpfen und freut sich über zwei Rückkehrer.
 
Die Ausgangslage ist klar: Um sich für die Paralympics in Tokio zu qualifizieren, muss beim Turnier in den USA der erste Platz her. Denn nur der Sieger erhält das letzte noch zu vergebene Ticket. Cheftrainer Merten sieht seine Mannschaft, die vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat gefördert wird, nach mehreren Trainingslagern und verschiedenen Vorbereitungsturnieren für die bevorstehende Aufgabe gut gerüstet: „Alle Spieler sind soweit fit. Wir sind auf dem Level, wie wir uns das vorgestellt haben.“ Bei der Mission Tokio freut sich Merten mit Heiko Wiesenthal und Jürgen Schrapp über zwei Rückkehrer, die mächtig Erfahrung mitbringen. Wiesenthal erlebte die Spiele zweimal, Schrapp war sogar schon fünfmal dabei – erstmals 1996 in Atlanta und zuletzt 2016 in Rio.
 
Bei der EM im vergangenen Jahr in Ungarn hat Deutschland die Paralympics-Qualifikation trotz Bronze knapp verpasst. Das Team feierte sieben von acht möglichen Siegen und musste sich im Halbfinale nur dem späteren Europameister Russland geschlagen geben. Die guten Leistungen machen Hoffnung für das alles entscheidende Turnier. Entsprechend ist Merten guter Dinge: „Es ist keine Mannschaft dabei, vor der wir uns verstecken müssen. Wenn wir selbst gut spielen, können wir jeden schlagen.“ Die Erwartungen mit Blick auf das Qualifikationsturnier bringt Merten auf den Punkt: „Unser Ziel ist das Ticket für Tokio. Die Ukraine, Kanada und Kasachstan“, zählt der Cheftrainer auf, „sind sicherlich unsere größten Konkurrenten”.
 
Heiko Wiesenthal: Comeback für die Paralympics
 
Einer, der dabei helfen soll, ist Rückkehrer Heiko Wiesenthal. „Heiko ist ein ganz starker und wichtiger Spieler für uns“, erklärt Merten die Bedeutung von Wiesenthal. Der Kapitän der deutschen Mannschaft war 2016 nach den Paralympics in Rio eigentlich schon zurückgetreten, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Seine ehemaligen Mannschaftskameraden hätten ihn jedoch längere Zeit überredet. Nachdem auch seine Frau grünes Licht gegeben hatte, stand seiner Rückkehr ins Nationalteam schließlich nichts mehr im Weg. „Es ist eine Ehre, für sein Land zu spielen“, sagt Wiesenthal und ergänzt: „Ich bin sehr stolz, immer wieder für Deutschland auflaufen zu dürfen und Erfolge zu feiern.“ 
 
Allerdings war es zu Beginn für den 45-Jährigen eine große Herausforderung, sich im Training wieder an das internationale Wettkampfniveau heranzuarbeiten. „Je älter man wird, desto schmerzhafter ist es“, erklärt der Sportler von der BSG Emmelshausen. Doch mit Ehrgeiz und Trainingsfleiß hat er sich wieder zurück zu alter Form gekämpft: „Die Paralympics sind schon eine besondere Motivation. Da geht man auch mal gerne über die Schmerzgrenze hinaus.“
 
Heiko Wiesenthal zählt zu den erfahrensten Spielern in der Mannschaft. Zwei Paralympics-Teilnahmen stehen in seiner Vita, darunter eine Bronze-Medaille bei den Spielen 2012 in London. Heute versucht der Koblenzer, mit seiner Erfahrung sowohl auf als auch neben dem Platz voranzugehen. „Wenn es hektisch wird, versuche ich das Spiel zu beruhigen. Oder eben, wenn nötig, Aggressivität hereinzubringen“, beschreibt Wiesenthal seine Rolle und fügt hinzu: „Außerdem kann ich den jungen Spielern etwas weitergeben.“ Entsprechend weiß der 45-Jährige, worauf es ankommt. „Der Schlüssel wird sein, dass wir uns als Team gut verstehen. Wenn man so lange zusammen ist und eine lange Reise hat, ist das nicht immer einfach. Unser größter Gegner sind wir wahrscheinlich selbst.“ 
 
Dass sich nur der Sieger für die Paralympics qualifiziert, macht die Situation nicht einfacher. Der Druck ist groß. „Manche Spieler werden damit sicherlich zu kämpfen haben. Wir erfahrenen Spieler versuchen daher, den anderen ein wenig den Druck zu nehmen.“ Der Routinier weiß: Für ein erfolgreiches Abschneiden ist es wichtig, möglichst mit einem Erfolgserlebnis in das Turnier zu starten. Auftaktgegner am 16. März ist Lettland. „Unsere Mannschaft hat großes Potenzial. Jetzt müssen wir es unbedingt auch abrufen“, sagt Wiesenthal und zeigt sich zuversichtlich: „In der Vergangenheit war es fast immer so, dass wir uns bei wichtigen Wettkämpfen gesteigert haben und gute Leistungen gezeigt haben“.
 
Nach den Spielen in London sollte für ihn eigentlich schon Schluss sein. „Aus Spaß habe ich damals schon das Lied New York, Rio, Tokio umgedichtet in London, Rio, Tokio“, berichtet Wiesenthal schmunzelnd und ergänzt: „In London und Rio war ich dabei, jetzt fehlt also noch Tokio”. Dass es nun Wirklichkeit werden könnte, hätte er damals nicht für möglich gehalten. Mit guten Leistungen könnte Heiko Wiesenthal selbst dazu beitragen – und sich einen neuen Traum erfüllen.
 
Die Spiele können im Livestream verfolgt werden. 
 
Text: Marcel Wienands
 

Das deutsche Aufgebot im Überblick: 

Dominik Albrecht (32 / Bocholt / TSV Bayer 04 Leverkusen), Stefan Hähnlein (30 / Berlin / TSV Bayer 04 Leverkusen), Torben Schiewe (35 / Celle / MTV Eintracht Celle), Alexander Schiffler (38 / Dresden / Dresdner SC), Lukas Schiwy (25 / Grevenbroich / TSV Bayer 04 Leverkusen), Jürgen Schrapp (45 / Illertissen / TSV Bayer 04 Leverkusen), Dominik Seitz (36 / Starnberg / BSV Ludwigshafen), Mathis Tigler (24 / Dinslaken / TSV Bayer 04 Leverkusen), Francis Tonleu (42 / Akonolinga (Kamerun) / BSG Emmelshausen), Martin Vogel (48 / Sao Paulo (Brasilien) / TG Nürtingen), Heiko Wiesenthal (45 / Mayen / BSG Emmelshausen).
 

Die deutschen Vorrundenspiele:

16. März: Deutschland – Lettland
17. März: Deutschland – Ukraine
18. März: Deutschland – Kroatien

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DBS-Chef Beucher gegen Olympia und Paralympics gleichzeitig

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes fordert zudem stärkere Integration in olympische Fachverbände.
Veröffentlicht am 19. November 2019
Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS)
Friedhelm Julius Beucher, der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) (Foto: Jens Büttner/dpa)
Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbands, Friedhelm Julius Beucher, ist gegen die zeitgleiche Austragung von Olympischen und Paralympischen Spielen. „Die Medien hätten kein durchgängig hohes Interesse“, sagte Beucher im Interview der Tageszeitung «Neues Deutschland» (Donnerstag). „Dazu kommt das Problem der Athletenunterbringung. Zur Zeit nutzen wir Teile der olympischen Dörfer. Wenn alle gleichzeitig kommen, müssten noch größere Anlagen gebaut werden. Die Idee scheitert also an der Praxis.“
Im kommenden Jahr finden Olympia (24. Juli bis 9. August) und Paralympics (25. August bis 6. September) in Tokio statt. Vertraglich ist bis 2032 festgelegt, dass der Olympia-Gastgeber auch Schauplatz der Weltspiele des Behindertensports ist.
Beucher spricht sich allerdings für die stärkere Integration der Behindertensportler in die olympischen Fachverbände aus.
„Wenn Olympische und Paralympische Spiele am selben Ort hintereinander stattfinden, erwarte ich das allerdings auch von Welt- und Europameisterschaften“,
erklärte der 73-Jährige.
Derzeit tragen die Para-Leichtathleten ihre WM in Dubai aus, die WM der Nicht-Behinderten fand in Katar statt. In anderen Sportarten wie Kanu wurden die Para-Athleten dagegen bereits integriert. Im vergangenen Jahr richteten die Leichtathleten beide Europameisterschaften in Berlin aus.
(RP/dpa)
rollingplanet.net

Anna Schaffelhuber verkündet Rücktritt

Die mehrfache Paralympics-Siegerin gibt das Ende ihrer erfolgreichen Sportkarriere bekannt. Was sie in der Zukunft plant.
Veröffentlicht am 12. November 2019
Anna Schaffelhuber bei den Paralympics 2018 in Südkorea
Anna Schaffelhuber bei den Paralympics 2018 in Südkorea (Foto: Jan Woitas/dpa)
Der deutsche Para-Wintersport verliert sein größtes Aushängeschild. Die siebenmalige Paralympics-Siegerin Anna Schaffelhuber hat im Alter von 26 Jahren etwas überraschend ihre Karriere beendet. „Schwer war die Entscheidung nicht. Es war ein Gefühl. Und dieses Gefühl hat sich für mich richtig angefühlt“, sagte die Monoski-Fahrerin „BR24 Sport“: „Ich habe diese Entscheidung ein wenig mit mir mitgetragen vor allem im letzten Jahr. Aber es fühlt sich richtig an.“
Keine Entscheidung gegen den Sport
Es sei „keine Entscheidung gegen den Sport, sondern eine, für meine Zukunft, vielleicht auch für eine etwas privatere Zukunft mit etwas anderen Aufgaben“, sagte die Regensburgerin. Schaffelhuber hat im Sommer geheiratet und ist im Referendariat an einer Realschule. Ihr sei „bewusst, dass ein Rücktritt mit 26 Jahren früh erscheint. Dennoch fühlt es sich mit sieben paralympischen Goldmedaillen, elf WM-Titeln, sechs Gesamtweltcup-Siegen und 67 Einzelweltcup-Siegen komplett an und ich freue mich auf neue Herausforderungen.“
Anna Katharina Schaffelhuber auf dem roten Teppich des 37. „Deutschen SportpresseBalls“
Anna Katharina Schaffelhuber auf dem roten Teppich des 37. „Deutschen SportpresseBalls“. (Foto: Andreas Arnold/dpa)
Kritik äußerte Schaffelhuber an der Struktur des Behindertensports.
„Es muss sich definitiv in der Förderung noch sehr, sehr viel ändern“,
sagte sie. Sie könne sich vorstellen, künftig als Coach oder Beraterin für den Verband oder die Politik zu arbeiten. „Da könnte ich, glaube ich, gute Rückmeldungen geben“, erklärte sie: „Aber am Ende des Tages will ich auch gehört werden.“
DBS-Präsident Beucher äußert Bedauern
Präsident Friedhelm Julius Beucher vom Deutschen Behindertensportverband (DBS) hat mit Bedauern auf den Rücktritt der siebenmaligen Paralympics-Siegerin Anna Schaffelhuber reagiert. „Es ist natürlich sehr schade, wenn eine Weltklasse-Athletin ihren sportlichen Rücktritt erklärt. Anna wird uns fehlen“, sagte Beucher der Deutschen Presse-Agentur.
Er habe allerdings „mit großer Freude ihre Bereitschaft aufgenommen, sich mit ihrer Spitzensporterfahrung im Deutschen Behindertensportverband und besonders in der Nachwuchsförderung einzubringen“, sagte Beucher:
„Uns bleibt der Dank für eine großartige Karriere, die ich auch persönlich sehr eng begleitet habe. Für den jetzt überwiegend privaten Lebensweg wünschen wir ihr alles Gute.“
(RP/dpa)
rollingplanet.net

Anna wird uns fehlen

Anna Schaffelhuber © Foto Oliver Kremer / DBS
Eine ganz Große verlässt die Bühne des Para Sports: Monoskifahrerin Anna Schaffelhuber hat nach sieben paralympischen Goldmedaillen, elf WM-Titeln, sechs Gesamtweltcup-Siegen und 67 Einzelweltcup-Siegen das Ende ihrer großartigen Sportkarriere verkündet. „Anna wird uns fehlen“, betont Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes.
„Es ist natürlich sehr schade, wenn eine Weltklasse-Athletin ihren sportlichen Rücktritt erklärt. Uns bleibt der Dank für eine großartige Karriere, die ich auch persönlich sehr eng begleitet habe. Für den jetzt überwiegend privaten Lebensweg wünschen wir ihr alles Gute“, sagt Beucher. Anna Schaffelhuber, die in diesem Jahr heiratete und nach absolviertem Staatsexamen ihr Referendariat als Lehrerin begonnen hat, machte sich die Entscheidung nicht leicht: „Nach reiflichen Überlegungen habe ich mich entschlossen, vom aktiven Leistungssport zurückzutreten. Nach zwölf Jahren ist es für mich an der Zeit ein neues Kapitel aufzuschlagen. Ich bin sehr dankbar, dass ich in dieser Zeit große Erfolge feiern durfte, aber auch Niederlagen mein Leben positiv geprägt haben“, erklärt die 26-Jährige.
  Unvergessen bleiben die Paralympics 2014: In Sotschi jubelte sie fünf Mal, gewann in allen Rennen Gold und krönte sich selbst zur Königin des paralympischen Wintersports – mit gerade einmal 21 Jahren. „In Sotschi habe ich das Beste eingefahren, was ich mir vorstellen konnte. Doch so schön es war, so groß war auch die Aufgabe, die sich daraus ergeben hat“, sagt die Ausnahme-Athletin. Gold-Anna schrieb Geschichte, wurde in nur zehn Tagen zum Gesicht des Behindertensports in Deutschland, hatte Auftritte im Fernsehen, bei Empfängen und Galas, erhielt 2015 die Auszeichnung als Weltbehindertensportlerin.
  Doch neben der gestiegenen Bekanntheit und dem großen Trubel war da noch ihr sportlicher Ehrgeiz – Druck und Erwartungshaltung waren gestiegen. „Ich wollte unbedingt die Erfolge bestätigen und noch eine Goldmedaille holen. Das war das große Ziel. Ich wollte zeigen, dass ich keine Eintagsfliege bin“, erklärt Schaffelhuber. Das gelang ihr 2018 in PyeongChang mit zweimal Gold und einmal Silber eindrucksvoll. Bei der WM im Januar 2019 legte sie noch zweimal Gold und dreimal Silber nach – es waren ihre letzten Medaillen als Leistungssportlerin.
  „Mir ist bewusst, dass ein Rücktritt mit 26 Jahren früh erscheint. Dennoch fühlt es sich mit sieben paralympischen Goldmedaillen, elf WM-Titeln, sechs Gesamtweltcup-Siegen und 67 Einzelweltcup-Siegen komplett an und ich freue mich auf neue Herausforderungen“, sagt Schaffelhuber und fügt an: „Ganz zurückziehen werde ich mich vom Leistungssport nicht. Wer weiß, ob ich nicht bald als Coach wieder auftauche oder das ein oder andere Mal als Expertin zu sehen bin.“
  Das würde auch Friedhelm Julius Beucher erfreuen. „Ich habe ihre Bereitschaft, sich mit ihrer Spitzensporterfahrung im Deutschen Behindertensportverband und besonders in der Nachwuchsförderung einzubringen, mit Freude aufgenommen.“
  Justus Wolf, Bundestrainer Para Ski alpin, trauert seiner erfolgreichen Athletin hinterher: „Für uns ist es sehr schade. Mit Anna fällt eine riesige Leistungsträgerin weg, die uns Erfolge und Aufmerksamkeit beschert hat. Sie ist das Musterbeispiel einer Top-Athletin, die dem Sport alles untergeordnet hat. Sie war ehrgeizig, zuverlässig und diszipliniert, die Zusammenarbeit mit ihr hat sehr viel Spaß gemacht.“ In der deutschen Para Ski alpin-Nationalmannschaft hinterlässt Schaffelhuber freilich eine große Lücke, die es zu schließen gilt. „Wir müssen das mittel- und langfristig versuchen zu kompensieren, wobei wir in Annas Startklasse mit Anna-Lena Forster ja bereits eine sehr erfolgreiche Athletin haben. Dennoch ist es wichtig, dass wir neue Talente heranführen“, betont Wolf und ergänzt: „Mit Nachwuchs-Bundestrainerin Maike Hujara sind wir inzwischen sehr gut aufgestellt und auf dem richtigen Weg. In vielen Lehrgängen hat sich bereits ein vielversprechendes Team gebildet.“
  Der Deutsche Behindertensportverband wünscht Anna Schaffelhuber für ihren weiteren Lebensweg viel Erfolg und alles Gute.
Quelle ist von teamdeutschland-paralympics.de

Niko Kappel stößt zu Silber, Johannes Floors sprintet zum Weltrekord –

WM Niko Kappel © Binh Truong / DBS
Am Sonntagvormittag gewinnt Niko Kappel Silber im Kugelstoßen und Johannes Floors knackt den Weltrekord bei den unterschenkelamputierten Sprintern
Ein rundum erfolgreicher Vormittag für das deutsche Team bei der Para Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate): Erst gelingt Johannes Floors schon im Vorlauf die schnellste 100-Meter-Zeit, die je ein unterschenkelamputierter Athlet gesprintet ist. Anschließend gewinnt Niko Kappel Silber im Kugelstoßen und Francés Herrmann sichert sich mit Platz vier im Speerwurf einen Qualifikations-Slot für die Paralympics 2020 in Tokio (Japan). Felix Streng als Vorlauf-Zweiter hinter Floors und Janne Engeleiter mit deutschem Rekord qualifizieren sich für das Finale, Marcel Böttger mit Guide Alexander Kosenkow in persönlicher Bestzeit für das Halbfinale über 100 Meter in ihren Startklassen.„Das war der härteste Wettkampf, den wir je in unserer Startklasse hatten“, sagte Niko Kappel vom VfL Sindelfingen, nachdem er im Kugelstoßen der Klasse F41 mit 13,87 Metern Zweiter geworden war. Auch wenn er seinen WM-Titel von London 2017 nicht verteidigen konnte, wirkte er erleichtert und zufrieden mit Silber, sagte aber auch: „Ich habe in Welzheim inoffiziellen Weltrekord gestoßen, da will man natürlich mehr. Aber ich mag es, wenn der Ring rau ist und der hier war schnell und glatt.“Gold gewann der junge Usbeke Bobirjon Omonov, der seine Bestweite gleich um 1,72 Meter auf 14,03 Meter verbesserte. „Ich habe im Vorfeld schon gesagt, dass er auch weit stoßen kann“, zeigte sich Kappel nicht verwundert über die Leistungssteigerung. Der Brite Kyron Duke, der Kappel in Leverkusen in diesem Jahr den Weltrekord entrissen hatte, holte Bronze. Kappels langjähriger polnischer Konkurrent Bartosz Tyszkowski war erst gar nicht in Dubai am Start. „Das wird nächstes Jahr richtig eng. Für mich ist es wichtig, dort so weit wie möglich zu stoßen und dann gucken, was dabei rauskommt. Ich freue mich auf Tokio“, sagte Kappel, der nun noch aktueller Paralympicssieger ist.
100-Meter-Weltrekord für Johannes Floors 
Schon kurz zuvor hatte Johannes Floors eine Wahnsinnszeit über 100 Meter ins Ziel gebracht: Im Vorlauf sprintete er in der Klasse T64 10,54 Sekunden und knackte damit seinen eigenen Weltrekord von 10,66 Sekunden, den er in diesem Jahr in Leverkusen aufgestellt hatte. Zudem war er auch schneller als die einseitig Unterschenkelamputierten je zuvor, deren Bestmarke bei 10,61 Sekunden stand. „Das ist eine Marke, die ich wollte“, sagte Floors, ergänzte aber gleich: „Das ist noch Luft nach oben.“ Mit 10,99 Sekunden hatte Felix Streng, sein Teamkollege vom TSV Bayer 04 Leverkusen, den zweiten Vorlauf über 100 Meter locker gewonnen. „Das wird ein heißes Duell im Finale, da freue ich mich schon drauf“, sagte Floors.Francés Herrmann war mit ihrer Leistung im Speerwurf der Klasse F34 nicht zufrieden, doch mit 15,47 Metern sicherte sie sich den Qualifikations-Slot für die Paralympics 2020 in Tokio. „Das war die Hauptsache, aber warum es heute nicht weiter ging, kann ich mir gerade nicht erklären“, sagte die Athletin vom BPRSV Cottbus.
Jubel gab es auch bei ihrer Teamkollegin Janne Engeleiter, die in der Klasse T13 einen deutschen Rekord aufstellte und mit 12,52 Sekunden ihre Bestzeit um 24 Hundertstel verbesserte. Noch am Morgen hatte sie mit Zimmernachbarin Irmgard Bensusan, die gestern Gold gewonnen hatte, auf eine 12,5-er Zeit gehofft. „Ich bin mega happy, dass es geklappt hat, mal gucken, was im Finale noch geht.“Auch Marcel Böttger und Guide Alexander Kosenkow vom TV Wattenscheid 01 jubelten in der Klasse T12 über eine neue Bestleistung von 11,11 Sekunden. „Dass es so schnell wird, hätten wir nicht gedacht“, sagte Böttger: „Eher mit einer 11,20er-Zeit. Aber ich bin glücklich.“ Und Kosenkow ergänzte euphorisiert: „Man muss die schnellen Bedingungen hier nutzen, das ist mega.“
Am Abend springt nun Weltrekordhalter Léon Schäfer um die Medaillen, Ali Lacin gibt dort sein WM-Debüt. Anschließend sind Engeleiter und Denis Schmitz über 100 Meter Außenseiter im Kampf um die Medaillen, könnten aber durchaus überraschen und einen Qualifikations-Slot für Tokio holen. Für Katrin Müller-Rottgardt mit Noel-Philippe Fiener und Phil Grolla geht es darum, über 100 Meter die nächste Runde zu erreichen.
Quelle ist von teamdeutschland-paralympics.de

Irmgard Bensusan ist 200-Meter-Weltmeisterin –

Deutscher Behindertensportverband e.V.
An Tag drei der Para Leichtathletik-WM in Dubai gewinnt Irmgard Bensusan mit Gold die erste deutsche Medaille – und denkt anfangs, sie wäre Zweite geworden
Irmgard Bensusan hat mit ihrem Sieg über 200 Meter die erste Medaille für das deutsche Team bei der Para Leichtathletik-Weltmeisterschaft in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) geholt. Daneben gab es drei sechste Plätze: Für Maria Tietze und Nicole Nicoleitzik über 200 Meter in ihren Klassen, für Nele Moos im Weitsprung.
Irmgard Bensusan hatte 200 Meter lang gekämpft und beim Überqueren der Ziellinie laut geflucht. Die geborene Südafrikanerin dachte, sie wäre Zweite geworden – wie so oft zuvor. Sie nahm die deutsche Fahne und posierte für die Fotografen, immer noch in dem Glauben, Silber gewonnen zu haben. Doch beim ersten Interview wurde sie gefragt, wie sich der Sieg anfühlt: „Ich habe gewonnen?“ Dann kannte die Freude kaum noch Grenzen und das „tollpatschige Mädchen“, wie sie sich selbst auf Instagram bezeichnet, lachte über das Missverständnis: „Ich bin es wohl zu sehr gewohnt, Silber zu gewinnen.“
Zuletzt bei den Heim-Europameisterschaften in Berlin, als sie der niederländischen Konkurrentin Marlene van Gansewinkel über 100 Meter und 200 Meter unterlegen war. Doch in Dubai war Bensusan von Beginn an vorne und bekam Druck von einer anderen Niederländerin: Kimberly Alkemade, die auf den letzten Metern angeflogen kam und schließlich nur fünf Hundertstel hinter der Athletin vom TSV Bayer 04 Leverkusen ins Ziel gestürmt war. Bronze ging an die US-Amerikanerin Femita Ayanbeku, nachdem van Gansewinkel als Drittplatzierte disqualifiziert worden war. „Ich wollte es heute am meisten“, sagte Bensusan, die in London 2017 Weltmeisterin über 400 Meter geworden war, doch anschließend nahm das Internationale Paralympische Komitee (IPC) die Strecke aus dem Programm. Mit 26,93 Sekunden schnappte sie sich mit dem Sieg zudem den Championship Record in der Klasse T44. Nur das obligatorische Sieger-Eis war ausgeblieben, schließlich möchte sie am Dienstag noch Gold über 100 Meter holen: „Das wäre dann perfekt, denn Dienstag ist immer der Eis-Tag.“
Im gleichen Rennen hatte WM-Debütantin Maria Tietze, Bensusans Teamkollegin in Leverkusen, in 28,86 Sekunden auf der Innenbahn Rang sechs belegt. „Mit der Platzierung bin ich zufrieden, nicht aber mit der Zeit“, schlussfolgerte die ehemalige Fußballerin.

Auch für Doppel-Europameisterin Nicole Nicoleitzik hieß es über 200 Meter der Klasse T36 am Ende Platz sechs, nachdem sie in 31,71 Sekunden über die Ziellinie gesprintet war. Noch am Morgen beim Vorlauf war sie mit 31,63 Sekunden etwas schneller gewesen und hatte sich direkt für das Finale qualifiziert. „Jetzt ist aber die Luft raus“, sagte sie nach dem Endlauf.
Die 17-jährige Nele Moos landete bei ihrem ersten internationalen Start ebenfalls auf dem sechsten Platz im Weitsprung der Klasse T38. Die Junioren-Weltmeisterin von Nottwil 2019 zeigte sich beeindruckt von der Kulisse: „Gerade wenn noch Läufe waren, war das schon etwas ganz anderes.“ Bei viel Gegenwind traf sie das Brett nie richtig und blieb mit 4,49 Metern etwas unter ihrer Bestweite, zeigte aber, dass sie auch in Zukunft eine gute Rolle spielen kann.
Bundestrainerin Marion Peters war zufrieden nach Tag drei der WM: „Der Bann ist gebrochen, die erste Medaille war wichtig. Ich freue mich für Irmgard, Gold ist immer harte Arbeit und nie selbstverständlich. Nele hatte eine gute Premiere mit Platz sechs und die Bewährungsprobe bestanden. Es ist enorm wichtig, dass die Jungen von den Großen lernen. Und bei Nicole steht aktuell die Ausbildung im Vordergrund, um vor den Paralympics im kommenden Jahr den Rücken frei zu haben.“
Die deutsche Para Leichtathletik-Nationalmannschaft musste an Tag zwei der Weltmeisterschaften in Dubai (Vereinigte Arabische Emirate) die ersten Rückschläge verkraften. Während Hanna Wichmann mit Platz sieben eine schwierige Saison versöhnlich beendete, musste Katrin Müller-Rottgardt ihren Weitsprung-Wettbewerb verletzt aufgeben. Alhassane Baldé schied im Vorlauf über 800 Meter aus. „Das war ein schwieriger Tag. Aber wenn es an Tag zwei nicht sein soll, geht es für uns an Tag drei los“, resümierte eine optimistische Bundestrainerin Marion Peters.
Am Sonntag dürften die Highlights das Kugelstoßen mit Paralympicssieger Niko Kappel und der Weitsprungwettbewerb mit Weltrekordhalter Léon Schäfer sein.
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