[PRO RETINA News] Coronavirus: Keine Infektionsgefahr durch Tränenflüssigkeit

Liebe PRO RETINA Interessenten,

Coronavirus: Offensichtlich keine Übertragung über Tränenflüssigkeit –
außer bei Bindehautentzündung

Laut der Stiftung Auge der DOG (Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft) sind
mittlerweile mehr als 2,5 Millionen Menschen nach Zahlen der Johns Hopkins
Universität, Baltimore/USA, weltweit positiv auf das Coronavirus SARS-CoV-2
getestet. Da es sich dabei um ein neuartiges Virus handelt, sind
wissenschaftliche Erkenntnisse zu Übertragungswegen bislang rar.

Von der Tränenflüssigkeit, so die Stiftung Auge, geht laut einer aktuellen
Studie aus Singapur [1] eine nur geringe Ansteckungsgefahr aus. Die Stiftung
Auge informiert darüber, wie sich das Virus nach derzeitigem Kenntnisstand
verbreitet, wie sich im Alltag eine Infektion über die Augenschleimhäute
vermeiden lässt und was bei anstehenden Behandlungen beim Augenarzt zu
beachten ist.

Um die von der Tränenflüssigkeit ausgehende Infektionsgefahr zu
untersuchen, nahmen nach Angaben der Stiftung Auge die Wissenschaftler aus
Singapur bei 17 Patienten, die wegen der durch das Coronavirus ausgelösten
Lungenkrankheit Covid-19 in stationärer Behandlung waren, über drei Wochen
Tränenproben aus beiden Augen. In keinem Fall, so die Stiftung Auge, konnten
sie das Coronavirus nachweisen. “Dieses Ergebnis legt die Vermutung nahe,
dass sich der Covid-19-Erreger nicht von den Atemwegen auf die Tränenwege
ausbreitet”, sagt Professor Frank G. Holz, Vorsitzender der Stiftung Auge.

Vorsicht bei Bindehautentzündung

Anders verhält es sich laut Stiftung Auge möglicherweise, wenn eine
infizierte Person zugleich an einer Bindehautentzündung leidet. In diesem
Fall fand sich nach Angaben der Stiftung Auge das Virus laut einer
chinesischen Studie [2] mit 30 Teilnehmern auch in der Tränenflüssigkeit.
Nach aktuellem Kenntnisstand, so heißt es im New England Journal of Medicine
[3], zeigen weniger als ein Prozent der Patienten mit Covid-19 Anzeichen
einer Bindehautentzündung. “Die Forschung zu den Zusammenhängen zwischen
einer Corona-Infektion und Symptomen an den Augen steht noch ganz am Anfang.
Die bisherigen Erkenntnisse sind daher aufgrund der geringen Teilnehmerzahl
mit Vorsicht zu betrachten”, sagt der Direktor der
Universitäts-Augenklinik Bonn.

Symptome einer Bindehautentzündung

Typische Symptome einer durch Viren ausgelösten Bindehautentzündung sind
ein Fremdkörpergefühl in den Augen, Jucken, Brennen oder Rötung. “Wer
aktuell mit diesen Beschwerden zu kämpfen hat, sollte aber nicht gleich eine
Corona-Infektion befürchten, vor allem wenn andere typische Symptome wie
Husten, Fieber oder Abgeschlagenheit fehlen,” sagt Professor Christian
Ohrloff, Mediensprecher der Stiftung Auge. Gerade im Frühjahr seien diese
Beschwerden eher auf eine Pollenallergie zurückzuführen, so der ehemalige
Direktor der Universitäts-Augenklinik Frankfurt. Aufgrund des milden Winters
bereiten viele Pollenarten Allergikern bereits seit Februar Probleme.

Auge als Einfallstor für Krankeitserreger

Holz weist darauf hin, dass die Augen allgemein ein potenzielles Einfallstor
für Krankheitserreger darstellen. “Wenn wir Viren auf der Handoberfläche
tragen und uns dann ins Gesicht fassen, können die Erreger über die
Bindehaut eindringen”, warnt der Augenarzt. Daher sei es wichtig, die
Hände oft und gründlich zu waschen und sich möglichst wenig ins Gesicht zu
fassen. Um außerdem die Gefahr einer Tröpfcheninfektionen zu verringern,
sei es sinnvoll, Abstand zu anderen Menschen zu halten. Schutzbrillen seien
dagegen nur bei unvermeidbarem Nahkontakt im medizinischen Bereich nötig, so
Holz.

Nutzen-Risiko-Abwägung für augenärztliche Behandlungen

Für augenärztliche Behandlungen gilt, nicht notwendige Behandlungen zu
vermeiden. “Eine Katarakt-Operation etwa lässt sich ohne zusätzliches
Gesundheitsrisiko verschieben, wohingegen Injektionen zur Behandlung der
feuchten altersabhängigen Makuladegeneration fortgesetzt werden sollten”,
rät Holz. Allgemein sei es wichtig, in Rücksprache mit dem Augenarzt das
Infektionsrisiko mit dem Nutzen der Behandlung abzuwägen.

Quellen: Pressemitteilung Stifung Auge der DOG [4]; Ophthalmologische
Nachrichten online [5]

Links aus diesem Beitrag:
[1] https://www.aaojournal.org/article/S0161-6420(20)30311-0/pdf
[2] https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/jmv.25725
[3] https://www.nejm.org/doi/10.1056/NEJMoa2002032
[4]
https://www.stiftung-auge.de/wp-content/uploads/2020/04/PM_Corona_Stiftung_Auge_F.pdf
[5]
https://biermann-medizin.de/coronavirus-offensichtlich-keine-uebertragung-ueber-traenenfluessigkeit-ausser-bei-bindehautentzuendung/?utm_source=newsletter&utm_medium=email&utm_term=https%3A%2F%2Fbiermann-medizin.de%2Fcoronavirus-offensichtlich-keine-uebertragung-ueber-traenenfluessigkeit-ausser-bei-bindehautentzuendung%2F&utm_content&utm_campaign=Ophthalmologische+Nachrichten+Dienstag%2C+14.+April+2020

Mit freundlichen Grüßen,
Karin Langhammer
Redaktion PRO RETINA News

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Patientenkolloquium rund um Netzhaut-, Makula-, Hornhaut- und Liderkrankungen

Hilfe für einen klaren Blick

Im Rahmen des regelmäßig stattfindenden Patientenkolloquiums „Uni-Medizin für Sie – Mitten im Leben“ lädt das Universitätsklinikum Bonn in Kooperation mit dem General-Anzeiger Bonn zu einem Informationsabend ein. Unter dem Motto „Für einen klaren Blick – Augenerkrankungen früh erkennen und heilen“ geben Vorträge einen Überblick rund um Netzhauterkrankungen wie die altersabhängige Makuladegeneration, Hornhauterkrankungen wie Keratokonus, trockene Augen sowie Lidtumore. Ein Schwerpunkt der Veranstaltung liegt auf modernen Behandlungsoptionen, beispielsweise der neurotrophen Keratopathie oder der ersten Gentherapie bei einer erblichen Netzhautdegeneration. Die kostenlose Veranstaltung findet am Donnerstag, 13. Februar, ab 18 Uhr im Hörsaal des Biomedizinischen Zentrums (BMZ), Venusberg-Campus 1, statt

Die Makula liegt im Zentrum der Netzhaut und beinhaltet mit Millionen von Sehzellen den Punkt des schärfsten Sehens. Lagert sich Flüssigkeit dort ein, können verschiedene Grunderkrankungen Ursache sein – wie altersabhängige Makuladegeneration, Netzhautgefäßverschlüsse oder Diabetes. „Wichtig ist hier die Früherkennung, damit die Behandlung durch die Gabe von Medikamenten ins Auge so rasch wie möglich durchgeführt wird. Nur so können wir irreversible Seheinbußen verhindern“, sagt Prof. Frank Holz, Direktor der Augenklinik am Universitätsklinikum Bonn. Meist muss die Therapie über längere Zeit – zum Teil sogar lebenslänglich – durchgeführt werden. In diesem Jahr wird mit „Brolucizumab“ erstmals ein neuer Wirkstoff zur Verfügung stehen, der laut klinischen Prüfungen potentiell länger und besser wirkt als die im Moment verfügbaren Präparate.

Mit dem Alter treten aber auch andere Erkrankungen der Makula gehäuft auf. So gibt es neben der epiretinalen Gliose, bei der sich ein Häutchen auf der Netzhautoberfläche bildet, die so genannten „Makulalöcher“. Typisches Symptom hierfür ist verzerrtes Sehen. Für diese Erkrankungen gibt es wirksame und sichere Behandlungsmöglichkeiten wie beispielsweise einen mikrochirurgischer Eingriff.

Seheinschränkungen betreffen nicht nur ältere Menschen

Während viele Augenerkrankungen vorwiegend im fortgeschrittenen Alter auftreten, betrifft der Keratokonus junge Patienten ab der Pubertät. Dabei kommt es durch eine asymmetrische Hornhautverkrümmung zu einer Sehverschlechterung. Eine Früherkennung gerade im Anfangsstadium ist wichtig. Dann kann mittels des so genannten Crosslinkings, einem Verfahren zur Stabilisierung der Hornhaut, der Keratokonus oft aufgehalten werden. „Da dann mit Brille oder formstabiler Kontaktlinse zumeist eine gute bis sehr gute Sehschärfe erreicht wird, können wir so Operationen wie eine Hornhauttransplantation vermeiden, die bis vor einigen Jahren bei Keratokonus-Patienten noch viel häufiger durchgeführt wurde“, sagt Privatdozentin Dr. Martina Herwig-Carl, Oberärztin der Augenklinik am Universitätsklinikum Bonn.

Weitere neue Therapieansätze in der Augenheilkunde

Bei einer neurotrophen Keratopathie, einer durch verschiedene Ursachen bedingten Nervenschädigung der Hornhaut, können wie auch bei Rheuma-assoziierten trockenen Augen schwer heilende Oberflächendefekte und Geschwüre der Hornhaut auftreten. Die Behandlung ähnelt der des trockenen Auges, also unkonservierte Tränenersatzmittel, gegebenenfalls kombiniert mit einem Augengel oder einer Augensalbe. Aber auch Eigenserum-Augentropfen oder operative Maßnahmen kommen zum Einsatz. Seit 2017 ist die lokale Behandlung mit dem Wirkstoff „Cenegermin“ für schwere und nicht auf die herkömmliche Therapie ansprechende Defekte zugelassen. „Dies stellt für ausgewählte Verläufe eine neuartige und vielversprechende Therapieoption dar“, sagt Privatdozentin Herwig-Carl.

Seit kurzem ist in Europa erstmals eine Gentherapie bei einer Netzhautdegeneration zugelassen, die bereits im Kindes- und Jugendalter zu erheblichen Seheinbußen bis hin zur Erblindung führen kann. „Wir gehören zu den wenigen Zentren in Deutschland, in denen diese Therapie angeboten wird“, sagt Prof. Holz.

Trockene Augen, Lidtumore und künstliche Intelligenz

Auf der kostenlosen Informationsveranstaltung weisen Prof. Holz und Privatdozentin Herwig-Carl auf die Bedeutung der Früherkennung von Netz- und Hornhauterkrankungen hin. Beide stellen neuste Methoden der Diagnose und Therapie vor. So spielt die Augenheilkunde mittlerweile eine Vorreiterrolle in der Anwendung künstlicher Intelligenz. Weitere Themen sind die Volkskrankheit „trockene Augen“ und Lidtumore. Nach den Vorträgen besteht die Gelegenheit, Fragen an die Referenten des Universitätsklinikums Bonn zu stellen.

Quelle: ukbnewsroom.de vom 06.02.2020

[PRO RETINA News] AMD: Rolle eines Regulationsproteins des Komplementsystems

Liebe PRO RETINA Interessenten,

Bedeutung eines Proteins des Komplementsystems bei Entstehung der AMD

Wissenschaftler um Prof. Simon Clark vom Forschungsinstitut für
Augenheilkunde am Universitätsklinikum Tübingen haben in einer aktuellen
Arbeit den Einfluss eines Proteins ( Faktor-H (FH) und der mit dem
Komplementfaktor H (CFH) assoziierten Gene (CFHR1-5) für die
Erkrankungsanfälligkeit (Prädisposition) für die altersbedingten
Makuladegeneration (AMD) untersucht. Es handelt sich dabei um ein Protein,
das bei der Regulation des Immunsystems eine Rolle spielt und bei
AMD-Patienten verstärkt gebildet wird. Die Ergebnisse könnten nun zur
Entwicklung von neuen Diagnose- und Behandlungsverfahren führen, sagen die
Wissenschaftler. Ziel der Arbeit ist es, entsprechende Ansatzpunkte für eine
pharmakologische Intervention zu finden. Die Ergebnisse ihrer Studie haben
die Forscher im Journal „Nature Communications“ [1]publiziert.

Die bisherige Erforschung der AMD hat gezeigt, dass die Entstehung beider
Formen auf einer gemeinsamen Grundursache basiert. Dabei zeichnete sich
bereits ab, dass es genetische Veranlagungen gibt, die mit einem erhöhten
Erkrankungsrisiko verknüpft sind. Es gab zudem Hinweise darauf, dass der
AMD-Entstehung Fehlfunktionen des Immunsystems im Auge zugrunde liegen. Vor
diesem Hintergrund hat nun ein internationales Forscherteam die mögliche
Bedeutung eines Proteins namens FHR-4 ins Visier genommen. Es besitzt eine
Funktion im sogenannten Komplementsystem, das bei Entzündungen und der
Abwehr von Infektionen eine Rolle spielt. Doch um effektive Medikamente zur
Behandlung der AMD entwickeln zu können, muss zunächst verstanden werden,
was in der Fein-Regulation des Komplementsystems falsch läuft. Die
Wissenschaftler aus Tübingen, Manchester, Cardiff, London und Nijmegen
gingen daher der Frage nach, ob auch andere Regulatoren des Komplementsystems
beim Kontrollverlust im Immunsystem eine Rolle spielen.

Erhöhte Proteinkonzentration im Blut bei AMD

Durch Untersuchungen des Bluts von 484 AMD-Patienten und 522 gleichaltrigen
Kontrollpersonen konnten die Forscher nun nachweisen: Die Erkrankung ist mit
einer deutlich erhöhten Konzentration von FHR-4 im Blut verbunden. Offenbar
sammelt sich das Protein auch intensiv im Auge an, ergaben anschließend
Untersuchungen. FHR-4 kommt demnach speziell in der Makula erhöht vor –
der von der Krankheit betroffenen Augenregion. „Bis jetzt gab es nur
Hinweise auf eine mögliche Rolle von FHR-Proteinen. Jetzt konnten wir einen
direkten Zusammenhang nachweisen“, sagt Co-Autor Simon Clark von der
University of Manchester.

Um genetische Besonderheiten aufzuspüren, die mit dem erhöhten
FHR-4-Spiegel bei AMD-Patienten verknüpft sein könnten, führten die
Forscher anschließend eine sogenannte genomweite Assoziationsstudie durch.
Die dadurch identifizierten genetischen Besonderheiten passen ihnen zufolge
auch zu genetischen Varianten, die bereits in früheren Untersuchungen mit
einem erhöhten AMD-Risiko verknüpft wurden.

Hoffnung auf neue Diagnose- und Behandlungsverfahren

Unterm Strich geht aus den Ergebnissen nun hervor, dass vererbte genetische
Veränderungen zu einem erhöhten FHR-4-Spiegel im Blut führen, der dann
eine unkontrollierte Aktivierung der Immunreaktionen im Auge hervorrufen
kann, die am Anfang der Entwicklung der beiden AMD-Formen steht. „Die
kombinierten Protein- und genetischen Befunde liefern nun überzeugende
Beweise dafür, dass FHR-4 eine Schlüsselrolle für den Teil des
Immunsystems spielt, der die Augen beeinflusst“, sagt Co-Autor Paul Bishop
von der University of Manchester.
Wie er und seine Kollegen erklären, liefern die Ergebnisse nun wichtige
Ansatzpunkte für die weitere Forschung und vor allem für die Entwicklung
von neuen Diagnose- und Behandlungsverfahren. „Abgesehen von dem
verbesserten Verständnis der Entstehung von AMD zeigt diese Arbeit eine
Möglichkeit auf, das Risiko der Erkrankung vorherzusagen, indem die
Konzentration von FHR-4 im Blut gemessen wird. Außerdem zeichnet sich ein
neuer Weg zur Behandlung ab, indem der Blutspiegel von FHR-4 gesenkt wird, um
die Funktion des Immunsystems in den Augen wieder in Ordnung zu bringen“,
sagt Bishop.

Seine Kollegin Valentina Cipriani von der Radboud-Universität in Nijmegen
ergänzt mit Blick in die Zukunft: „Wir hoffen auch, dass unsere Ergebnisse
nun das Interesse anderer Forschergruppen wecken werden, sodass sie sich an
der Aufklärung der Rolle des Komplementsystems bei der Krankheitsentstehung
beteiligen“, sagt die Wissenschaftlerin.

Originalpublikation: Increased circulating levels of Factor H-Related Protein
4 are strongly associated with age-related macular degeneration. Valentina
Cipriani, Laura Lorés-Motta, Fan He, Dina Fathalla, Viranga Tilakaratna,
Selina McHarg, Nadhim Bayatti, İlhan E. Acar, Carel B. Hoyng, Sascha Fauser,
Anthony T. Moore, John R.W. Yates, Eiko K de Jong, B. Paul Morgan, Anneke I.
den Hollander, Paul N. Bishop & Simon J. Clark. Nature Communications 11,
Article number: 778 (2020) [2]

Quellen: Universität Tübingen [3]; Ophthalmologische Nachrichten online vom
11.2.2020 [4]; wissenschaft.de [5]; idw- Informationsdienst Wissenschaft [6].

Links aus diesem Beitrag:
[1] https://www.nature.com/articles/s41467-020-14499-3
[2] https://www.nature.com/articles/s41467-020-14499-3
[3]
https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/das-klinikum/pressemeldungen/meldung/239
[4]
https://biermann-medizin.de/durchbruch-bei-der-erforschung-altersbedingter-makuladegeneration/
[5]
https://biermann-medizin.de/durchbruch-bei-der-erforschung-altersbedingter-makuladegeneration/
[6] https://idw-online.de/de/news731196

Mit freundlichen Grüßen,
Karin Langhammer
Redaktion PRO RETINA News

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[PRO RETINA News] AMD: Mediterrane Ernährung könnte Risiko senken

Liebe PRO RETINA Interessenten,

Mediterrane Ernährung kann Risiko für Altersabhängige Makuladegeneration
(AMD) senken

Rechtzeitig zur Umsetzung der guten Vorsätze für das Jahr 2020 erreichte
und die Kenntnis über die Ergebnisse einer in der US-Fachzeitschrift
„Ophthalmology“ veröffentlichten Studie, die die sogennante Mediterrane
Ernährung im Zusammenhang mit u.a. der Altersbedingten Makuladegeneration
untersuchte. Sie kommt zu dem Schluß, dass diese Ernährungsform das Risiko
für eine AMD senken kann. Auch die Risiken für andere Augenerkrankungen
sollen durch einen bewussten Lebensstil positiv beeinflusst werden können.

Mediterrane Ernährung: Gemüse, Fisch und Olivenöl

Wer viel Gemüse, Fisch, Olivenöl, aber nur wenig Fleisch, Milchprodukte
oder Wein zu sich nimmt, erleidet demnach seltener eine Verschlechterung des
zentralen Sehens durch eine AMD. Weitere Studien zeigen, dass eine gesunde
Ernährung auch dazu beitragen kann, Augenerkrankungen wie dem Grünen und
dem Grauen Star (Glaukom und Katatakt) vorzubeugen.

In einer Studie haben Wissenschaftler jetzt untersucht, welche Auswirkungen
die Art der Ernährung auf die Entwicklung einer altersabhängigen
Makuladegeneration (AMD) hat. Dabei werteten sie Daten zu den Essgewohnheiten
und dem Gesundheitszustand der Augen von fast 5.000 Patienten aus. Sie fanden
heraus, dass Menschen, die regelmäßig viel Gemüse, Fisch und Olivenöl zu
sich nahmen, seltener an AMD erkrankten als Menschen mit einem hohen Konsum
an Fleisch, Milchprodukten und Alkohol. „Das persönliche Risiko, an einer
AMD zu erkranken, hängt von vielen Faktoren ab, wie beispielsweise
genetischer Veranlagung, Umwelteinflüssen oder dem Lebensstil. Auch die
Ernährung spielt dabei eine Rolle,“ sagt Professor Dr. Frank Holz,
Direktor der Universitätsaugenklinik Bonn und Vorsitzender der Stiftung
Auge.

Der Experte betont, dass sich um die Wirkung bestimmter Nahrungsmittel auf
die Augen viele Mythen ranken. „Allgemein kann man durch den Konsum eines
bestimmten Lebensmittels die Sehkraft der Augen nicht direkt beeinflussen.
Eine ausgewogene, vitaminreiche Ernährung aus natürlichen Zutaten in
Kombination mit regelmäßiger Bewegung hilft jedoch dabei, die Funktion der
Augen intakt zu halten und gewissen Augenerkrankungen vorzubeugen“, so
Professor Holz. Ein verbreiteter Mythos ist, dass Karotten gut für die Augen
sind. „Direkt verbessern kann man seine Sehkraft mit Karotten nicht.
Allerdings hilft der darin enthaltene Farbstoff Beta-Karotin, die normale
Funktionsfähigkeit des Auges aufrechtzuerhalten“, sagt Holz. Der Körper
wandelt Beta-Karotin in Vitamin A um, welches das menschliche Auge benötigt,
um in den Stäbchen und Zapfen der Netzhaut Sehpigmente zu bilden. Ein Mangel
an Vitamin A kann sich durch Sehprobleme bei Nacht äußern, kommt jedoch mit
der in Industrieländern üblichen Ernährung nur extrem selten vor.

Lutein, Zeaxanthin und Resveratol

Zwei weitere Karotinoide – Lutein und Zeaxanthin – sind für das Auge
essenziell. Sie sorgen für die Färbung der Makula lutae mit dem Punkt des
schärfsten Sehens. Damit schützen die beiden Stoffe diese wenige
Quadratmillimeter große Stelle der Netzhaut vor Schäden durch
Lichtstrahlen.Eine gesunde Ernährung kann auch anderen Augenerkrankungen
vorbeugen. Der antioxidative Stoff Resveratrol etwa hat möglicherweise einen
positiven Effekt bei einem Glaukom (Grüner Star), da er die krankhaft
beschleunigte Zellalterung am Sehnerv hemmt. Resveratrol kommt vor allem in
den Schalen von Weintrauben, Himbeeren, Pflaumen sowie in Erdnüssen vor.
Auch bei Katarakt (Grauer Star, Linsentrübung) spielt die Ernährung eine
Rolle. „Mehrere Studien haben in den vergangenen Jahren Hinweise darauf
geliefert, dass eine geringe Vitamin-C-Aufnahme das Risiko einer Trübung der
Augenlinse erhöht“, sagt der Experte. Er empfiehlt, Nahrungsmittel mit
einem hohen Vitamin-C-Gehalt in den Speiseplan mit aufzunehmen.

Quellen: Ophthalmologische Nachrichten online [1]; Abstract aus Ophthalmology
2019; 126:381–390 [2]; British Journal of Ophthalmology 2019;
103:1223–1227 [3]; Ophthalmology 2016; 123:1237–1244 [4].

Links aus diesem Beitrag:
[1]
https://biermann-medizin.de/stiftung-auge-mediterrane-ernaehrung-kann-amd-risiko-senken/
[2] https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30114418
[3] https://bjo.bmj.com/content/bjophthalmol/103/9/1223.full.pdf
[4]
https://www.researchgate.net/publication/299401587_Genetic_and_Dietary_Factors_Influencing_the_Progression_of_Nuclear_Cataract

Mit freundlichen Grüßen,
Karin Langhammer
Redaktion PRO RETINA News

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[PRO RETINA News] Makulafachtagung in Freiburg mit Schwerpunkt Myopie

Liebe PRO RETINA Interessenten,

Makula-Fachtagung der PRO RETINA mit Schwerpunkt Myopie-Prävention

Früh erkennen, vorsorgen und schützen

unter diesem Motto steht die Makula-Fachtagung 2020 der PRO RETINA in
Freiburg. Sie findet statt am Samstag, den 15. Februar von 10.00 bis 16.30
Uhr in der Klinik für Augenheilkunde des Universitätsklinikums Freiburg in
der Killianstr. 5, 79106 Freiburg.

Ein besonderer Schwerpunkt wird der Auftakt der Myopie-Präventionskampagne
sein. In Kooperation mit der Klinik für Augenheilkunde am
Universitätsklinikum Freiburg und auf Initiative von Prof. Dr. Dr. Clemens
Lange werden namhafte Referentinnen und Referenten neueste Erkenntnisse zu
Vorsorge, Diagnose, Therapie und Alltagsbewältigung mitbringen und zum
Austausch einladen. Chancen und Risiken für unsere Augengesundheit sind uns
besondere Anliegen bei seltenen Netzhauterkrankungen / juvenilen
Makuladystrophien wie Morbus Stargardt, Morbus Best, AVMD oder noch
selteneren Makuladystrophien, CCS, MacTel und LHON (Erklärungen auf der
Anmeldeseite), so Franz Badura, Vorsitzender der PRO RETINA Deutschland und
Prof. Dr. med. Thomas Reinhard, Ärztlicher Direktor der Klinik für
Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.

Unterschätztes Thema: Kurzsichtigkeit

Ein bisher stark unterschätztes Thema ist die Kurzsichtigkeit (Myopie), vor
allem bei Kindern. Auf die Gefahren, vor allem einer sich entwickelnden
pathologischen Myopie, aber auch Möglichkeiten, frühzeitig präventive
Weichen zu stellen, will diese Fachtagung aufmerksam machen. Sie bildet den
Auftakt einer bundesweiten Präventionskampagne unter der Schirmherrschaft
der Experten Prof. Dr. Wolf Alexander Lagrèze, Freiburg, Prof. Frank
Schaeffel und Prof. Dr. med. Focke Ziemssen, Tübingen. PRO
RETINA-Selbsthilfeaktive mit pathologischer Myopie haben sie aus eigenem
Erleben heraus angestoßen, um die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und
aufzuklären.

Das gesammte Programm, die Referenten und Organisationsdetails können auf
dieser PRO RETINA-Seite [1] bzw. diesem barrierefreien Flyer [2] entnommen
werden. Auch Diagnosespezifische Workshops und Workshops in Kleingruppen zu
verschiedenen Themen können besucht werden.

Anmeldungen nimmt das Team der Geschäftsstelle ab sofort entgegen. Sie
erreichen diese unter der Rufnummer 0228 227 217 0 oder per Mail:
info@pro-retina.de

Bitte geben Sie bei Ihrer Anmeldung an, welchem Krankheitsbild Ihr Interesse
besonders gilt.

Quelle: PRO RETINA Deutschland e.V.

Links aus diesem Beitrag:
[1]
https://www.pro-retina.de/seminare/2020/makula-fachtagung-und-auftaktveranstaltung-myopie-praeventions-kampagne-nr-34-2020
[2]
https://www.pro-retina.de/system/files/seminar/pr_folder_makula-fachtagung_freiburg-neuua.pdf

Mit freundlichen Grüßen,
Karin Langhammer
Redaktion PRO RETINA News

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Aktion Mensch fördert Ausbau des Ehrenamtes

Aktion Mensch fördert Ausbau des Ehrenamtes
Aktion Mensch fördert Ausbau von ehrenamtlichen Unterstützungsstrukturen für Menschen mit Netzhauterkrankungen
Bonn – 250 Aktive sind in fast 60 Regionen Deutschlands für Menschen mit Netzhauterkrankungen, die vererbt oder im Laufe des Lebens erworben wurden, aktiv. Sie informieren, beraten, ermutigen und treiben Entwicklungen in der Forschung, Gesundheitsversorgung und bei der Verbesserung der Lebenssituation voran. „Dem persönlichen Einsatz unserer Aktiven sind maßgebliche Erfolge für Menschen mit Netzhauterkrankungen in den vergangenen 40 Jahren zu verdanken“ betont Franz Badura, Vorsitzender PRO RETINA Deutschland. 
PRO RETINA kann jedoch noch nicht überall da sein, wo dieses Engagement gebraucht wird. Das soll sich ändern, dank einer Förderung durch die Aktion Mensch. Im kommendem Jahr wird damit Tanja Kaiser-Burgard von der Geschäftsstelle in Bonn aus Aktive beim Ausbau der ehrenamtlichen Aktivitäten wie Treffen, Symposien und Aufklärungsaktionen unterstützen. Besonders in den ländlichen Regionen Sachsens, Thüringens, Oberfrankens oder in den küstennahen Gebieten fehlen bisher Möglichkeiten der Beratung und des Austausches unter Gleichbetroffenen. 
Tanja Kaiser-Burgard (Bild nebenstehend) – selbst mit langjährigen Erfahrungen im Ehrenamt – freut sich auf die neue Aufgabe bei PRO RETINA Deutschland. Sie ist begeistert von der Power und dem Ideenreichtum, mit denen sich Menschen trotz teils massiver Seheinschränkungen bei PRO RETINA Deutschland einbringen. Gerne wird sie dieses Engagement zukünftig zum Beispiel mit der Erhebung von Interessen und speziellen Unterstützungsbedarfen der Aktiven unterstützen. Sie wird barrierefreie Arbeitsvorlagen und Arbeitshilfen für sie erarbeiten und bei der Vernetzung mit Trägern und Partnern des sozialen Raumes flankierend tätig sein. Ein großer Teil ihrer Arbeit ist der Gewinnung und Begleitung neuer Ehrenamtlicher gewidmet, die sich in einem der zahlreichen Engagementfelder von PRO RETINA engagieren wollen.
Teil einer guten Sache werden – für sich und andere
Viele Aktive erleben ihr ehrenamtliches Engagement in der PRO RETINA als Win-Win-Situation, so auch Ursula Nölle (Bild nebebstehend) , wie sie in einem Interview schildert (siehe Anlage). Sie begann sich vor vier Jahren in der PRO RETINA Sprechstunde in Bonn zu engagieren. Das ist ein ehrenamtliches Beratungsangebot, das PRO RETINA mittlerweile an zehn Augenkliniken oder Augenzentren bundesweit anbietet. Aufgrund ihres fortgeschrittenen Sehverlustes durch Morbus Stargardt, einer seltenen Netzhauterkrankung, hatte Ursula Nölle ihren Beruf als Arzthelferin nach 24 Berufsjahren aufgeben müssen. Sie fand in der PRO RETINA nicht nur Menschen, die sie verstanden, sondern auch im ehrenamtlichen Engagement Aufgaben, die sie voranbringen und Freude machen.
Ursula Nölle resümiert anlässlich des Tages des Ehrenamtes: „Ich merke, wie ich immer mehr in diese Arbeit hineinwachse und neue Aufgaben mutiger angehe, auch, wenn meine Erkrankung weiter voranschreitet.
Sie fand in Bonn ein tolles ehrenamtliches Team, sowohl in der PRO RETINA Sprechstunde an der Uniklinik Bonn, als auch in der Regionalgruppe. Hier, so Nölle, geben wir Betroffenen eine Menge an Unterstützung und stellen gemeinsam viel auf die Beine. Ihr Fazit: „Es tut gut, Gutes tun zu können und Teil einer Organisation zu sein, die so viel bewegt“.
Mehr Informationen in einem Interview mit Ursula Nölle zu ihren Erfahrungen im Ehrenamt für die Selbsthilfe.
Kontakt:
Ines Nowack

Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Kaiserstr. 1c
53113 Bonn
Telefon (0228) 227 217-24
Telefax (0228) 227 217-29
E-Mail: presse@pro-retina.de
www.pro-retina.de

Makuladegeneration – ist das wirklich nur eine Frage des Alters?

Volkshochschule Eckental

Makuladegeneration – ist das wirklich nur eine Frage des Alters?

In diesem Vortrag widmen wir uns der Fragen, wodurch die Makuladegeneration entsteht, warum heutzutage immer jüngere Menschen davon betroffen sind, was man vorbeugend dagegen tun kann und welche alternativen Therapiemöglichkeiten im Fall einer bestätigten Diagnostik zur Verfügung stehen. Es gibt viele Möglichkeiten, um das Endstadium, nämlich die Erblindung, zu vermeiden.

Beginn: Mittwoch, 04.12.2019, 19:45 – 21:15 Uhr
Kursgebühr: 5,00 € (Erw.)
Dauer: 1 Abend
Kursleitung: Elke Lintl-Schweiger
Ort: Ambazac-Straße 5, Interimsgebäude 1.OG Zi-Nr. 121, Raum 1 rechts (90542 Eckentai)

Quelle: vhs-eckental.de

Ein Stück Hoffnung mehr – Neuer Gendefekt entschlüsselt

Foto Genetik – Senckenberg-Institut für Humangenetik
Neuer Gendefekt bei Brüdern mit Netzhauterkrankungen entdeckt 
Eine gute Nachricht erreichte dieser Tage Menschen mit Netzhauterkrankungen aus der Augenforschung: Das Senckenberg Zentrum für Humangenetik hat zusammen mit der Augenklinik der Justus-Liebig-Universität Gießen eine weitere Genmutation entdeckt, die Netzhaut-Degenerationen mit starken Sehbeeinträchtigungen verursacht. Die wissenschaftliche Erforschung wurde auch durch das finanzielle Engagement der PRO RETINA Stiftung zur Verhütung von Blindheit möglich. „Je mehr wir über die genetischen Zusammenhänge der Entstehung von Netzhauterkrankungen wissen, desto schneller kommen wir voran in der Entwicklung wirksamer Therapien“, freut sich Franz Badura, Stiftungsvorstand und Vorsitzender der PRO RETINA Deutschland e. V.. Molekulargenetische Untersuchungen zählen seiner Ansicht nach zu den Motoren zukünftigen Fortschritts in der Augenmedizin, wenn sie sich weiter in der ärztlichen Praxis und Finanzierung durch die Krankenkassen durchsetzen können.
Die Entschlüsselung von genetischen Zusammenhängen zur Entstehung von Netzhauterkrankungen zählt heute zu den vielversprechendsten Wegen zu wirksamen Therapien für mehr als 45 bekannte seltene Netzhauterkrankungen. Hoffnung und Meilenstein war auf diesem Weg die Zulassung der ersten Gentherapie zur Behandlung einer erblichen Netzhauterkrankung – der Leberschen Congenitalen Amaurose – durch die europäische Zulassungsbehörde EMA am Ende vergangenen Jahres.
Bessere medizinische Versorgung durch Entschlüsselung
Mittlerweile sind rund 300 von über 600 Genen, die an einer vererbbaren Netzhauterkrankung beteiligt sind, entschlüsselt. Dies ermutigt, denn damit kommt man auch bisher unbekannten Defekten an Genen auf die Spur. So jetzt im Falle von zwei Brüdern mit einer schweren Netzhauterkrankung, die mit einer starken Sehbeeinträchtigung verbunden ist. Das Senckenberg Zentrum für Humangenetik in Frankfurt hat durch Untersuchung aller Gene eines Jungen nun einen bisher unbekannten Defekt des Gens SLC6A6 entdeckt. Das Gen ist für die Aufnahme der Aminosäure Taurin verantwortlich und spielt damit für die Immunität, verschiedene Stoffwechselprozesse und die Funktion zahlreicher Organe eine bedeutsame Rolle. „Wir wissen aus früheren Studien, dass es einen Zusammenhang zwischen niedrigen Taurinwerten und Netzhautschäden gibt. Allerdings kannte man bisher keine genetisch bedingte menschliche Erkrankung, die zu Taurinmangel führt“, erläutert Professor Dr. med. Hanno Bolz, Leiter des Senckenberg Zentrums für Humangenetik. Diese molekulargenetische Identifizierung liefert laut Bolz eine wichtige Information, um die beiden Patienten zielgenauer medizinisch versorgen zu können. Auch wenn deren Sehbehinderung derzeit noch nicht wesentlich beeinflusst werden kann, kann bei ihnen nun regelmäßig eine internistische Beurteilung des Syndroms erfolgen.
Gendiagnosen für schnellere Entwicklung von Therapien unverzichtbar
Gendiagnosen sind auch aus einem anderem Grund von Bedeutung. Die genaue molekulargenetische Identifizierung des individuellen Krankheitsgens, die durch eine einfache Blutentnahme erfolgt, ist auch Voraussetzung, zukünftig an möglichen klinischen Studien teilzunehmen, für die das Patientenregister der PRO RETINA seit mehr als zwei Jahren geeignete Studienteilnehmer und Studieninitiatoren zusammenbringt. „Unverständlich ist vielen Menschen, die sich im Patientenregister einschreiben wollen, wenn in begründeten medizinischen Fällen aus wirtschaftlichen Gründen solche Gendiagnostik abgelehnt wird“, erklärt Dr. Sandra Jansen, Koordinatorin des PRO RETINA-Registers. Solche Fälle werden ihr immer wieder berichtet. Franz Badura plädiert dafür: „Die Möglichkeiten, die sich durch diese Untersuchungen perspektivisch bieten, dürfen nicht ungenutzt bleiben. Es kann nicht sein, dass berechtigte Hoffnungen von Betroffenen durch wirtschaftliche Gründe zunichtegemacht werden.“ PRO RETINA wird seine Anstrengungen verstärken, Fachkräfte zu den Entwicklungen auf dem Gebiet der genetischen Forschungen in der Ophthalmologie auf dem Laufenden zu halten und Patienten zu ermutigen, sich gegebenenfalls ihr Recht zu erstreiten.
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Ines Nowack

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Quelle ist von pro-retina.de

wie kann man die Altersabhängige Makula-Degeneration diagnostizieren und behandeln?

Welche Hilfsmittel erleichtern einem das Sehen im Alter? Und was hat gesunde Ernährung mit gesunden Augen zu tun? Darum geht es morgen in einem Patientensymposium im Rahmen unserer AMD-Aktionswoche in Bonn.
Wer nicht persönlich vorbeikommen kann, kann die Vorträge im Livestream verfolgen: https://m.youtube.com/channel/UCavGZekjt87sz8l_ommaRYA
Das vollständige Programm zum Symposium am 20.11. findet ihr hier: https://www.pro-retina.de/system/files/seminar/pr_folder_amd-woche_bonnua.pdf

Ein Spezialist für die Sinneszellen im Auge

Volker Busskamp tritt die Professur für Degenerative Netzhauterkrankungen an der Uni-Augenklinik an
Der international renommierte Wissenschaftler Volker Busskamp hat die Professur für Degenerative Netzhauterkrankungen an der Universitäts-Augenklinik Bonn angetreten. Die Professur wurde initial als Stiftungsprofessur der Pro Retina Deutschland von der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn eingerichtet. Prof. Busskamp erforscht innovative Ansätze und entwickelt Zukunftskonzepte, wie sich Blindheit verhindern lässt.
„Ich freue mich auf meine neuen Aufgaben und die Einbindung in den Forschungsstandort und die Exzellenzuniversität Bonn“, sagt Prof. Dr. Volker Busskamp. Das interdisziplinäre Umfeld, insbesondere die Kollegen und Studenten, die bereits vorhandene und die geplante Infrastruktur sowie die internationale Wahrnehmung seien hervorragend, sodass sein internationales Team translationale Forschungsvorhaben effizient umsetzen könne. „Die direkte Einbindung in die Augenklinik ist ein riesiger Vorteil und eine hohe Motivation, aus experimenteller Forschung neue Therapien gegen Blindheit zu verwirklichen“, sagt der neu berufene Professor.
Seine Forschung fokussiert sich auf Photorezeptoren. Das sind Sinneszellen der Netzhaut, die Licht in elektrochemische Signale umschreiben. Diese Reize werden weiterverarbeitet und ermöglichen unser Sehen. Hochspezialisierte Photorezeptoren haben spezielle Antennen, sogenannte „Äußere Segmente“, welche sehr fragil sind und bei vielen Erkrankungen des Auges als erstes absterben. Busskamp befasst sich damit, wie die Struktur und Funktion solcher Photorezeptorzellen durch Genregulation und Optogenetik geschützt sowie wiederhergestellt werden können.
Proteine aus Algen, Pilzen oder Bakterien helfen Netzhautzellen
In seiner optogenetischen Forschung schleust der Wissenschaftler lichtsensitive Proteine aus Algen, Pilzen oder Bakterien in Netzhautzellen ein, um sie wieder lichtsensitiv zu machen. „Dieser Ansatz befindet sich bereits in der klinischen Erprobung“, sagt Busskamp. Wenn Photorezeptoren vollständig degeneriert sind, können Zellersatztherapien zum Einsatz kommen. Hierzu zeigt der Wissenschaftler neue Wege auf, wie sich Photorezeptoren aus Stammzellen hocheffizient gewinnen lassen. Um Mutationen zu korrigieren, die zur Degeneration von Photorezeptoren führen, arbeitet Volker Busskamp außerdem daran, Genscheren gezielt und effektiv einzusetzen.
Busskamp ist Diplom-Biotechnologe und hat an der TU Braunschweig, der Universität Genf und der Universität Basel studiert. 2010 promovierte er im Labor von Prof. Botond Roska am Friedrich-Miescher-Institut in Basel und schloss sich anschließend der Arbeitsgruppe von Prof. George Church an der Harvard Medical School in Boston an. Als Freigeist-Fellow der VolkswagenStiftung baute er ab 2014 erfolgreich seine Nachwuchsgruppe am Zentrum für Regenerative Therapien der TU Dresden auf, bevor er an die Augenklinik der Universität Bonn berufen wurde. Seine Forschung ist in renommierten Journalen veröffentlicht. Der Wissenschaftler hat zahlreiche Forschungspreise und Auszeichnungen erhalten, so zum Beispiel den Paul-Ehrlich und Ludwig-Darmstaedter Nachwuchspreis 2017 und einem ERC-Starting Grant mit einer Fördersumme von 1,5 Millionen Euro.
„Wir freuen uns, mit Herrn Prof. Busskamp einen international renommierten Wissenschaftler gewonnen zu haben“, sagt Prof. Dr. Frank Holz, Direktor der Universitäts-Augenklinik. „Seine präventiven Ansätze, die Optogenetik und Zellersatztherapien sind sehr erfolgversprechende translationale Konzepte, von denen unsere Patienten hoffentlich bald profitieren können.“
Stiftungsprofessur von PRO RETINA
Mit der Stiftungsprofessur von PRO RETINA, die nun von der Medizinischen Fakultät der Universität weitergeführt wird, konnte vor knapp acht Jahren in Bonn die Spezialsprechstunde für Patientinnen und Patienten mit seltenen erblichen Netzhauterkrankungen und ein dringend notwendiger wissenschaftlicher Schwerpunkt, ausgebaut werden. „Wir freuen uns mit der Berufung von Prof. Volker Busskamp auf die Fortsetzung innovativer Netzhautforschung an der Bonner Universitäts-Augenklinik zum Wohle der heutigen und zukünftigen Patientengeneration“, sagt Franz Badura, Vorsitzender der Selbsthilfevereinigung für Menschen mit Netzhaut-Degenerationen, die seit 2018 ihren Bundessitz in Bonn hat.