Texte auf Papier mit Pearl Kamera und Openbook einscannen – eine Schritt-für-Schritt-Anleitung

Als ich kürzlich im Internet etwas nachschauen wollte, stellte ich fest, dass es kaum Informationen zur Pearl Kamera auf deutsch gibt, lediglich eine englische Bedienungsanleitung und einen Erfahrungsbericht eines anderen blinden Bloggers konnte ich finden. Die folgende Anleitung dient daher insbesondere blinden Menschen sowie deren sehendem Umfeld als Orientierungshilfe, aber auch allen anderen Interessierten, die mehr über diese Möglichkeit der Texterkennung erfahren möchten, und erklärt die wichtigsten Abläufe beim alltäglichen Einsatz der Kombination Pearl Kamera und Openbook.

 

Vorab

Diese Anleitung konzentriert sich ausschließlich auf die praktischen Handgriffe und Arbeitsschritte, die nötig sind, um die Kamera auf- und abzubauen und mit Hilfe von Openbook den Text eines in Schwarzschrift beschriebenen Blattes zu erfassen. Wer jetzt denkt: „Moment mal, von der Pearl Kamera habe ich ja noch nie gehört“, findet einen allgemeinen Artikel darüber auf meiner privaten Website:

https://kerspet.de/vom-blatt-papier-auf-die-braillezeile-scannen-mit-der-pearl-kamera-und-openbook/

Hinweis: Zur Vereinfachung bezeichne ich die Pearl Kamera im Folgenden nur noch als Pearl.

 

Pearl aufbauen

Man sieht die Pearl in ihrer Tasche

  1. Die Pearl wird standardmäßig mit einer praktischen Tasche geliefert. Diese erinnert an ein Schulmäppchen im Großformat. Auf einer Seite des Mäppchens befindet sich der Reißverschluss, mit dem Du die Tasche leicht öffnen und schließen kannst. In der Tasche befindet sich nun (hoffentlich) die zusammengeklappte Pearl.

Lege die Pearl auf einen Tisch oder eine andere glatte Oberfläche. Wie Du sie hinlegen musst, wird durch die Gumiauflage an der Unterseite schnell deutlich. Das mit der Pearl verbundene Kabel (USB-Kabel) sollte auf der rechten Seite sein.

Zusammengeklappte Pearl ohne Tasche

  1. Ganz grob lässt sich die Pearl in drei Teile gliedern:

Der Fuß = Der Fuß, auf dem die Pearl steht, mit der Schiene, an der Du das Blatt anlegst.

Das Kameragestell = Es steht auf dem Fuß und ist später ein nach oben führender Stab.

Die Kamera selbst = Sie kann später ganz oben ertastet werden.

Zu wissen, dass die Pearl in diese drei Teile gegliedert ist, hilft Dir sehr beim Auf- und Abbau.

Zunächst klappst Du das Kameragestell auf. Wenn Du nun vom Kabel ausgehend an der Pearl nach oben fährst, findest Du an der von Dir weg zeigenden Kante einen deutlich spürbaren Knopf. Diesen Knopf drücken und währenddessen das gesamte Gestell nach rechts bzw. oben aufklappen.

  1. Am obersten Ende des Gestells findet sich nun ein weiterer Knopf, durch den die Kamera an sich ausgeklappt wird. Dabei wird der Knopf wieder gedrückt und währenddessen die Kamera nach links umgeklappt.
  2. Nun musst Du noch die Anlegeschiene herrichten. Hebe die Pearl dafür hoch und greife sie mit einer Hand an der schmalen Spitze des Fußes (der Schiene, an die das Blatt später angelegt wird). Drücke diese Schiene nun zu Dir hin und drehe sie, bis sie wieder einrastet.

Nun müsstest Du, mit dem Finger von links tastend, zunächst auf die quer (von oben nach unten) liegende Schiene stoßen. Weiter rechts müsstest Du auf eine kleine, viereckige Fläche treffen, bevor ein Stab (das Kameragestell) nach oben führt und Du oben wiederum nach links an der Kamera bis zu deren Spitze entlanggleiten kannst. Zudem müsstest Du ganz rechts unten an der Pearl das USB-Kabel finden, welches Du als nächsten Schritt in einen USB-Anschluss, z. B. von Deinem Computer oder Laptop, einstecken musst. Natürlich kannst Du die Pearl jetzt auch so platzieren und ausrichten, wie es gut passt. Wichtig ist, dass Du neben der Schiene auf dem Tisch o. Ä. so viel Platz hast, dass Du glatt ein Blatt ausbreiten kannst.

Die Pearl ist jetzt fertig aufgebaut. Das Kabel steckt im USB-Port eines Laptops

 

Scanvorgang

Du hast nun die Pearl aufgebaut und Deinen Laptop arbeitsbereit vorbereitet. Das USB-Kabel der Pearl wurde in den Laptop gesteckt und das neue Gerät wurde erkannt. Nun kann es mit dem Scannen losgehen!

  1. Lege das Blatt, das Du scannen möchtest, unter die Pearl. Lege dafür die kurze Seite des Blattes an der Schiene an. Auf der Schiene findest Du einen Markierungspunkt, auf dieser Höhe sollte sich ungefähr die Mitte der Blattkante befinden.

Unter die Pearl wurde ein Blatt gelegt. Die kurze Seite des Blattes liegt glatt an der Schiene der Pearl an. Auf dem Blatt sind die Wörter Test und Pearl zu lesen

 

    1. Öffne das Texterkennungs-Programm auf Deinem Computer/Laptop. Ich persönlich arbeite beim Scanvorgang mit dem Programm „Openbook“. Wenn Du Jaws nutzt und kein Openbook hast (dieses Programm ist nicht direkt beim Kauf von Jaws dabei) kannst Du auch die in Jaws integrierte OCR-Software nutzen. Mein Hauptaugenmerk in dieser Anleitung gilt aber der Arbeit mit Openbook. Für alle NVDA-Nutzer: Openbook und NVDA sind miteinander nicht kompatibel. Durch die in Openbook integrierte Sprachausgabe wirst Du alle Inhalte vorgelesen bekommen, die Braillezeile wird aber nicht mitlaufen. Wenn Du lieber mit der Braillezeile arbeitest, nutze – wenn möglich – Jaws.

Startbildschirm von Openbook – das leere Dokument, in dem später der erkannte Text angezeigt wird, und das Hauptmenü

 

Wenn Du mehrere Geräte (z. B. die Pearl und einen weiteren Scanner) über Openbook benutzt, solltest Du zunächst mal prüfen, welches Gerät gerade ausgewählt ist. Dafür mit der Taste Alt ins Menü und mit der Pfeiltaste nach rechts bis zum Menüpunkt „Werkzeuge“. Anschließend mit der Pfeiltaste nach unten bis „Geräteauswahl“ und mit Enter bestätigen. Nun siehst Du, welches Gerät ausgewählt ist und welche Geräte verfügbar sind und kannst die Auswahl wenn nötig entsprechend ändern (Navigation mit den Pfeiltasten rauf und runter, Auswahl bestätigen mit Enter).

  1. Wie bei üblichen Kameras auch, hängt die Qualität des Ergebnisses stark von den Lichtverhältnissen ab. Wenn zum Beispiel ein Drucker oder ein anderes Gerät Schatten auf die Kamera wirft oder die Sonne genau in die Linse scheint, kann es mit der Texterkennung schwierig werden. Als blinde Person ohne jeglichen Sehrest solltest Du Dir daher unbedingt angewöhnen, standardmäßig über Strg+l das Kameralicht einzuschalten. Die Sprachausgabe von Openbook meldet Dir das mit „Kameralicht aktiviert“ zurück.
  2. Prüfe nun, ob das Blatt noch richtig an der Pearl angelegt ist. Ist dies der Fall, gehe wieder mit der Taste Alt ins Openbook-Menü, mit zweimal Pfeiltaste nach rechts auf „Erfassen“ und mit Pfeil runter bis „Seite erfassen“. Bestätigst Du nun mit Enter, hörst Du nach ein paar Sekunden das typische Fotografiergeräusch und bekommst kurz darauf den erkannten Text vorgelesen. Hinweis: Dieser Vorgang kann einige Sekunden dauern. Habe also Geduld, auch wenn erstmal vielleicht nichts passiert! Tipp: Mit dem Weg durchs Menü bist Du schon ziemlich schnell, aber noch mehr Zeit sparst Du, wenn Du die Taste F4 nutzt – ein Shortcut, mit dem das Blatt direkt abgescannt wird, ohne dass Du etwas weiteres dafür tun musst. Und: Keine Angst, wenn Du das Blatt mal mit der Schrift nach unten anlegst – Openbook gibt Dir dann einen entsprechenden Hinweis, sodass Du weißt, wie Du das Blatt drehen musst. Alternativ kannst Du Dir auch vorab die Ausrichtung des Blattes ansagen lassen, indem Du wieder ins Menü „Erfassen“ und dort auf „Ausrichtung überprüfen“ gehst.

Screenshot des Laptopbildschirms nach dem Scanvorgang. Auch hier werden jetzt die Wörter Test und Pearl angezeigt

 

  1. Du kannst nun den gescannten Text in Openbook lesen oder mit den gängigen Tastenkombinationen (Strg+c bzw. Strg+x und Strg+v) in andere Anwendungen, beispielsweise in ein Word-Dokument, übertragen. Wenn Du mehrere zusammengehörige Blätter zum Scannen hast, schreibt Openbook das jeweils nächste Blatt immer direkt hinter das vorhergehende Blatt, sodass Du den Gesamttext (oder was auch immer Du einscannst) am Ende am Stück lesen kannst (vorausgesetzt, die Reihenfolge der gescannten Blätter stimmt). Beachte hierbei aber, dass Du – selbst wenn Du Strg+a für „alles markieren“ drückst – nur den Inhalt der aktuellen Seite markierst (eine Seite in Openbook entspricht einem gescannten Blatt). Wenn Du das Ganze nur mal nachlesen, aber nicht bearbeiten möchtest, bietet Dir Openbook auch die Möglichkeit, es im eigenen Format .obx abzuspeichern. Wenn Du mit Alt+F4 das Programm schließt, wirst Du automatisch gefragt, ob Du Deinen Scan in diesem Format abspeichern möchtest. Wenn Du dann das nächste Mal den Text wieder auslesen willst, musst Du nur im Menü „Datei“ auf „Öffnen“ und kannst dann wie im „Speichern unter“-Feld von Microsoft Word (mit Enter bestätigen, dann mit Tab auf „Dateityp“, um den entsprechenden Dateityp auszuwählen, und dann mit Tab bzw. Enter in den entsprechenden Ordner navigieren) vorgehen – auf diesem Weg kannst Du übrigens auch bereits digital vorhandene Fotos oder pdf-Files in Openbook konvertieren und dadurch möglicherweise besser auslesen.

 

Pearl wieder abbauen

Nach getaner Arbeit musst Du die Pearl natürlich wieder abbauen.

  1. Wenn Du – wie ich, die die Pearl am Arbeitsplatz verwendest – die Pearl immer am gleichen Ort benutzt und auf Deinem Tisch stehen lassen kannst, ist das natürlich super. Ansonsten steckst Du erstmal wieder das USB-Kabel aus.
  2. Damit keine Verwirrung aufkommt, wenn Du die folgenden Schritte mit dieser Anleitung durchführst, drehe die Pearl erstmal wieder so, dass sich die Verbindung mit dem Kabel auf der rechten Seite befindet.
  3. Hebe nun die Pearl wieder hoch. Greife Dir das von Dir weg zeigende Ende der Blatt-Anlege-Schiene, drücke diese von Dir weg und drehe so lange, bis sie wieder einrastet (das Einrasten macht sich durch ein gut hörbares „Klack“ bemerkbar).
  4. Greife nun nach oben an die Kamera. Ganz rechts oben findest Du wieder den Knopf, mit dem Du die Kamera an sich wieder einklappen kannst. Dafür den Knopf drücken, gedrückt lassen und die Kamera nach unten klappen.
  5. Der zweite Knopf befindet sich unten am Kameragestell auf der Seite, die von Dir weg zeigt. Wenn Du diesen Knopf drückst, kannst Du spüren, wie sich das Gestell langsam über den Fuß und die Schiene legt.
  6. Nun kannst Du die Pearl wieder in ihre Tasche legen und hast es geschafft.

 

Vielleicht wirkt das jetzt alles etwas kompliziert und Du fühlst Dich von diesem Beitrag etwas erschlagen, aber wenn man es ein paar Male gemacht hat, ist der Auf- und Abbau sehr selbsterklärend und geht vor allem extrem schnell. Bei der Texterkennung ist – wie bereits erwähnt – wichtig, dass Du gute Lichtverhältnisse schaffst. Zudem hat auch Openbook – wie alle mir bekannten Texterkennungssysteme – das Problem, dass damit keine Handschrift erkannt wird (Du erkennst sie aber zumindest an nicht zu Wörtern zusammensetzbaren Hieroglyphen aus Buchstaben-, Zahlen- und Zeichenkombinationen) und das manche Tabellen vielleicht nicht optimal für Dich dargestellt werden – aber auch das ist ja nicht nur bei dieser Scanmethode, sondern überall eine möglicherweise schwierige Sache.

 

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Orcam 2.0

Von Peter Gladbach
Ich möchte heute die Orcam 2.0 vorstellen.
Es ist ein mobiles VorleseSystem. Es ist eine Brille mit Fensterglas. Diese Brille hat an der rechten Bügelseite Magnete. Da kommt die eigentliche Kamera hin. Die Kamera sieht aus wie ein Lippenstift. Vorne befindet sich die Kamera und hinten befindet sich ein USB-Ausgang. Es gibt auch ein Ladegerät hierzu.
Ich nehme die Orcam  mal in Betrieb. Da ist ein Bändchen dran. das dauert eine Weile. Ich werde sie an den Lautsprecher halten. Das ist nervig an der Orcam, das sie doch Zeit braucht, bis sie bereit ist.
(Es ertönt einige Male ein Klacken.)
Dann sagt sie, dass sie bereit ist und  auch den Ladestand der Batterie. Diese hält ca. 1,5 Stunden.
Mann kann hiermit alle Dokumente, wie Briefe usw.vorlesen lassen. .
Fü mich ist sie ein ganz wichtiges Hilfsmittel.
Ich habe hier noch ein sogenanntes „Buchfix“ dabei.
Ich habe sie jetzt 5 Monate.Es hat auch Widerstände gegeben.
Es gibt  2 Versionen, die Orcam Myreader und die Orcam Myeye. Die letztgenannte hat auch eine Gesichtserkennung, einen Barcodereader, eine Farberkennnung. Aber das funktioniert nicht so gut.
Bei der Orcam myreader sind 1.000,00 €zuzuzahlen. Da habe ich gesagt, mir genügt die Orcam myeye
Ich habe hier ein Buch und werde dieses einmal mit der Orcam vorlesen lassen.
(Peter fotografiert mit der Orcam und dann wird der Text, der auf einem Buch steht vorgelesen.)
(Peter wird darauf hingewiesen, den Kopf anders zu halten, das Fotografieren hat nicht funktioniert.
Beim zweiten Versuch funktioniert es besser und die ganze Seite, des Buches, die er fotografiert hat, wird vorgelesen.
So wird Seite für Seite fotografiert und vorgelesen.
Man hört auch immer einGeräusch, das sich anhört wie ein Auslöser beim Fotoapparat und weiß, dass man etwas fotografiert hat.)
So kann ich das ganze Buch vorlesen lassen.
Ich hoffe Ihr könnt was damit anfangen.
Zur Info, die Orcam gibt es bei Hilfsmittelfirmen. Hier könnt Ihr auch unseren Experten Dario Madani direkt ansprechen. . Im Normalfall werden die  Krankenkassen sie bewilligen.
Man kann auch damit einkaufen, was ein bischen schwieriger ist, aber es geht.
Ich lese damit meine ganze Post.
Da meine liebe Frau vor ein paar Wochen verstorben ist und so niemand mir die Post mehr vorlesen kann, bin ich froh, dass ich das nun mit der Orcam  bewältige.