27/20 Pandemie-Maßnahmen im BSVW

Sehr geehrte Damen und Herren,
der Blinden- und Sehbehindertenverein Westfalen e.V. (BSVW) stellt den individuellen Besucherverkehr sowie sämtliche Veranstaltungen in der Geschäfts- und Beratungsstelle in Dortmund ein. Diese Regelung gilt vorerst bis zum 19. April analog der Schulschließungen.

Wir empfehlen unseren Bezirksgruppen und Blickpunkt-Auge-Beratungsstellen alle Veranstaltungen bis auf Weiteres abzusagen. Dies betrifft alle persönlichen Beratungen, den Hilfsmittelverkauf und auch sämtliche Gruppen-Aktivitäten in den Bezirksgruppen.

Der Verein folgt damit der Empfehlung von Wissenschaft und Bundesregierung, umfassend auf soziale Kontakte zu verzichten, um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Zudem hat die Bundesregierung sämtliche Treffen von Vereinen untersagt. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BSVW stehen Ihnen telefonisch und per E-Mail weiterhin zur Verfügung. Siehe https://www.bsvw.org/kontakt.html

Aktuelle Informationen zu Corona in Nordrhein-Westfalen finden Sie unterhttps://www.mags.nrw/coronavirus. Es gibt auch ein Bürgertelefon des Gesundheitsministeriums
zu Corona unter der Telefonnummer 0211 – 9119 1001. Das ServiceCenter der Landesregierung ist montags bis freitags zwischen 8:00 und 18:00 Uhr erreichbar. Dort kann jedoch keine medizinische Beratung erfolgen.

BIT Buch im Januar: Stiftung Warentest: Schlaganfall – Gemeinsam zurück ins Leben. Ein Ratgeber für Angehörige und Freunde

Sehr geehrte Damen und Herren,

Angehörige und Freunde spielen eine große Rolle bei der Genesung von Schlaganfallpatienten, sind aber in der Regel auf sich allein gestellt. Welche Untersuchungen stehen an? Muss operiert werden? Wird der Betroffene wieder gesund? Oft muss der Alltag neu organisiert, das Zuhause neu gedacht und der Weg zurück in den Job überlegt werden. In manchen Fällen müssen Unterstützung und Pflege beantragt werden. Häufig bleibt die Angst, dass es wieder passiert: Wie reagiert man schnell und souverän in einer Akutsituation? Und wie kann man dem nächsten Schlaganfall vorbeugen durch Ernährung, Bewegung oder die richtigen Medikamente? Der Ratgeber macht Mut und hilft, sich selbst nicht aus den Augen zu verlieren, gleichzeitig aber die größtmögliche Selbstständigkeit für den Betroffenen zu erzielen.
Er entstand in Zusammenarbeit mit der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und mit der Expertise der Charité Berlin.

Sprecher: Martin Mayrhofer,
Best.-Nr.: A08526-Y1,
DAISY-Hörbuch, 411 Minuten, 1 CD 29,00 €.

Kontakt- und Bestelldaten
BBSB e. V.
BIT-Zentrum
Arnulfstr. 22, 80335 München
Bestellhotline: 0 89 55 9 88 136 Herr Färber
24h-Bestellservice: 0 89 55 9 88 144 Anrufbeantworter
Telefax: 0 89 55 9 88 336
E-Mail: bit-bestellservice@bbsb.org
Internet: www.bbsb.org

Ihr BBSB-Inform

BBSB-Inform wird Ihnen, wann immer Sie das wollen, am Telefon vorgelesen. Wählen Sie: 0871 7000 14000. Es gilt das für den benutzten Anschluss vereinbarte Verbindungsentgelt ohne Aufschlag.

Das Redaktionsteam können sie folgendermaßen erreichen:

– Mail: mailto:bbsb-inform@bbsb.org
– Judith Faltl: Telefon 0 89 – 68 52 58
– Christian Schöpplein: mailto:christian.schoepplein@bbsb.org

Wie Sie den Kampf um Hilfsmittel gewinnen

Was Pflegebedürftige und Angehörige tun können, wenn sich Kranken- und Pflegekasse bei der Finanzierung quer stellen.
Veröffentlicht am 18. November 2019
Frau mit Rollator
(Foto: Shutterstock)
Einen Rollator oder einen Duschhocker müssen Pflegebedürftige nicht selbst bezahlen. Das ist schön, bedeutet aber viel Papierkrieg. Denn mitunter gibt es die gewünschte Hilfe erst im zweiten Anlauf. Hilfsmittel bekommen Pflegebedürftige von der Kranken- oder Pflegekasse – so die Theorie. Doch um die Details gibt es in der Praxis oft Streit. Pflegebedürftige und ihre Angehörigen sollten sich daher gut beraten lassen und im Zweifelsfall auch einen Widerspruch nicht scheuen, heißt es im „Senioren Ratgeber“ (Ausgabe 11/2019). Das sei zwar mühsam, führe in vielen Fällen aber zum Erfolg.
Wer zahlt für was?
Für Hilfsmittel, die den Umgang mit einer Behinderung oder einer Krankheit erleichtern, brauchen Betroffene in der Regel ein Rezept – ganz egal, ob es um Kompressionsstrümpfe geht oder um einen Rollator. Je größer der Bedarf, desto ausführlicher sollte die Verordnung vom Arzt aber verfasst sein. Das erhöht die Chance, dass der Antrag bei der Krankenkasse erfolgreich ist.
Hilfsmittel, die den Alltag in der Pflege erleichtern, gibt es den Angaben nach oft auch ohne Rezept. Entscheidend ist, dass die Notwendigkeit im Pflegegutachten steht. Für solche Hilfsmittel ist dann die Pflege- und nicht die Krankenkasse zuständig. 
Zwischen Luxus und Notwendigkeit
Streit gibt es oft um den Umfang der finanziellen Unterstützung. Denn im Grundsatz zahlt die Kasse nur für die Basisausstattung eines Hilfsmittels, Extras zahlen Betroffene selbst. Doch die Grenzen zwischen Luxus und Notwendigkeit seien fließend, heißt es in der Zeitschrift. Der Tipp daher: Nicht vorschnell auf eigene Kosten einkaufen – stattdessen Widerspruch einlegen.
Beratung bei der Suche nach Hilfsmitteln und der Beantragung gibt es zum Beispiel bei Pflegestützpunkten und Wohnberatungsstellen. Für eine Rechtsberatung beim Widerspruch können sich Pflegebedürftige oder ihre Angehörigen auch an die großen Sozialverbände wenden.
(RP/dpa)
rollingplanet.net

Fallsucht“ – ganz schön behindert, nicht wahr?

Wir alle haben Geheimnisse. Sie zu bewahren macht im schlimmsten Fall ein ausgefeiltes Lügenkonstrukt nötig. Eines, in das man sich heillos verstricken kann, weil man erfundene Details vergisst und die Lüge immer löchriger wird. Doch wann wird Wahrheit zur Pflicht? 
Ich wollte mich dieses Jahr selber testen, meinen Mut auf die Probe stellen und ein “Coming Out“ versuchen. Seit 2014 leide ich an einer Krankheit, die mich psychisch beeinträchtigt und physisch einschränkt. Wo ich vorher alleine Kontrolle ausüben konnte, übernahm mit der Zeit meine Krankheit die Hoheit über das Geschehen, über mich. Denn ich bin an Epilepsie erkrankt. Einer Form von Epilepsie, die durchschnittlich einmal im Monat einen sogenannten Grand mal-Anfall verursacht.
Ich arbeite als freiberufliche Journalistin und habe jahrelang unter diesem Damoklesschwert zugebracht, plötzlich das Bewusstsein zu verlieren und minutenlang zu krampfen. Kein allzu schöner Anblick, wie Augenzeugen einräumen. Allerdings hatte ich lange Glück. Nie hat die “Fallsucht“ mich vor Kollegen oder Interviewpartnern in die Knie gezwungen oder mich nachhaltig von meiner Arbeit abgehalten.
Als dann 2017 sichtbare Verletzungen durch Stürze kamen und meine Medikamente vor allem Nebenwirkungen brachten, nur keine Hilfe, war klar: Dieser Zustand darf nicht länger andauern. Doch wie weiter, rief die Angst in mir, falls ich wirklich medikamentenresistent bin? Laut den Ärzten kommen noch Wirkstoffe in Frage, die einen Unterschied machen können. Sogar eine Hirn-OP war kurzzeitig im Gespräch. Inzwischen ist die OP wieder vom Tisch, weil keine eindeutig geschädigten Zellen abzugrenzen sind. Die Suche nach dem passenden Antiepileptikum geht also weiter.
Verschlimmern werde sich mein Leiden wohl kaum, versuchte mich eine Ärztin vor kurzem zu trösten. Von alleine verbessern aber auch nicht. Um mir Klarheit zu verschaffen, woran ich bin, hatte ich meinen diesjährigen Sommerurlaub im Krankenhaus verbracht. Mit Langzeit-EEG, MRT, neuropsychologischer Untersuchung sowie einer Entnahme von Nervenwasser, um mögliche Antikörper zu identifizieren. Krankenkasse sei Dank! Der Antrag für diesen intensiven, kostspieligen Check-Up wurde auf Anhieb gebilligt. (Was nicht selbstverständlich ist – Auseinandersetzungen hinsichtlich alternativer Medikamente gab es bereits.) Doch Erholung geht anders, definitiv. Dass ich offiziell im Grünen war, stimmt zumindest mit Blick auf die Klinikadresse. 
Mittlerweile finden sich in meinem Gesicht einige Narben. Darauf angesprochen wurde ich bisher selten – vielleicht ist mein Make-Up besser als gedacht oder man will nicht zu indiskret auftreten. Ist aber auch nicht nötig: Das letzte Jahr über habe ich mich ziemlich isoliert. Wohin ich ging, was ich wann tat und mit wem, entsprach einer Gleichung, deren Basis eine andauernde Risikoabschätzung war und im Ergebnis immer öfter zu Abschottung führte. Ich wollte mir Unannehmlichkeiten ersparen und nicht in Erklärungsnot geraten im Fall eines Anfalls – beruflich und privat. Für einen Auftrag ins Ausland? Hm, geht gerade nicht. Heute Abend tanzen? Nee, muss mal wieder früh ins Bett. Es war, als müsste mein tatsächliches Leben pausieren und alles der Krankheit untergeordnet werden.
Die, die ich auch bin, bleibt unsichtbar
Stress gehört indes nicht zu meinem Trigger-Profil. Aber die Vorstellung, wieder mehr unter Leute zu gehen und mein Home-Office täglich gegen eine Großraumredaktion mit wenig empathischen, konkurrierenden Kollegen einzutauschen, bringt mich ins Schwitzen. Von einer solchen Umgebung akzeptiert zu werden, erscheint mir nicht nur in Anfallssituationen unrealistisch. Zu abwegig sind hier Ruheräume, auf Dauer flexible Arbeitszeiten oder spontane Terminverschiebungen, als dass ich diese Konzepte von Inklusion und Barrierefreiheit selbstbewusst einfordern könnte. Immerhin gilt es, auch unter Druck Qualität zu erbringen statt eine “Sonderbehandlung“ zu erwarten oder gar selber den Grund für schlechte Publicity zu liefern: Eine epileptische Redakteurin, wer kann das wollen? Darum bleibt die, die ich auch bin, unsichtbar. Explizit von mir mitgedacht, wie es bei den UN-Nachhaltigkeitszielen in puncto behinderte Menschen heißt, aber „nicht direkt erwähnt“. 
Epilepsie wird verdrängt und totgeschwiegen
Auf einer Busreise durch Argentinien vor drei Jahren durfte ich erleben, wie irritationsfähig die Leute dort sind, als mich im Moment absoluter Entspannung ein Anfall ereilte. Beim Aufwachen hielt mir ein Medizinstudent die Hand, während gefühlt zwanzig Augenpaare auf mich gerichtet waren. Lächeln und Erleichterung in allen Gesichtern, inklusive meinem.
„Du hattest einen epileptischen Anfall.“ – „Ja, ich bin Epileptikerin.“ 
„Wie fühlst du dich jetzt?“ – „Ich bin okay. Tut mir leid für den Vorfall!“
„Du musst dich nicht entschuldigen. Dann noch eine gute Reise!“ – „Danke!“
Niemand hat mich aus dem Bus geworfen und in einen Krankenwagen gezwungen, wie es unter Deutschen nicht unüblich ist. Hierzulande erträgt man den Anblick derart angeschlagener Körper anscheinend nur in Filmen wie „Der geilste Tag“. Im echten Leben wird die Krankheit verdrängt oder totgeschwiegen.
Die eigentliche Tragikomödie in meinem Fall, und es fällt mir schwer, das an dieser Stelle zuzugeben, begründen massive Gedächtnislücken und Wortfindungsschwierigkeiten. Bei Begegnungen für Recherchen kann ich zwar eloquent und selbstsicher auftreten. Mit Familie und Freunden verhält es sich dramatischer. Hier fallen neurologische Störungen schneller auf und verlorene Erinnerungen eher ins Gewicht. Was nicht den Weg in mein Langzeitgedächtnis findet, sondern nur Teil des Zwischenspeichers ist, wird beim nächsten “Systemabsturz“ meist rigoros gelöscht. 
Doch ich will kein Mitleid. Niemand von uns Betroffenen will das. Ganz im Gegenteil. Was uns fehlt, sind Verständnis und Solidarität, der Wille, eine Debattenkultur zu ermöglichen, die eine faire öffentliche Diskussion über Epilepsie zulässt. Stattdessen gibt es reichlich Raum für Spekulationen wie das Beispiel des tragischen SUV-Unfalls in Berlin Anfang September zeigt.
Wem bewusst ist, welches Risiko seine (epileptische) Erkrankung für den Straßenverkehr darstellt, handelt als Fahrer mehr als nur fahrlässig – so wie etliche andere Unfallverursacher. Aber niemand sollte für seine schlechte Gesundheit bestraft werden. Jeder kann zu jeder Zeit einen Herzinfarkt, einen Schlaganfall oder eben einen epileptischen Anfall erleiden. Ich fahre seit Jahren kein Auto mehr. Meinen Führerschein habe ich allein deshalb nicht abgegeben, weil ich die Hoffnung in mir hochhalte, bald wieder länger als ein Jahr anfallsfrei zu sein und zurück ans Steuer zu können. 
Der eigene Anspruch mündet in ein Dilemma
Die Vorurteile, mit denen Epileptiker derweil zu kämpfen haben, sind so mannigfaltig wie absurd. Übertroffen nur von dem Unvermögen derer, die diese Stereotype formulieren, die eigene Unkenntnis zuzugeben. Obwohl wir Erkrankten die Experten für unsere körperliche Verfassung und Leistungsfähigkeit sind, will es immer jemand besser wissen. Flackerlicht? Alkohol? Bloß nicht! Man will uns vor uns selbst schützen. Aber Epileptiker gehören nicht eingeschlossen, noch sollten sie ausgeschlossen und stigmatisiert werden. Doch das ist Wunschdenken, ich weiß. Vielfalt ist theoretisch gern gesehen, solange die praktische Umsetzung nur wenig Mühe bereitet. Während meine Krankheit mich lediglich behindert, ist die Gesellschaft diejenige, die mich benachteiligt. „Darfst du das überhaupt?!“ „Bist du sicher, dass du das schaffst?!“ Gott bewahre, dass die Noch-Gesunden jemals die Grenze zur Welt der Kranken und Behinderten übertreten und selber vor ihre verächtlichen Fragen gestellt werden.
Gleichzeitig sehe ich, wie mein eigener Anspruch in ein Dilemma mündet: Ich will anderen ihre Berührungsängste nehmen und kritisiere, dass Gesundheit nicht zur Norm oder Voraussetzung für gesellschaftliche Teilhabe werden darf, weil es darauf ankommt, Andersartigkeit auszuhalten. Aber wie lächerlich, geradezu “behindert“ von mir, das zu fordern, nicht wahr? Äußere Zustände überwinden zu wollen, während ich mich in meiner eigenen Haut so wenig sicher fühle, dass ich den letzten Schritt, neben meiner Geschichte hier auch meine Identität zu teilen, nicht gehen kann. Die Wahrheit ist, die Furcht vor weiteren negativen Konsequenzen – und Selbstzweifel, ob ich diesen gewachsen bin -, lässt sich nicht einfach abschütteln. Niemand will ständig unterschätzt werden oder seiner sozialen Anerkennung beraubt werden, weil man zuerst immer nur als “krank“ wahrgenommen wird. Meine Kräfte will ich bündeln, um sie auf die Behandlung meiner Krankheit und meinen Alltag zu konzentrieren. Für zusätzliches Engagement in Sachen Aufklärung fehlt die Energie.
Mit diesem Text bei dem einen oder der anderen für einen Perspektivwechsel zu sorgen, würde ich umso mehr als Erfolg ansehen. Fantastisch wäre, wenn folgende Botschaft durchkäme: Erleben Sie einen epileptischen Anfall mit, richten Sie sich nach den Bedürfnissen der erkrankten Person. Solange diese atmet, ist unnötige Aufregung zu vermeiden, Panikmache sowieso. Ruhe und Geduld bewahren (wir reden hier i.d.R. von wenigen Minuten!), darum geht es. Es müssen keine Zungen festgehalten, Arme gedreht und Kleidung an- oder ausgezogen werden. 
Mich mit meiner “unsichtbaren Behinderung“ in den Mittelpunkt eines öffentlichen Beitrags zu stellen, bedeutet einen regelrechten Drahtseilakt für mich. Ob jemand dabei meinen ausgestreckten Arm als Zeichen des Entgegenkommens interpretiert, ist fraglich. Anderer Leute Elend zu begegnen, macht verlegen. Doch für einen Pessimisten bin ich zu optimistisch. Dass Normalität vorrangig als Konstrukt in unseren Köpfen existiert, wird heute nicht mehr nur als Spinnerei abgetan. Ich bin darum nicht traurig, an Epilepsie erkrankt zu sein. Mit Rudi Dutschke, Vincent van Gogh und anderen bin ich in bester Gesellschaft. Mich muss niemand “reparieren“. Zumal sich so einfacher akzeptieren lässt, wenn Antiepileptika nicht wirken. Ich bin froh und dankbar, dass es Jahre gab, in denen Epilepsie auch für mich nicht mehr als ein Wort war. Und ich freue mich auf den Moment, in dem ich mit erhobenem Haupt stolz mein wirkliches “Coming Out“ feiern werde. Anfallsfrei oder nicht.
Die Autorin möchte anonym bleiben, der Name ist der Redaktion bekannt.
Quelle ist vonleidmedien.de

Impfpflicht: Bundestag will Masern besiegen

Die Masern-Impfquote in Deutschland ist zu gering, um einen Ausbruch zu verhindern. Der Bundestag soll deshalb heute eine Impfpflicht beschließen. Doch Skeptiker meinen, das könnte kontraproduktiv sein.
Von Nadine Bader, ARD-Hauptstadtstudio Berlin
Impfen gehört zum Alltag von Kinderarzt Jakob Maske. Aber immer häufiger kommen impfkritische Eltern in seine Praxis. Wenn der Arzt vom Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte dann über die Risiken von Krankheiten aufklärt, kann er die Eltern meist überzeugen. Der Kinderarzt warnt, dass Masern im schlimmsten Fall zu einer tödlichen Gehirnentzündung führen können. „Masern können aber auch noch andere Komplikationen hervorrufen, wie zum Beispiel Ohrenentzündungen, die dann zu lebenslangen Hörstörungen führen, oder schwere Lungenentzündungen und anderes“, sagt der Arzt.
Impfquote gegen Masern ist zu gering
Nur wenn mindestens 95 Prozent der Bevölkerung geimpft sind, können sich Masern nicht mehr ausbreiten. Erst dann wären auch die geschützt, die sich nicht impfen lassen können, zum Beispiel weil sie krank sind. Oder Babys, die noch zu klein zum Impfen sind. Laut Robert Koch-Institut waren zuletzt 92,8 Prozent der Schulanfänger ausreichend gegen Masern geschützt. Dafür sind zwei Impfungen nötig. Die Impfquote in Deutschland ist also noch zu gering, um Masernausbrüche zu verhindern.
Kinderarzt Maske findet es deshalb gut, dass Bundesgesundheitsminister Spahn eine Masern-Impfpflicht einführen will. Spahn räumt ein, dass eine Pflicht zum Impfen ein Eingriff in die „körperliche Unversehrtheit“ sei. Der Bundesgesundheitsminister hält das in der Abwägung aber für vertretbar. Spahn sagt, es gehöre zur Freiheit auch dazu, sich darauf verlassen zu können, „dass mich andere nicht unnötig gefährden. Und eine Maserninfektion wäre eine unnötige Gefährdung, weil es einen sehr, sehr sicheren Impfstoff gibt.“
Bei Verstößen Bußgelder durch Gesundheitsämter
Spahns Gesetzentwurf sieht vor, dass Kinder, die in die Kita oder die Schule gehen, geimpft sein müssen. Gleiches gilt für Erzieher, Lehrer, medizinisches Personal und Asylbewerber, die in Gemeinschaftsunterkünften leben. Die Gesundheitsämter sollen das kontrollieren. Bei Verstößen können sie Bußgelder von bis zu 2500 Euro verhängen oder nicht geimpften Kindern den Besuch einer Kita verbieten.
Der Kinderarzt Maske bezweifelt, dass die Gesundheitsämter dieser Aufgabe gewachsen sind. Er sagt, der öffentliche Gesundheitsdienst sei auch jetzt schon völlig überfordert und leider seien dessen Gelder in der letzten Zeit auch noch gekürzt worden. Ein Problem, das auch die Psychologin und Professorin für Gesundheitskommunikation, Cornelia Betsch, sieht. Die Wissenschaftlerin der Universität Erfurt hat dazu geforscht, warum Menschen sich impfen lassen oder sich dagegen entscheiden.
Impfpflicht – womöglich Aufwind für Impfgegner?
Betsch kommt zu dem Ergebnis, dass eine Impfpflicht nicht ausschlaggebend dafür ist, dass die Impfquote steigt. Die Psychologin sieht sogar die Gefahr, dass Impfgegner durch eine Impfpflicht Aufwind bekommen könnten und freiwillige Impfungen weniger wahrgenommen werden. Sie sagt, dass es klüger wäre, die Gesundheitsämter wieder stärker impfen zu lassen. „Dann könnten die zum Beispiel wieder in Schulen gehen, in Kindergärten und wieder eine Impfstelle aufmachen.“
Im Gesetzentwurf der Bundesregierung heißt es hierzu, dass die Krankenkassen mit dem öffentlichen Gesundheitsdienst zusammenarbeiten sollen. Zum Beispiel, um Reihenimpfungen in Schulen anzubieten, sagt der Bundesgesundheitsminister. Die Wissenschaftlerin Betsch hält das für hilfreich, wenn solche Angebote zügig umgesetzt werden. Im Kern geht es aus ihrer Sicht darum, es den Menschen so einfach wie möglich zu machen, sich impfen zu lassen.
Automatisches Impferinnerungssystem
Die Psychologin plädiert deshalb dafür, ein automatisches Impferinnerungssystem einzuführen: „Zum Beispiel durch die Krankenkassen, die die Daten ja haben, oder auch durch die Ärzte. Das würde sicherlich einen guten Effekt haben.“ Kinderarzt Maske bemüht sich schon jetzt darum, seine kleinen Patienten und deren Eltern an nötige Impfungen zu erinnern. Denn oftmals sind auch die Eltern nicht ausreichend gegen Masern geschützt.
Über dieses Thema berichtete am 14. November 2019 das Erste um 07:08 Uhr im ARD-Morgenmagazin, die tagesschau um 07:30 Uhr und NDR Info um 08:38 Uhr.
Quelle ist von tagesschau.de

Massive Versorgungsengpässe in Kinderkliniken

Viele Kinderkliniken operieren laut dem ARD-Magazin Kontraste jenseits ihrer Kapazitätsgrenzen – insbesondere in der Intensivmedizin. Oft fehlt es an Personal. Die Folgen können für die Betroffenen tödlich sein.
Von Ursel Sieber, Lisa Wandt, Marcus Weller, rbb
Die Versorgungsengpässe in deutschen Kinderkliniken sind massiv. So massiv, dass Kinder in Lebensgefahr geraten oder tatsächlich sterben können. Dieses dramatische Bild zeichnen aktuelle Recherchen des ARD-Magazins Kontraste.
Schwerkranke Kinder Hunderte Kilometer transportiert
Sogar in einer Großstadt wie München können die Versorgungsengpässe lebensbedrohliche Ausmaße annehmen: Das mussten erst kürzlich die Eltern der schwerkranken Frieda Zattler erleben: In ganz München fand sich kein einziges Bett auf einer Intensivstation. Nach einer mehrstündigen Odyssee kamen sie schließlich in Augsburg unter, 80 Kilometer von München entfernt – kein Einzelfall.
Auch der Direktor der Kinderklinik der Berliner Charité, Prof. Marcus Mall, schildert im Kontraste-Interview, wie Ärzte oft stundenlang nach Betten für schwer kranke Kinder suchen, um dann die kleinen Patienten kilometerweit ins Umland zu transportieren – in Einzelfällen sogar bis ins 220 km entfernte Rostock.
Kliniken fehlt Personal
Dabei sind genügend Intensivbetten vorhanden – nur keine Pflegekräfte, um das kranke Kind zu versorgen. Deshalb werden Intensivbetten für Kinder in letzter Zeit immer öfter auch „wegen Personalmangels“ gesperrt. Rund 20 Prozent seiner Intensivbetten stünden deshalb häufig gar nicht zur Verfügung, so Mall.
„Die schlimmste Auswirkung dieses Missstandes ist, dass Kinder, die eigentlich auf eine Intensivstation gehören, keine Kapazität finden, und versterben“, sagt Alex Rosen, Vorstand von „Ärzte in sozialer Verantwortung“, der selbst Leiter einer großen Kindernotaufnahme ist. „Ich fürchte, an immer mehr Kinderkliniken kommt es zu folgender Situation:  Es kommen Anfragen von anderen Krankenhäusern: Wir haben hier ein Kind, es braucht eure Spezialisierung an Intensivstation. Und wir müssen sagen: Ruft morgen nochmal an. Und am nächsten Tag rufen wir dann an und dann heißt es: Das Kind hat leider die Nacht nicht geschafft.“
Sparzwang durch Fallpauschalen
2004 wurde unter der Bundesregierung das neue Abrechnungssystem mit Fallpauschalen eingeführt. Gespart wurde seitdem vor allem bei der Pflege: Die Zahl der Kinderschwestern und -pfleger sank von etwa 40.200 auf rund 37.500 im Jahr 2017 – während die Zahl der Fälle im selben Zeitraum anstieg.
Das bedeutet: Immer weniger Pflegekräfte müssen sich in immer kürzerer Zeit um immer mehr Kinder kümmern. Verschärfend kam hinzu, dass die Krankenhäuser einem Wettbewerbsdruck ausgesetzt wurden und auch öffentliche Häuser Gewinne schreiben sollten.
Fallpauschale
Die Fallpauschale soll die Vergütung von Leistungen im Gesundheitssystem vereinfachen und begrenzen, indem sie einen festen Betrag pro Behandlung festlegt – unabhängig davon, wie aufwändig die Behandlung wirklich ist. Nur in speziellen Fällen können Zusatzentgelte genehmigt werden.
Die Beträge für die einzelnen medizinischen Leistungen werden gemeinsam vom Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV), dem Verband der privaten Krankenversicherung und der Deutschen Krankenhausgesellschaft in einem Fallpauschalen-Katalog festgelegt.
Kritiker sehen in dem Fallpauschalen-System einen Anreiz für Krankenhäuser, ökonomische Zwänge über das Wohl des Patienten zu stellen, wenn zum Beispiel der zugedachte Betrag für den realen Aufwand nicht ausreicht.
Politiker uneinig über Lösung
Der SPD-Politiker Karl Lauterbach, der das Fallpauschalensystem unter Rot-Grün mit eingeführt hat, räumt Fehler ein: „Die Situation spitzt sich zu. Wir müssen handeln und auch bereit sein, das Fallpauschalensystem in diesem Sektor aufzugeben“, so Lauterbach gegenüber Kontraste.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn äußerte sich gegenüber Kontraste eher vorsichtig: „Das ist ein möglicher Weg. Ich schaue aber auch, ob es im Fallpauschalensystem entsprechende Wege gibt“. Der Minister bestreitet das Problem aber nicht. Es sei unbestritten, dass der Aufwand bei Kindern höher ist. „Das muss sich natürlich auch abbilden.“
Die Kliniken beklagen, dass die Fallpauschalen den tatsächlichen Aufwand bei der Versorgung vor allem chronisch kranker Kinder nicht abbilden. Der reale Zeit- und Pflegeaufwand sei viel höher.
Qualifizierte Kräfte geben auf
Wie bedrohlich die Situation inzwischen ist, belegt auch eine aktuelle Studie der Universität Köln: Das Team um die Medizinethikerin Christiane Woopen führte 50 anonymisierte Interviews mit Pflegern und Ärzten aus Kinderkliniken in ganz Deutschland.
Die alltägliche Arbeitsverdichtung sei enorm, die Beschäftigten geraten in „ethische Konflikte“, weil sie „aus einer hohen ideellen Motivation“ heraus gute Medizin machen wollen,  den Anspruch aber so nicht mehr umsetzen können, sagt Woopen. Deshalb verlassen sogar qualifizierte und ursprünglich hoch motivierte Fachkräfte den Beruf – was den Mangel natürlich verschärft.
Kliniken bauen lieber lukrative Bereiche aus
Die Studie zeigt auch, dass das Fallpauschalensystem und der Wettbewerbsdruck falsche Anreize setzen: Die Kliniken konzentrieren sich auf Bereiche, die einträglich seien. Demnach existiert ein Überangebot mit Level-1-Zentren für Frühgeborene unter 1500 Gramm, weil Frühchen lukrativ seien. Bei chronisch kranken Kindern mit komplexen Erkrankungen herrsche dagegen teilweise „eine eklatante Unterversorgung“.  
Diesen und weitere Beiträge sehen Sie heute um 21.45 Uhr bei Kontraste im Ersten.
Über dieses Thema berichtet das Erste am 14. November 2019 um 21:45 Uhr in dem Magazin „Kontraste“.
Quelle ist von tagesschau.de

Dr. Peter Heinz ist neuer BVA-Vorsitzender

Berlin 2.11.2019 – Die Delegiertenversammlung des Berufsverbands der Augenärzte Deutschlands (BVA) hat heute in Berlin einen neuen Vorstand gewählt. Dr. Peter Heinz, seit acht Jahren 2. Vorsitzender, tritt nun an die Spitze der berufspolitischen Vertretung der deutschen Augenärzte. Der bisherige 1. Vorsitzende Prof. Dr. Bernd Bertram wird ihn in den kommenden vier Jahren als 2. Vorsitzender unterstützen. In den Vorstand neu gewählt wurde Dr. Bernhard Bambas, ausgeschieden ist Dr. Stephan Schneider.
Mit dem Wechsel an die Spitze, für den 60 von 61 Delegierten stimmten, will Dr. Heinz in den kommenden Jahren Akzente in der berufspolitischen Arbeit setzen. Sein Augenmerk gilt unter anderem den neuen technischen Möglichkeiten, die die Digitalisierung gerade auch für die Augenheilkunde mit sich bringt. „Diesen Umbruch wollen wir für die Augenärzte konstruktiv mitgestalten. Sinnvolle Anwendungen werden wir unterstützen, unsinnige abwehren. Die Digitalisierung darf kein Selbstzweck werden, sondern muss unseren Patienten und uns Augenärzten nützen“, betont Dr. Heinz.
Insgesamt setzen die BVA-Delegierten auf Kontinuität und auf langjährige berufspolitische Erfahrung bei der Wahl des Führungsgremiums. Prof. Dr. Bertram, niedergelassener Augenarzt in Aachen, wurde 1999 erstmals zum 2. Vorsitzenden gewählt, seit 2007 leitete er dann den BVA so erfolgreich, dass er zwei Mal wiedergewählt wurde. Dr. Heinz, niedergelassener Augenarzt in Schlüsselfeld, arbeitete seit 2011, als er erstmals zum 2. BVA-Vorsitzenden gewählt wurde, eng mit Prof. Bertram zusammen – eine Kooperation, die nun mit vertauschten Rollen fortgesetzt wird.
Berufspolitische Erfahrung bringen auch die anderen Mitglieder des neugewählten Teams mit: Dr. Kaweh Schayan-Araghi, der als niedergelassener Augenarzt in Dillenburg tätig ist, wurde 1999 erstmals in das Gremium gewählt. Prof. Dr. Hans Hoerauf, der Leiter der Universitäts-Augenklinik in Göttingen, arbeitet bereits seit 2013 als wissenschaftliches Mitglied im Vorstand mit. Dr. Bambas kommt als einziger neu in den Kreis, doch auch er ist ein „alter Hase“: Seit dem Jahr 2000 leitet er den BVA-Landesverband in Schleswig-Holstein und seit 2016 wirkt er im Arbeitsausschuss des Bundesvorstands mit. Er tritt nun an die Stelle von Dr. Stephan Schneider, der seit 20 Jahren das Ressort Gebührenordnung leitet und seit 2007 im Vorstand mitarbeitete.
Ein Foto von Dr. Heinz steht hier zum Herunterladen bereit:
https://augeninfo.de/bild_datenbank/detail.php?ID=118
Herausgeber: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA), Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf Pressekontakt: Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e.V. (BVA), Tersteegenstr. 12, 40474 Düsseldorf, Tel. +49 (0) 2 11 / 4303700, Fax +49 (0) 2 11 / 4303720, presse@augeninfo.de, www.augeninfo.de
Zuletzt geändert am 04.11.2019 09:24
Quelle ist von pro-retina.de

[Treffpunkt] eRezept: Medikamente ohne Arzt- und Apothekenbesuch

Nachdem im Rahmen des Pilotprojekts docdirekt schon seit einiger Zeit „Online-Arztbesuche“ möglich sind, führt Baden-Württemberg jetzt als erstes Bundesland auch elektronische Rezepte ein. Hinter dem Kürzel GERDAverbirgt sich der „Geschützte eRezept-Dienst der Apotheken“ und damit die Möglichkeit, elektronische Rezepte auszustellen und an den Patienten zu senden, dieser kann diese dann wiederum an eine Apotheke seiner Wahl weiterleiten.
Wie bei docdirekt handelt es sich auch bei GERDA um einen Modellversuch. In der Startphase können gesetzlich versicherte Patienten in Stuttgart und im Landkreis Tuttlingen die sogenannte eRezepte nutzen. Für die technische Umsetzung zeichnen die privat geführten Unternehmen Netzgesellschaft Deutscher Apotheker mbH und Teleclinic GmbH verantwortlich, das Land Baden-Württemberg fördert das Projekt mit rund einer Million Euro.
Die Anbindung von GERDA an docdirekt bringt Vorteile für Patienten, Arzt und Apotheke. Durch die Behandlung eines Telearztes in der Video-Sprechstunde entfällt der Gang in die Arztpraxis. Der Telearzt stellt bei Bedarf ein eRezept aus und legt es auf dem GERDA-Server ab. Parallel sendet er über GERDA einen gesicherten Schlüssel in der docdirekt-App an den Patienten. Der Patient kann sich mit diesem Schlüssel sein eRezept in der docdirekt-App ansehen. Durch das einsehbare Apotheken-Register kann der Patient das eRezept einer am Projekt teilnehmenden örtlichen Apotheke seiner Wahl in Stuttgart oder Tuttlingen senden. GERDA übermittelt dann das verschlüsselte eRezept in die ausgewählte Apotheke.
Eine
Chatfunktion ermöglicht es, Kontakt zum Patienten aufzunehmen und mitzuteilen, wann die Medikamente verfügbar sind oder wann diese auch auf Wunsch des Patienten mittels Botendienst nach Hause gebracht werden.
Grundsätzlich könnten Angebote wie docdirekt und auch GERDA in Deutschland aufgrund des Fernbehandlungsverbot nicht in vergleichbarem Umfang bereitgestellt werden. Allerdings besteht die Möglichkeit, Sondergenehmigungen für Modellprojekte auszustellen. Dies war bei dem GERDA zugrundeliegenden docdirekt der Fall.
YouTube Video: https://youtu.be/nkHQz6GW3XQ
Download:
IOS: https://apps.apple.com/us/app/docdirekt/id1343845999?ign-mpt=uo%3D4
Android: https://play.google.com/store/apps/details?id=com.teleclinic.docdirekt
Quelle: https://www.ifun.de/erezept-medikamente-ohne-arzt-und-apothekenbesuch-145759/

Liebe Grüße
Georgios


Treffpunkt mailing list
Treffpunkt@pro-retina.de
http://lists.pro-retina.de/cgi-bin/mailman/listinfo/treffpunkt

Lange geplante Herzoperationen von Kindern werden kurzfristig verschoben. Rettungssanitäter mit jungen Notfallpatienten an Bord wissen nicht, welche Klinik sie anfahren können.

Eltern müssen in weit entfernte Krankenhäuser pendeln. Der Mangel an Pflegepersonal sorgt für unterbesetzte Stationen. Dazu kommt: Das Fallpauschalen-System berücksichtigt die zeit- und kostenintensive Behandlung kranker Kinder nicht ausreichend. Die Folge: Kliniken geben Teile ihrer Kinderstationen ganz auf. Warum vernachlässigt unser Gesundheitssystem die Schwächsten, unsere Kinder?
An der Haunerschen Kinderklinik in München können in der Intensivstation nur acht von 16 Betten belegt werden. Auch in der Kinder-Intensivstation an der Medizinischen Hochschule Hannover stehen 20 Prozent der Betten leer. Der Grund: Pflegekräftemangel. Kranke Kinder müssen abgewiesen werden. Ein weiteres Problem ist das Bezahlsystem im Gesundheitswesen. Die Krankenkassen rechnen nach sogenannten „Fallpauschalen“ ab. Bezahlt wird ein Durchschnittswert, in dem sowohl Diagnostik, Behandlung und Pflege enthalten ist. Doch Gespräche mit Kindern und Eltern dauern länger, brauchen mehr Einfühlungsvermögen, und die viel niedrigeren Fallzahlen machen es schwerer, Routinen zu entwickeln.
„Kinder widersetzen sich der Durchtaktung im System, weil sie Kinder sind“, sagt Professor Christoph Klein, Direktor der Haunerschen Kinderklinik München. Wenn den 18 Monate alten Viktor bei einer einfachen Blutabnahme zwei Pflegerinnen und seine Mutter halten müssen, ist dieser Personaleinsatz in keiner Pauschale eingepreist.
Und die Situation spitzt sich zu, stellt Autor Stefan Eberlein bei den Recherchen für seinen Film fest. In den Krankenhäusern werden Budgets für die zeitintensive Behandlung von Kindern mit komplexen Krankheiten gekürzt, oft nur, um die Vorhaltekosten zu reduzieren. Wenn 2020 zudem die „generalisierte Pflegeausbildung“ kommt, befürchten Ärzte, dass es noch schwerer wird, hochqualifizierte Pfleger für die Kinderstationen zu bekommen. „Diejenigen die keine spezialisierte Ausbildung haben, müssen wir dann über ein oder zwei Jahre qualifizieren“, so Jochen Scheel, Geschäftsführer von G-Kind, der Gesellschaft der Kinderkrankenhäuser und Kinderabteilungen in Deutschland e.V..
Warum stehen in der Diskussion um unser Gesundheitssystem die Bedürfnisse von Kindern nie im Fokus? Der Film zeigt, wie Ärzte und Pfleger vergeblich bessere Bedingungen einfordern und wie wenig sie dabei bei der Politik Gehör finden.
Professor Christiane Woopen, Medizinethikerin in Köln, hat gerade eine Studie zur Situation herausgebracht und konstatiert: „Es erschreckt, mich, dass wir in einem so reichen Land tatsächlich mit der Gesundheit unserer Kinder in der klinischen Versorgung nicht gut umgehen.“
Quelle ist von ARD

AOK fordert Stärkung der Patientenrechte

Jeder vierte Bundesbürger hat seinen behandelnden Arzt schon einmal darum gebeten, Einsicht in seine Behandlungsunterlagen zu nehmen – und immerhin 15 Prozent dieser Patienten wurde die gewünschte Einsicht nach eigenen Angaben verweigert. Das hat eine repräsentative Online-Umfrage des Instituts YouGov unter mehr als 2.000 Personen ergeben. In einem am Donnerstag (24. Oktober) veröffentlichten Papier zur Stärkung der Patientenrechte spricht sich der AOK-Bundesverband dafür aus, die Position der Patienten bei diesem Thema zu stärken: Wenn Ärzte ihren Patienten die Einsicht in ihre Behandlungsunterlagen ohne Grund verweigern, soll das für sie in Zukunft rechtliche Konsequenzen haben. In der YouGov-Befragung stimmen 83 Prozent der Befragten einer solchen Änderung der gesetzlichen Vorgaben zu
https://www.eu-schwerbehinderung.eu/index.php/allgemeines/1486-beitrag-20191025-02